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Antibiotika unnötig bei Bindehautentzündung

11.07.2005  00:00 Uhr

Antibiotika unnötig bei Bindehautentzündung

von Dagmar Knopf, Limburg

Die meisten Kinder mit einer infektiösen Bindehautentzündung profitieren nicht von der Behandlung mit Antibiotika. Dies zeigt eine kürzlich im Fachmagazin »The Lancet« veröffentlichte Studie.

Jedes achte Kind erkrankt einmal im Jahr an einer Konjunktivitis. Obwohl die Diagnose Bindehautentzündung meist schnell getroffen ist, ist die Differenzierung zwischen bakterieller oder virueller Entzündung schwierig. Trotz fehlendem Nachweis eines bakteriellen Auslösers werden in der Praxis oft antibiotikumhaltige Augentropfen verordnet.

Dr. Peter Rose und seine Kollegen von der Universität Oxford, England, untersuchten die Effektivität der Antibiotikabehandlung in einer kontrollierten, randomisierten Doppelblindstudie. Untersucht wurden 326 Kinder im Alter von sechs Monaten bis zwölf Jahren, die zwischen 2001 und 2004 an zwölf medizinischen Zentren in Oxfordshire behandelt worden waren. Die eine Hälfte wurde mit chloramphenicolhaltigen Augentropfen behandelt, die andere Hälfte erhielt Placebo. Sieben Tage nach Therapiebeginn zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen beiden Gruppen. 86 Prozent der Kinder aus der Antibiotikagruppe waren klinisch gesund, während es in der mit dem Placebo behandelten Gruppe 83 Prozent waren. Selbst bei Kindern, deren Bindehautentzündung nachweislich bakterieller Ursache war, zeigte sich kein signifikanter Unterschied (85 Prozent Verum versus 80 Prozent Placebo).

Auf Grund dieser Ergebnisse empfehlen die englischen Wissenschaftler, , Kinder mit Konjunktivitis ohne medizinische Therapie zu behandeln, sofern die Bindehautentzündung nicht länger als sieben Tage anhält oder untypische Symptome auftreten. Top

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