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Docetaxel bewährt sich bei Mamma- und Ovarialkarzinom

01.07.2002
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Docetaxel bewährt sich bei Mamma- und Ovarialkarzinom

von Christiane Berg, Hamburg

Einmal mehr befindet sich die Behandlung gynäkologischer Tumoren im Umbruch.

Aktuelle Erkenntnisse des diesjährigen Meetings der American Society of Clinical Oncology (ASCO) im Mai in Orlando/Florida referierten führende deutsche Gynäkologen und Onkologen in der Hansestadt auf einer Expertenveranstaltung im Juni: Demnach profitieren Patientinnen mit einem Mamma- oder Ovarialkarzinom von einem Docetaxel-haltigen Therapieregime.

Die Bedeutung der adjuvanten Chemotherapie beim Mammakarzinom wurde durch die Metanalyse der "Early Breast Cancer Trial List Colaborative Group" (EBCTCG) im Jahr 2000 bestätigt, sagte Privatdozent Dr. Gunter von Minckwitz, Frankfurt. Die Untersuchung zeigte, dass der Einsatz Anthrazyklin-haltiger Schemata im Vergleich zu den klassischen Kombinationen mit Cyclophosphamid, Methotrexat und 5-Fluorouracil (CMF) deutliche Vorteile bringt. Zwischenzeitlich lägen jedoch Studien auch zum Stellenwert der Taxane in der Zytostatikatherapie des frühen Mammakarzinoms vor. Zwar weisen die Untersuchungen trotz großer Patientenzahlen nur kurze Beobachtungszeiträume auf: Dennoch scheinen die Taxane die krankheitsfreien Überlebenszeiten sowohl bei Hormonrezeptor-negativen als auch -positiven Patientinnen zu verlängern.

In der kürzlich veröffentlichten Studie der Breast Cancer International Research Group (BCIRG 001) verglich man bei 1491 Patientinnen die Dreierkombination aus Doxetaxel, Doxorubicin und Cyclophosphamid (TAC-Regime) mit der etablierten FAC-Kombination aus 5-FU, Doxorubicin und Cyclophosphamid. Nach drei Jahren zeigte sich hinsichtlich des primären Studienendpunktes "krankheitsfreies Überleben" ein statistisch signifikanter Vorteil zu Gunsten des TAC-Regimes. Das relative Rezidivrisiko wurde um 32 Prozent gesenkt.

Die Wirkung von Docetaxel werde auch durch präoperative Therapiestudien belegt, berichtete von Minckwitz. Hier verbesserten die Taxane die Ansprechrate deutlich. Während mit Anthrazyklinen eine komplette Remission des Tumors vor der Operation bislang nur bei 7 bis 10 Prozent der Patientinnen erreicht werden konnte, habe man die Rate durch Integration eines Taxans auf 16 bis 19 Prozent steigern können. Der Gynäkologe zitierte Ergebnisse der sogenannten GEPARDO-Studie. Die Abkürzung steht für "German Preoperative Adriamycin Docetaxel". In dieser Untersuchung erhielten die Probandinnen mit im Durchschnitt 4 cm großen Primärtumoren präoperativ sequenziell Docetaxel. In dieser Gruppe verdoppelte sich nicht nur die Zahl der Patientinnen mit histologisch nachgewiesener kompletter Tumorrückbildung, sondern die Chance auf eine brusterhaltende Operation stieg auch auf 75 Prozent.

Docetaxel präoperativ effektiv

Von Minckwitz zeigte sich überzeugt, dass die präoperative Chemotherapie mit Docetaxel trotz Nebenwirkungen wie Neutropenie, Thrombozytopenie, Anämie und Infektionen einschließlich Sepsis und Pneumonie in der adjuvanten Behandlung von Frauen mit Mammakarzinom künftig einen festen Platz haben wird. Grundsätzlich sprach er von einer deutlich verbesserten Prognose für die Brustkrebs-Patientinnen und "elementaren Fakten": Bei circa 46.000 Neuerkrankungen in Deutschland pro Jahr sei davon auszugehen, dass circa 8400 Patientinnen innerhalb von drei Jahren ein Rezidiv erleiden. Bei konsequenter Gabe von Docetaxel könnten 2800 Rezidive verhindert werden. Durch den präoperativen Einsatz könnte zudem ein Drittel, also circa 5000, der Brustamputationen vermieden werden. "Auch wenn die Interpretation jüngerer Studie schwierig ist: Sicher ist, dass man gerade Frauen mit aggressiven Tumoren eine Docetaxel-Therapie nicht vorenthalten kann", bestätigte Professor Dr. Fritz Jänicke aus Hamburg.

Im Gegensatz zum Mammakarzinom, bei dem grundsätzlich versucht wird, das Ausmaß des chirurgischen Vorgehens zu reduzieren, besteht die Standardtherapie des Ovarialkarzinoms aus der möglichst radikalen Primäroperation plus Chemotherapie mit Kombinationen aus Carboplatin/ Paclitaxel (Goldstandard) oder Docetaxel, erläuterte Professor Dr. Volker Möbus, Frankfurt. Seiner Meinung nach konnte die Therapie des Ovarialkarzinoms durch Taxan-haltige Primärregime wesentlich optimiert werden. Hauptproblem des Chemotherapieregimes Carboplatin/Paclitaxel sei der hohe Prozentsatz neurotoxischer Nebenwirkungen mit sensiblen und motorischen Beeinflussungen des Nervensystems bis hin zu funktionellen Beeinträchtigungen von Fingern und Zehen, Muskelschwäche, Lähmungen und eingeschränkter Beweglichkeit. Das Ausmaß der Neurotoxizität nehme mit der Zahl der Chemotherapiezyklen zu.

Weniger neurotoxisch

Im Rahmen des so genannten SCOTROC-Trial habe sich jetzt gezeigt, dass die klinische Effektivität von Carboplatin/Docetaxel der von Carboplatin/Paclitaxel entspricht, das Ausmaß der Neurotoxizität bei Gabe von Docetaxel jedoch hoch signifikant geringer ist. Während nach der sechsmaligen Chemotherapie 50 Prozent der Patientinnen im Paclitaxel-Arm über neuropathische Beschwerden klagten, waren es unter Docetaxel weniger als 20 Prozent. Möbus sprach von einem deutlichen Zugewinn an Lebensqualität für die betroffenen Frauen. Docetaxel/Carboplatin gelte heute als Standardalternative in der Therapie des Ovarialkarzinoms. Top

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