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Abciximab nach akutem Schlaganfall

15.05.2000  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Abciximab nach akutem Schlaganfall

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Patienten, die innerhalb von 24 Stunden nach einem Schlaganfall den monoklonalen Antikörper Abciximab erhalten, scheinen diesen gut zu vertragen und profitieren von der Therapie. Das berichten Wissenschaftler im Fachmagazin Stroke.

Der Gewebe-Plasminogenaktivator Alteplase (tPA, Handelsnamen Actilyse®) ist momentan die einzige zugelassene Medikation beim akuten Schlaganfall. Er wurde für ausgewählte Patienten zugelassen, die innerhalb von drei Stunden nach Beginn des Schlaganfalls behandelt werden können. Dies und das Risiko parenchymaler Blutungen limitiert den Einsatz von Alteplase.

Perorale Antikoagulantien erwiesen sich als nicht wirksam und besitzen ebenfalls ein hohes Blutungsrisiko. Es besteht daher Bedarf für eine sichere Therapie von Patienten, die erst drei Stunden und später nach einem Schlaganfall eingeliefert werden. Mit einer innerhalb von 48 Stunden beginnenden ASS-Therapie konnte nur ein geringer Vorteil gezeigt werden.

Abciximab (ReoPro®) ist das Fab-Fragment eines chimären monoklonalen Antikörpers, der gegen den Glykoprotein-IIb/IIIa-Rezeptor von Thrombozyten gerichtet ist. Abciximab wirkt gegen den Mediator am Ende der Gerinnungskette und ist in Kombination mit ASS sowie einer adaptierten Heparindosis zur Prävention ischämischer Komplikationen bei koronarer Angioplastie (PTCA) und bei instabiler Angina pectoris zugelassen, wenn konventionelle Mittel versagen und eine PTCA innerhalb von 24 Stunden geplant ist. Es gibt Einzelbeobachtungen, die andeuten, dass Abciximab auch beim akuten Schlaganfall nützlich sein könnte.

In einer randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudie mit Dosiseskalation untersuchten Mediziner daher die Verträglichkeit und Wirksamkeit von Abciximab beim akuten Schlaganfall. Hierzu erhielten insgesamt 74 Patienten innerhalb von 24 Stunden nach einem Schlaganfall entweder Abciximab in steigender Dosierung (54 Patienten) oder Placebo (20 Patienten). Folgende Dosierungen kamen zum Einsatz: 0,15 mg/kg als Bolus, 0,20 mg/kg als Bolus, 0,20 mg/kg als Bolus + 0,125 µg/kg pro Minute als Infusion über zwölf Stunden sowie 0,25 mg/kg als Bolus + 0,125 µg/kg pro Minute als Infusion über zwölf Stunden.

Die Wissenschaftler untersuchten Verträglichkeit und Wirksamkeit mit einem Computertomogramm (CT) 24 bis 36 Stunden nach Studienende. Daran schloss sich eine CT-Nachbeobachtung.

Die Mediziner beobachteten keine großen intrakranialen Blutungen. Asymptomatische parenchymale Blutungen traten bei vier von 54 Patienten der Verum- und bei einem von 20 Patienten unter Placebo auf. Während der Nachbeobachtungszeit fand man bei weiteren sechs Abciximab-Patienten asymptomatische hämorrhagische Läsionen. Nach drei Monaten war der Anteil der Patienten mit nur minimaler Behinderung in der Verum-Gruppe höher. Die höchste Dosierung (0,25 mg/kg als Bolus + 0,125 µg/kg pro Minute als Infusion über zwölf Stunden) zeigte zudem die beste klinische Wirkung. Zudem lag die mittlere Dauer des Krankenhausaufenthaltes bei sieben Tagen in der Verum- gegenüber zwölf Tagen in der Placebo-Gruppe. Diese ersten positiven Ergebnisse müssen in größeren Studien jedoch noch belegt werden.

Quelle: The Abciximab in Ischemic Stroke Investigators. Stroke 31 (2000) 601 - 609.Top

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