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Belastete Bergsteiger profitieren von Salmeterol

12.08.2002  00:00 Uhr

Belastete Bergsteiger profitieren von Salmeterol

von Ulrich Brunner, Eschborn

Das b-Sympathomimetikum Salmeterol kann Bergsteiger vor einem Lungenödem schützen. Das beobachteten Schweizer Forscher bei einem Experiment auf über 4500 Meter Höhe.

Gut trainierte, höhenerprobte und vor allem erfahrene Bergsteiger können ihr persönliches Risiko, an Höhenkrankheit zu erkranken, gut einschätzen. Doch gerade beim Lungenödem spielen vermutlich auch durch Training nicht beeinflussbare Faktoren eine wichtige Rolle. Neue Erkenntnisse sammelte jetzt eine Forschergruppe der Universität Lausanne bei Studien auf dem über 4500 Meter hohen Monte-Rosa-Massiv im italienischen Aosta-Tal.

Auslöser der akuten Höhenkrankheit sind der geringere Luftdruck und der deshalb niedrige Sauerstoffpartialdruck in großen Höhen. Das Lungenödem ist eine Facette der Krankheit. Hierbei diffundiert verstärkt Flüssigkeit aus dem Interstitium in das Lungengewebe und die Alveolarbläschen.

Im intakten Lungengewebe halten so genannte Amilorid-sensitive Ionenkanäle und die Na+/K+-ATPase das Flüssigkeitsgleichgewicht zwischen Zelle und Lumen aufrecht. Sie pumpen dazu bei Bedarf Natrium-Ionen aus den Alveolaren nach außen. Die Flüssigkeit folgt dem osmotischen Gardienten. Bei prädisponierten Patienten scheinen die Ionenpumpen jedoch leichter aus dem Gleichgewicht zu geraten.

Salmeterol fördert Natrium-Pumpe

Das in der Asthmatherapie häufig eingesetzte b-Sympathomimetikum Salmeterol beeinflusst vermutlich den transepithelialen Natriumtransport sowohl an den Amilorid-sensitiven Ionenkanälen als auch der Na+/K+-Pumpe. Das Forscherteam um Dr. Claudio Sartori hat nun diesen Effekt des Antiasthmatikums überprüft.

Dazu schickten sie 91 Bergsteiger auf die 4559 Meter hoch gelegene Capanna Regina in Italien. 51 der Alpinisten waren zuvor bereits mindestens einmal an einem höhenbedingten Lungeödem erkrankt, 33 dienten als Kontrollgruppe und sieben Probanden hatten als Säuglinge unter einer pulmonalen Hypertonie gelitten.

Die Teilnehmer mit Ödemneigung inhalierten vor dem Aufstieg alle zwölf Stunden Salmeterol oder Placebo. Dank dieser Prophylaxe sank die Inzidenz für ein Lungenödem signifikant, berichten die Wissenschaftler in der im Fachmagazin New England Journal. 74 Prozent in der Placebo-, aber nur 33 Prozent in der Verumgruppe erkrankten an einem Ödem.

Schließlich prüften die Forscher in einem weiteren Experiment, das nicht auf dem Berg stattfand, die transepitheliale Potentialdifferenz in der Nase der Alpinisten. Erwartungsgemäß fanden die Mediziner in den Nasen der Probanden mit Ödemneigung eine um 32 Prozent erniedrigte Potentialdifferenz gegenüber den gesunden Bergsteigern. Das Team schloss daraus auf einen Defekt im Natrium- und Wassertransport im Epithel. Nach Meinung der Wissenschaftler kann dies dazu führen, dass die Betroffenen deutlich leichter an einem höhenbedingten Lungenödem erkranken.

Von diesen Erkenntnissen könnten nicht nur Bergsteiger profitieren, folgern die Schweizer. Natürlich müsse man nun weiter prüfen, ob eine Prophylaxe mit Salmeterol vor höhenbedingten Lungenödemen schützen kann. Das Antiasthmatikum könnte sich aber auch für die Therapie von Lungenödemen bei Herzinsuffizienten oder lungenkranken Säuglingen eignen. Top

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