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Ingwerwurzel hilft gegen Übelkeit und Erbrechen

18.06.2001
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SCHWANGERSCHAFT

Ingwerwurzel hilft gegen Übelkeit und Erbrechen

von Wolfgang Kämmerer, Wiesbaden

Zubereitungen aus Ingwerwurzel in Kapselform sind eine wirksame Alternative für Schwangere, die unter Übelkeit und Erbrechen leiden. Daten über ein eventuelles teratogenes Risiko fehlen allerdings noch.

Viele Frauen leiden während der Schwangerschaft häufig unter Übelkeit und Erbrechen. Die Symptome zu therapieren, ist nicht immer einfach. Schließlich gilt die Maxime: so wenig Arzneimittel wie möglich.

Einige Naturprodukte werden traditionell für diese Indikationen eingesetzt, ohne dass es einen Wirksamkeitsbeleg gibt. Thailändische Wissenschaftler untersuchten jetzt in einer randomisierten Doppelblindstudie, ob und wie gut Ingwerwurzel gegen Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft hilft.

Hierzu wurde frische Ingwerwurzel zerkleinert, getrocknet, gepulvert und davon 250 mg in Kapseln konfektioniert. 70 Schwangere mit Übelkeit und Erbrechen erhielten entweder täglich 1g Ingwerwurzel oder Placebo über einen Zeitraum von vier Tagen.

Unter Verum litten signifikant weniger Frauen unter Übelkeit als in der Placebogruppe. 28 von 32 Frauen aus der Ingwer-Gruppe berichteten von einer Besserung ihrer Symptome;.unter Placebo waren es nur 10 von 35. In der kleinen Gruppe beobachteten die Forscher keine negativen Effekte auf den Verlauf der Schwangerschaft und auf die Entwicklung des Feten. Die wirksamen Bestandteile der Wurzel sind jedoch noch unbekannt.

Quelle: Vutyavanich, T. et al. Obstet. Gynecol. 97 (2001) 577 - 582.

 

Randnotiz Pflanzliche Antiemetika erfreuen sich - auch unter der falschen Annahme, dass pflanzliche Mittel generell unschädlich sind - einer gesteigerten Beliebtheit. Für Mittel wie die Ingwerwurzel gilt jedoch: Daten zum teratogenen Risiko liegen kaum oder nur in geringem Umfang vor. Die Anwendung dieses Pflanzenextraktes sollte daher nicht bedenkenlos empfohlen werden. Die Rote Liste trägt dem insofern Rechnung, als das Ingwerwurzel in die Gruppe 5 eingeordnet wird. Das heißt, ausreichende Erfahrungen über die Anwendung beim Menschen liegen für diese Präparate nicht vor. In amerikanischen Untersuchungen wurde eine Mutagenität in einigen Bakterientests beschrieben, so dass auch aus diesem Grund eine gewisse Skepsis angebracht ist. Die entsprechende Monographie der Kommission E trägt dem Rechnung, indem vom Gebrauch von Ingwer in der Schwangerschaft abgeraten wird. Ansonsten gilt allenfalls die kurzdauernde Anwendung von Ingwer in der Schwangerschaft als unbedenklich. Besser untersuchten Substanzen oder synthetischen Arzneistoffen wie Vitamin B6, Dimenhydrinat, Diphenhydramin oder Meclozin sollte hier der Vorzug gegeben werden. 

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