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Phytopharmaka reichen oft aus

26.05.2003
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Wechseljahrsbeschwerden

Phytopharmaka reichen oft aus

von Brigitte M. Gensthaler, München

Nur ein kleiner Teil der Frauen in den Wechseljahren leidet sehr stark unter Beschwerden, die durch die Substitution von Sexualhormonen gezielt gelindert werden können. Den meisten Frauen helfen auch Phytopharmaka gut.

Etwa ein Viertel aller Frauen empfinden ihre menopausalen Beschwerden als schwach und ebenso viele als stark ausgeprägt. 40 Prozent fühlen sich mäßig stark betroffen. Bei jeder zehnten sind die Symptome allerdings so stark, dass die Frau sogar arbeitsunfähig werden kann.

Die breit gestreute Hormonersatztherapie (HRT) für Frauen in und nach den Wechseljahren ist spätestens seit der Women`s Health Initiative (WHI)-Studie passé. Wegen erheblicher Gesundheitsgefahren – Herzinfarkte, Schlaganfälle, Thromboembolien und Brustkrebs traten vermehrt auf - wurde der Studienarm mit der Hormonkombitherapie vorzeitig gestoppt. Osteoporotische Frakturen nahmen zwar deutlich ab, doch dies allein führte nicht zu einer günstigen Nutzen-Risiko-Bewertung der HRT. In diese therapeutische Lücke stoßen nun andere Präparate vor.

Dr. André-Michael Beer, Leiter der Abteilung für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen, empfahl bei einer Pressekonferenz der Firma Schaper und Brümmer in München ein differenziertes Vorgehen. So setzt Beer, der auch als niedergelassener Gynäkologe tätig ist, Sexualhormone bei Frauen mit erhöhtem Osteoporoserisiko ein, zum Beispiel bei familiärer Vorbelastung, bei asthenischen Frauen, die rauchen, sowie bei Frauen, die lange Zeit an Mangelernährung, zum Beispiel im Krieg, gelitten haben. Auch bei schweren vegetativen Symptomen, häufig wiederkehrenden vulvovaginalen Beschwerden (trockene Scheidenschleimhaut) und funktionalen Blasenstörungen komme eine HRT in Betracht.

Dagegen sprächen Frauen mit leichteren vegetativen Störungen, Hitzewallungen, Schlafstörungen, depressiven Verstimmungen und innerer Unruhe meist gut auf eine Phytotherapie an, wenn diese differenziert eingesetzt wird. Wenn die Frau dies ausdrücklich wünscht, gibt der Arzt auch Komplexhomöopathika und (selten) homöopathische Einzelmittel.

Mit Phytopharmaka, oft im Verbund mit klassischen Naturheilverfahren wie Ernährungs- und Bewegungstherapie, kommen etwa 80 Prozent der Frauen gut aus, berichtete der Gynäkologe. Hitzewallungen und Schweißausbrüche nähmen deutlich ab, aber auch weitere psychische und somatische Störungen ließen sich durch einen Extrakt aus Traubensilberkerze positiv beeinflussen. Top

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