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Eradikation als Prävention

19.11.2001  00:00 Uhr
HELICOBACTER

Eradikation als Prävention

von Elke Wolf, Rödermark

Womöglich ist das Bakterium Helicobacter pylori mit Magenkrebs ähnlich eng assoziiert wie Rauchen mit Lungenkrebs. So ist es zumindest in einem Kommentar zu einer groß angelegten japanischen Studie zu lesen, die kürzlich im New England Jorunal of Medicine erschien.

Das Forscherteam um Naomi Uemura hat über acht Jahre hinweg 1526 Japaner beobachtet, die alle von Magen-Darm-Problemen geplagt wurden. Sie litten entweder unter Schleimhauthyperplasien, Magenpolypen, Ulcera in Magen und Duodenum oder einer nicht ulcerös bedingten Dyspepsie mit Übelkeit, Völlegefühl und Schmerzen. 1246 von ihnen waren zu Studienbeginn mit H. pylori infiziert.

Acht Jahre später hatten 36 Patienten Magenkrebs (2,9 Prozent). Interessant: Die lebensbedrohliche Krankheit traf nur H.-pylori-Träger, nicht infizierte Personen blieben verschont. Das höchste Krebsrisiko hatten infizierte Dyspepsie-Kranke (21 von 445 Patienten, 4,7 Prozent). Dagegen entwickelte kein H.-pylori-Patient ein Magenkarzinom, der mit der Diagnose Ulcus duodeni in die Untersuchung aufgenommen worden war. Und: Keiner derjenigen Patienten, bei denen ursprünglich der Magenkeim diagnostiziert und dann eradiziert worden war, bekam ein Magenkarzinom. Allerdings war hier der Beobachtungszeitraum mit fünf Jahren deutlich kürzer als bei den unbehandelten Patienten, die man acht Jahre beobachtete.

Die japanische Studie ist die erste prospektive Langzeitstudie, die den Verlauf infizierter und nicht infizierter Dyspepsie-Patienten vergleicht. Zwar hat die Weltgesundheitsorganisation 1994 H. pylori als karzinogen eingestuft, aber nur wenige harte Daten konnten diese Entscheidung untermauern. Eine Eradikationstherapie als Krebsprophylaxe scheint im Lichte der japanischen Studie indiziert für H.-pylori-Träger, in deren Familie Magenkrebs vorkommt, denen eine Magenschleimhautentzündung oder Ulcera dauerhaft Beschwerden machen.

Auch für infizierte Dyspeptiker könnte eine Sieben-Tages-Therapie mit einem Protonenpumpenblocker und den beiden Antibiotika Amoxicillin (beziehungsweise Metronidazol) und Clarithromycin sinnvoll sein. Hat doch die japanische Studie ergeben, dass diese Patienten am häufigsten Magenkrebs bekamen. Bislang sind sich Experten nicht einig darüber, ob sie bei infizierten Dyspepsie-Patienten den Keim eradizieren sollen. Kritiker werden freilich das Argument ins Feld führen, dass in der Studie nur Japaner untersucht wurden.

Quelle: Uemura, N., et al., Helicobacter pylori infection and the development of gastric cancer. N Engl J Med 345 (2001) 11, 784.Top

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