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Apotheker im Krankenhausteam: Kosten sinken

30.09.1996  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

Apotheker im Krankenhausteam: Kosten sinken
FIP-Weltkongreß, Jerusalem

  Mehr wissenschaftliche Forschung über die Ergebnisse apothekerlicher Tätigkeit forderte Chris Cairns, Apotheker am St. George´s Hospital in London, auf dem 56. FIP-Weltkongreß für Pharmazie in Jerusalem, denn wissenschaftliche Untersuchungen liefern durchaus wichtige Erkenntnisse über pharmazeutische Tätigkeitsfelder. Von den Apothekern zitierte Arbeiten haben gezeigt, daß nur 15 Prozent der gesundheitspflegerischen Maßnahmen sinnvoll sind. Umgekehrt bedeutet dies: 85 Prozent der abgegebenen Arzneimittel sind ohne beweisbaren Nutzen.

Auch wenn die Ergebnisse bei differenzierter Betrachtung darauf hinweisen, daß 40 bis 50 Prozent der eingenommenen Arzneimittel wahrscheinlich und 15 bis 20 Prozent möglicherweise nützlich seien, stelle der Einsatz von 20 bis 45 Prozent der Medikamente lediglich eine Verschwendung von Arbeitszeit, Material und Geld dar. Am stärksten vermißt Cairns die Forschung in öffentlichen Apotheken. Dort vorgenommene Studien dienten fast ausschließlich dem Nachweis, öffentliche Apotheken zu unterhalten, und weniger der Suche nach dem Nutzen für Patienten.

Zudem seien viele Studien methodisch zweifelhaft. Bestimmte Situationen schlössen zwar eine randomisierte, klinische Doppelblindstudie aus, aber auch offene und qualitative Studien als adäquate Formen für Apotheken müßten den Mindestanforderungen an Probandenauswahl und gegebenenfalls -selektion sowie an Evaluierung und Statistik entsprechen. In den Krankenhausapotheken gebe es diese Forschung bereits, könne aber noch erweitert werden.

Cairns verwies auf eine Reihe englischsprachiger Veröffentlichungen, deren Ergebnisse Konsequenzen für die Praxis hatten. Viele Arbeiten beschäftigten sich mit Laborprozessen und sind sehr praxisbezogen. So wurde 1993 eine Studie von Bjornson am militärischen Krankenhauszentrum von Washington veröffentlicht (Bjornson et al., Am. J. Hosp. Pharm. 1993), die den Einfluß der Krankenhausapotheker auf das Behandlungsergebnis zeigt: Patienten, zu deren Behandlungsteam ein Apotheker gehörte, verweilten kürzer im Krankenhaus und verursachten geringere Arzneimittelkosten als solche, die ohne apothekerliche Beteiligung therapiert wurden. Die Krankenhauskosten waren durchschnittlich um 377 Dollar niedriger.

Eine Arbeit aus Kanada (Montazeri et al., Crit. Care Med. 1994) belegt, daß die Mitarbeit eines Apothekers auf der Intensivstation zu täglich elf Eingriffen in die Medikationsroutine führte. Das ersparte dem Krankenhaus in drei Monaten rund 10.000 Dollar. In einer australischen Studie (Cairns, Proceedings of the Guild 1990) wurde gezeigt, daß die Pharmazeuten dort täglich 16mal in die Medikation eingreifen. Neuere Beobachtungen aus Großbritannien berichten von ein bis fünf Interventionen täglich, von denen jede Vierte zu einer Reduktion der Krankenhauskosten führte.

PZ-Artikel von Ernstwalter Clees, Jerusalem    

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