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Gute Noten für Apotheker

06.08.2001  00:00 Uhr
BERATUNG BEI KOPFSCHMERZ

Gute Noten für Apotheker

von Brigitte M. Gensthaler, München

Stress gilt als Hauptauslöser von Kopfschmerzen. Fast jeder Zweite gibt als Grund für seine Beschwerden Belastungen im Arbeitsleben, Termindruck und Hektik an. Für Frauen ist Stress im Privatleben fast ebenso belastend wie der Druck am Arbeitsplatz. Bemerkenswert: Drei Viertel der Betroffenen wollen ihre Kopfschmerzmittel in der Apotheke kaufen.

Dies ergab eine Studie*, die im Auftrag der Dr. Mann Pharma, Berlin, im Frühjahr lief. Befragt wurden 1017 Personen zwischen 18 und 65 Jahren, die wenigstens einmal pro Monat an Kopfschmerzen litten, aber keine Migräne oder organische Grunderkrankungen wie Herz-, Nieren- oder Leberleiden hatten. Der letzte Kauf eines Kopfschmerzmittels für den Eigenbedarf durfte maximal drei Monate zurückliegen. Joachim Rittchen, Marktforscher bei IVE Research International in Hamburg, stellte die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz in München vor.

Spannungskopfschmerzen werden - im Gegensatz zur Migräne - in der Öffentlichkeit weitgehend bagatellisiert. Jedoch stuften mehr als 60 Prozent der Befragten dieses Leiden als ernsthaft ein; fast ebenso viele meinten aber, sie könnten sich einen Arbeitsausfall wegen Kopfschmerzen nicht leisten. Mehr als die Hälfte der Befragten greifen daher auch sofort zur Tablette.

Die tatsächlichen oder vermeintlichen Ursachen ihrer Kopfschmerzen gewichten Männer und Frauen unterschiedlich. Männer leiden primär unter Arbeitsdruck (50 Prozent), gefolgt vom Aufenthalt in schlecht gelüfteten Räumen (28 Prozent), dem zu langen Sitzen vor Bildschirmen und Übermüdung (24 und 22 Prozent). Bei Frauen steht zwar auch der Stress im Beruf an erster Stelle (36 Prozent), doch Belastungen im Privatleben empfindet jede dritte und Überlastung in der Hausarbeit jede fünfte Frau als Auslöser ihrer Beschwerden. Menstruationsbeschwerden folgen erst an sechster Stelle.

Die Hälfte der Befragten meinte, dass jeder Bürger mit Kopfschmerzmitteln umgehen könne, erläuterte Rittchen. 45 Prozent sagten, dass diese Mittel so geläufig seien, dass sie gar nicht mehr als Arzneimittel gelten würden. Trotzdem wollen drei Viertel der Menschen, die Kopfschmerzmittel nehmen, ihre Präparate in der Apotheke kaufen. Sie lehnen eine Ausweitung der Vertriebswege auf Drogerien oder Lebensmittelgeschäfte ab. Immerhin 54 Prozent schätzen den Apotheker als Vertrauensperson, dessen Empfehlungen sie bedenkenlos folgen würden. Bei der Auswahl eines konkreten Präparates stehen allerdings die Bekanntheit der Marke und deren Verwendung im Familien- und Bekanntenkreis (48 und 41 Prozent) im Vordergrund. Jeder Fünfte hat ein Mittel auf Empfehlung des Apothekers nach der eigenen Nachfrage gekauft, 15 Prozent berichten von einer ausdrücklichen Empfehlung des Apothekers nach Beratung.

Der Service in der Apotheke lässt sich noch verbessern: Obwohl sich mehr als die Hälfte der interviewten Personen gut informiert fühlt, wollen ebenso viele mehr über rezeptfreie Schmerzmittel wissen. Sie interessieren sich für Wirkweise und Nebenwirkungen der Analgetika, wünschen einfachere und verständliche Beipackzettel und mehr Aufklärung durch Broschüren und Info-Material.

Professor Dr. Wolfgang Schwarzer von der Katholischen Fachhochschule in Köln hält die qualifizierte Beratung in der Apotheke für besonders wichtig, da das Thema Kopfschmerz in der ärztlichen Praxis oftmals hinten ansteht. Ein Grund könnte sein, dass Kopfschmerzen in weit über 90 Prozent der Fälle zwar belastend, aber nicht bedrohlich sind. Maximal 10 Prozent hätten potenziell gefährliche Ursachen wie Hirntumor oder -blutung, sagte der Neurologe und Psychiater. Auch bei verordneten Schmerzmitteln hätten Apotheker eine wichtige Funktion; ihre "unterstützende Beratung soll die Compliance fördern".

*) Die Ergebnisse der Studie sind im vivimed® Kopfschmerzreport 2001 veröffentlicht. Dieser kann bei der Firma angefordert werden
E-mail: vivimed@bausch.com
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