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Tocopherol schützt die Haut vor Lipidperoxidation

29.05.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Tocopherol schützt die Haut
vor Lipidperoxidation

von Brigitte M. Gensthaler, New York

Vitamin E ist ein klassisches Antioxidans, das Körper- und Hautzellen vor oxidativem Stress schützt. Jetzt konnte gezeigt werden, dass es die durch Ozon und UV-Strahlen induzierte Lipidperoxidation im Stratum corneum verhindern kann. Wichtigste chemische Voraussetzung: Die topisch applizierten Ester werden in vivo gespalten.

Diese Ergebnisse stellte Dr. Stefan Weber, Leiter der Arbeitsgruppe "Oxidativer Stress der Haut" in der Abteilung für Molekular- und Zellbiologie der kalifornischen Berkeley University, Mitte Mai in New York vor. Für seine Untersuchungen erhielt er den Internationalen Optolind-Hautforschungspreis. Johannes Burges, Inhaber der Hermes Arzneimittel GmbH in Großhesselohe/München, überreichte den mit 15 000 DM dotierten Preis im World Trade Center.

Esterasen im Stratum corneum?

Tocopherol ist ein essentielles Vitamin, das dem Körper zugeführt werden muss. Die Talgdrüsen sezernieren große Mengen an a-Tocopherol mit dem Sebum, das dann retrograd über die Oberflächenlipide wieder in das Stratum corneum eindringt. Die oberste Hautschicht des Gesichts enthält bis zu viermal mehr Vitamin E als die Schicht am Oberarm, erklärte Weber. Er konnte erstmals nachweisen, dass Tocopherolacetate nach Auftragen auf die Haut im menschlichen Stratum corneum in vivo hydrolysiert werden. Möglicherweise sind Esterasen an diesem Prozess beteiligt. Erst nach Hydrolyse des aus Stabilitätsgründen eingesetzten Esters kann Tocopherol redoxaktiv wirken.

In der Haut findet man neben Tocopherolen hydrophile Stoffe wie Vitamin C, Glutathion und Harnsäure. Diese reagieren mit Ozon und reaktiven Sauerstoffspezies ebenso effektiv wie ihr lipophiler Partner und werden dabei zerstört. Da sich hydrophile und lipophile Antioxidantien bei der Regeneration unterstützen, wäre ein Zusatz von Vitamin C in Topika sinnvoll. Dies ist jedoch wegen der Instabilität der Ascorbinsäure in Zubereitungen noch nicht möglich.

Oxidativer Stress im Doppelpack

Die oxidative Schädigung des Stratum corneum der Maus konnte Weber erst bei O3-Dosen von 1 ppm über 2 Stunden nachweisen. Im Sommersmog werden in der Regel Werte zwischen 0,1 bis 0,5 ppm gemessen. Bei hoher Ozon-Exposition der Mäuse (5 ppm/2 h) stieg zudem die Konzentration des pro-inflammatorischen Interleukin-a in der Epidermis. Wie dieser Effekt vermittelt wird, ist unbekannt.

Im Verbund mit UV-Strahlung belastet Ozon die Haut stärker. Eine Dosis von 0,5 ppm/2 h, die allein keinen messbaren Effekt auslöste, verstärkte den UV-induzierten Verbrauch von Vitamin E im Stratum corneum signifikant, berichtete Weber. Topisch aufgetragenes Vitamin E konnte die O3- und UV-induzierte Lipidperoxidation in der Maushaut (gemessen über Malondialdehyd) deutlich vermindern. Nötig sei es jetzt, die langfristigen Ozon-Effekte auf die Humanhaut zu untersuchen, insbesondere dessen Einfluss auf die Hautalterung.

Da Tocopherol UV-Schäden limitiert, ist eine Kombination mit Sonnenschutzmitteln empfehlenswert, resümierte Weber (siehe auch Titelbeitrag in PZ 21). Wichtig für die Beratung: Die topische Anwendung ist nicht zu ersetzen durch eine perorale Aufnahme des Vitamins.Top

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