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Mifegyne kommt Ende November auf den Markt

08.11.1999  00:00 Uhr

-PharmazieGovi-Verlag

Mifegyne kommt Ende November
auf den Markt

von Christiane Berg, Hamburg

Ende November wird die Femagen Arzneimittel GmbH, Holzkirchen, den Wirkstoff Mifepriston (RU 486,Mifegyne®) zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch auf den deutschen, österreichischen und niederländischen Markt bringen. Das nur für den Vertrieb der Abtreibungspille gegründete und zur Hexal-Gruppe gehörige Unternehmen verfolgt keine wirtschaftlichen Interessen, so die Geschäftsführerin der Femagen Arzneimittel GmbH, Dr. Petra Schoettler, auf einer Pressekonferenz Anfang November in Hamburg.

Der Gewinn fließe in die Femagen Foundation, deren Zweckbestimmung die Erarbeitung und Umsetzung von Konzepten zur Verhütung ungewollter Schwangerschaften ist. Femagen darf Mifegyne nur direkt an Einrichtungen liefern, die zum Schwangerschaftsabbruch berechtigt sind, sagte Schoettler. Der durch das Arzneimittelgesetz geregelte Sonderweg werde von den Behörden überwacht. Der Verbleib jeder Packung vom Hersteller bis zur Anwendung sei stets nachzuvollziehen.

Der Berufsverband der Frauenärzte e.V. und damit die Mehrheit der deutschen Frauenärzte begrüßt die Markteinführung von Mifegyne zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch, sagte Professor Dr. med. Martin Link, zweiter Vorsitzender des Verbandes. Er bezeichnete die heftigen Diskussionen der vergangenen Monate als "nicht sachgerecht", da diese sich um die ethischen und moralischen Aspekte einer Abtreibung und nicht um die Methode drehten. Solange der gesellschaftliche Konsens hinsichtlich des Schwangerschaftsabbruches an sich bestehe, müsse es selbstverständlich sein, den Frauen das schonendste Verfahren zur Verfügung zu stellen.

Nicht nur zur Abtreibung

Die wichtigste Eigenschaft von Mifepriston: Es bindet mit einer fünffach höheren Affinität als Progesteron reversibel an den Progesteronrezeptoren, ohne entsprechende biologische Wirkungen auszulösen. Das 11b-substituierte Norethisteron-Derivat beendet so physiologische und pathologische Prozesse, die auf die Wirkung von Progesteron zurückzuführen sind. Professor Dr. Gunther Göretzlehner, Torgau, charakterisierte Mifepriston als "unwahrscheinlich potentielle Substanz, die in der Zukunft einen weiten Einsatz in der Gynäkologie erfahren wird".

Als Anwendungsgebiet neben dem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch bis zum 49. Tag der Amenorrhoe in sequentieller Anwendung mit einem Prostaglandin (Misoprostol, Gemeprost ) nannte Göretzlehner die Erweichung und Dilatation der Cervix uteri vor einem instrumentellen Schwangerschaftsabbruch während des ersten Trimenons. Mifepriston werde darüber hinaus bei der Einleitung der Wehentätigkeit zur Ausstoßung eines im Uterus abgestorbenen Fetus bei Patientinnen genutzt, bei denen Prostaglandine oder Oxytocin nicht angewendet werden können. Zugelassen ist das Antigestagen darüber hinaus zur Vorbereitung eines Schwangerschaftsabbruches bei schwerer Gesundheitsgefährdung der Mutter ohne Fristen auch nach der 12. Woche.

Therapeutisches Potential bei Tumoren

Bei täglicher Einnahme in niedriger Dosierung gilt Mifepriston als wirksames und gut verträgliches Verhütungsmittel. In höherer Dosierung ist es nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr zur postkoitalen Kontrazeption fähig. Mifepriston kann die Menstruation bei Zyklusstörungen einleiten. Zur Behandlung einer Bauchhöhlenschwangerschaft ist die Substanz, die nicht nur antiprogesterone, sondern auch antiglucocorticoide Wirkung zeigt, der alleinigen Gabe von Methotrexat überlegen.

400 bis 800 mg Mifepriston pro Tag können zu einer Normalisierung der Cortisolkonzentration führen und damit das Cushing Syndrom positiv beeinflussen. Therapeutisches Potential besitzt Mifepriston auch bei Meningeomen, Mammakarzinom, Endometriose und Uterus myomatosus.Top

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