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CSE-Hemmer für Typ-2-Diabetiker

30.08.2004  00:00 Uhr

CSE-Hemmer für Typ-2-Diabetiker

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Die Ergebnisse einer randomisierten Studie weisen darauf hin, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes von einer Cholesterol senkenden Therapie mit Statinen zur Risikoreduktion des kardiovaskulären Risikos profitieren – selbst bei niedrigen Cholesterol-Werten.

Die Vorteile einer Statin-Therapie zur Minderung des kardiovaskulären Risikos sind inzwischen für verschiedenste Patientengruppen durch mehrere aktuelle Studien belegt. Ob jedoch Diabetes-Patienten, bei denen von einem erhöhten kardiovaskulärem Risiko ausgegangen werden kann, eine Cholesterol senkende Therapie erhalten sollten, war unklar. Helen Colhoun vom University College Dublin, Irland, und ihre Kollegen untersuchten die Effektivität von Atorvastatin zur Primärprävention von schweren kardiovaskulären Erkrankungen bei Typ-2-Diabetikern, die keine hohen LDL-Werte aufwiesen. 2838 Patienten im Alter zwischen 40 und 75 Jahren erhielten randomisiert entweder 10 mg Atorvastatin oder Placebo. Einschlusskriterium waren neben einem nachgewiesenen Typ-2-Diabetes, das Fehlen von kardiovaskulären Erkrankungen in der Anamnese, eine LDL-Konzentration von weniger als 4,14 mmol/l und eine Nüchtern-Triglycerid-Konzentration von weniger als 6,78 mmol/l. Ferner musste einer der Risikofaktoren Retinopathie, Albuminurie, Rauchen oder Bluthochdruck vorliegen. Primäre Endpunkte der Studie waren das Auftreten eines akuten koronaren Ereignisses, eine koronare Revaskularisation oder ein Schlaganfall.

Da die Patienten der Atorvastatingruppe signifikant von der Behandlung profitierten, wurde die Studie zwei Jahre vor dem geplanten Studienende abgebrochen. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 3,9 Jahre. Das Risiko, ein kardiovaskuläres Ereignis zu erleiden, konnte in der Atorvastatingruppe verglichen mit Placebo um ein Drittel gesenkt werden. Bezüglich koronarer Herzerkrankungen konnte das Risiko um 36 Prozent gesenkt, die Rate an koronaren Revaskularisationen konnte um 31 Prozent reduziert werden. Die Todesrate wurde durch Atorvastatin um 27 Prozent erniedrigt, Schlaganfälle um 48 Prozent reduziert.

Fazit: Die Einnahme von täglich 10 mg Atorvastatin kann das Risiko eines erstmaligen kardiovaskulären Ereignisses, inklusive Schlaganfall, bei Typ-2-Diabetikern mit normalem LDL-Spiegel signifikant reduzieren. Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass es keinem erhöhten LDL-Spiegel bedarf, um den Einsatz eines Statins zu rechtfertigen. Dabei stellt sich die Frage, ob zukünftig alle Typ-2-Diabetiker eine Behandlung mit einem CSE-Hemmer erhalten sollten und wie man eventuell Patienten mit einem niedrigen Risiko herausfiltern kann.

In einem Begleitkommentar wird empfohlen, für jeden einzelnen Patienten Risiko und Nutzen abzuwägen, bevor man eine Langzeit-Behandlung mit CSE-Hemmern empfiehlt. Aus diesem Grund sollten weitere Modelle entwickelt werden, mit deren Hilfe das Risiko einer koronaren Herzerkrankung bei Typ-2-Diabetikern abgeschätzt werden kann. Für Patienten mit Typ-2-Diabetes, die ein moderates bis niedriges Risiko für koronare Herzerkrankungen aufweisen, sollten vor einer Therapie mit Lipidsenkern diätetische Maßnahmen, körperliche Betätigung, Gewichtsverlust und eine strenge Blutzuckerkontrolle erprobt werden.

Quelle: Colhoun, H. et al. Lancet 364 (2004): 685 - 696Top

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