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Gesicherte Qualität für Peptide

26.04.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Gesicherte Qualität für Peptide

von Ulrike Wagner, Bonn

Peptidwirkstoffe sind aus Therapie und Diagnostik nicht mehr wegzudenken und ihre Bedeutung wird weiter wachsen. Das Problem: Die Moleküle sind im Vergleich zu den meisten anderen Arzneistoffen sehr groß und bei ihrer Synthese kann es zu zahlreichen Neben- und Abbauprodukten kommen, die schwer vom Wirkstoff zu trennen sind. Die Kontrolle der Arzneistoffe ist daher außerordentlich schwierig.

Mit diesen Problemen befaßten sich Vertreter der Industrie und von Universitäten auf dem Symposium "Qualitätssicherung synthetischer Peptidwirkstoffe", das die Fachgruppe Arzneimittelkontrolle/Pharmazeutische Analytik der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft zusammen mit der Fédération Internationale Pharmaceutique (FIP) vom 12. bis 13. April in Bonn veranstaltete.

Die Zulassungsbehörde übertrage immer öfter Ansprüche aus den Richtlinien für synthetische Wirkstoffe und deren Zubereitungen (ICH-Richtlinien) auf Peptide, obwohl diese Arzneistoffe darin ausdrücklich ausgeklammert werden, so Professor Dr. Harald Hamacher vom Laboratorium für Arzneimittelprüfung und Zulassungsberatung in Tübingen. Daher hat die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft Empfehlungen zur Qualitätssicherung synthetischer Peptidwirkstoffe entworfen und stellte sie auf dem Symposium zur Diskussion. Die Wissenschaftler fordern darin zwar einen feststehenden Rahmen für Qualitätsanforderungen an die synthetischen Peptide, aber gleichzeitig einen ausreichend großen Freiraum, um produktspezifisch entscheiden zu können.

Demgegenüber verlangte Professor Dr. Berthold Göber von der Humboldt-Universität in Berlin, die Identifizierungsgrenze für unbekannte Nebenprodukte von 0,1 Prozent aus den ICH-Richtlinien auch für synthetische Peptidwirkstoffe zu übernehmen. Dr. Wolfgang Jahn, Leiter der Toxikologie bei Asta Medica forderte, daß die ICH-Grenzwerte hier uneingeschränkt gelten sollten, wenn es sich um Reagenzien, Katalysatoren und Restlösemittel handelt. Verunreinigungen mit anderen Peptiden und den Ausgangssubstanzen müßten getrennt davon betrachtet werden, da auch geringfügige Modifikationen eine Wirkänderung verursachen könnten.

Für die Analytik von Peptiden sei vor allem die HPLC geeignet – detaillierte Systemeignungstests vorausgesetzt, sagte Professor Dr. Siegfried Ebel von der Universität Würzburg. Dabei müsse man im Auge behalten, daß die Arzneibuchmethoden zwar als validiert gelten, in Wirklichkeit jedoch nicht einer "Good Laboratory Practice" entsprächen. Ein großes Problem bei der Reinigung und Analyse von Peptiden sei die Reproduzierbarkeit der Trennbedingungen. Die gleichen Chromatographiesäulen verschiedener Hersteller oder sogar dasselbe Fabrikat liefere oft völlig unterschiedliche Ergebnisse. Und konkrete Angaben zu den stationären Phasen fehlten im europäischen Arzneibuch, so Ebel. Top

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