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Entkeimung von Alaun-Blasenspülung

16.04.2001  00:00 Uhr

Entkeimung von Alaun-Blasenspülung

PZ/NRF

Regelmäßig wenden sich zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker bei Fragen zur Herstellung von Rezepturen an das Team des Neuen Rezeptur Formulariums (NRF) sowie des Deutschen Arzneimittel-Codex. Da sich häufig Anfragen wiederholen, beantwortet die PZ in regelmäßigen Abständen die häufigsten Fragen.

Was ist der Bestandteil der Verordnung: Rp. Aluminis 3,0/Aq. dest. ad 300,0?

"Aluminis" ist in der Praescriptio des ärztlichen Rezeptes die Genitivform des lateinischen Substanznamens "Alumen". Gemeint ist Kaliumalaun, im Arzneibuch als "Aluminiumkaliumsulfat" monographiert. Neben dem Dodecahydrat ist auch "Gebrannter Alaun" (Alumen ustum DAB 6) erhältlich. Bei Konzentrationsangaben ist es deshalb wichtig, ob sich diese auf das Hydrat oder das kristallwasserfreie Salz beziehen: 1 g Aluminiumkaliumsulfat (Dodecahydrat) entspricht 0,544 g Gebranntem Alaun.

Intravesikale Anwendung?

Aluminiumkaliumsulfat wird auf der Haut und Schleimhaut wegen seiner eiweißfällenden Wirkung als Adstringens und Hämostyptikum zum Teil hoch konzentriert ("Rasiersteine") angewendet (1 - 3). Vermutlich handelt es sich bei vorliegender Verschreibung nicht um ein Dermatikum oder eine Mund- oder Vaginalspülung, sondern um eine Lösung zur intravesikalen Anwendung. Dies muss selbstverständlich vor der Herstellung geklärt werden. Bei fehlender therapeutischer Alternative wird Alaun gelegentlich bei schwer stillbaren diffusen Blutungen der ableitenden Harnwege lokal angewendet (1). In einem solchen Fall muss die Rezeptur steril sein (4).

Die Anfertigung der Lösung selbst ist zunächst kein Problem (siehe Rezepturformel). Aluminiumkaliumsulfat ist mit starker Temperaturabhängigkeit (1, 2) sehr leicht wasserlöslich: Bei 0 °C lösen sich 3 g, bei 100 °C 154 g kristallwasserfreies Salz pro 100 g Wasser. Die Lösung reagiert mit etwa pH 3 sauer (3, 4). Die isoosmotische Konzentration ist 6,35 Prozent (2). Gebrannter Alaun würde nicht klar in Lösung gehen.

Angeblich können wässrige Aluminiumkaliumsulfat-Lösungen bei 121 °C (2, 6) oder 134 °C (7) autoklaviert werden. Beim Erhitzen konzentrierter wässriger Kaliumalaun-Lösung auf 200 °C im Aufschlussrohr ist allerdings die Bildung eines schwerlöslichen basischen Kaliumaluminiumsulfates beschrieben (5). Und Alaun-haltige Farbreagenzlösungen sind nach längerem Kochen zu filtrieren (8). Nach Beobachtungen in der Praxis kommt es tatsächlich auch bei 1-prozentigen Lösungen bereits bei Temperaturen über 100 °C zu Fällungen. Diese nehmen mit steigender Temperatur zu. Der pH-Wert sinkt dabei auf etwa 2,2. Der Niederschlag, der beim Erkalten nicht wieder in Lösung geht, besteht wahrscheinlich aus einem Aluminiumoxid beziehungsweise -hydroxid. Er tritt auch in Kunststoffgefäßen auf, also ohne Beteiligung des Glasmaterials der Flaschen. Bei Einstellung mit Schwefelsäure auf pH 2 vor der Hitzesterilisation bleibt die Lösung klar. Es sei dahin gestellt, inwieweit die hierdurch leicht erhöhte Azidität medizinisch ohne weiteres akzeptiert werden kann.

Entkeimungsfiltration

Wegen der eiweißfällenden und schwach desinfizierenden Wirkung ist bei konzentrierten wässrigen Aluminiumkaliumsulfat-Lösungen keine mikrobielle Anfälligkeit zu erwarten. Tatsächlich lässt sich aber für die 1-prozentige Konzentration nur eine langsame Abtötung der Testkeime bei mikrobiologischer Prüfung beobachten. Insbesondere Hefen werden nicht abgetötet. Insofern sollte der Sterilisation im Endbehältnis der Vorzug gegeben werden. Nur wenn die Möglichkeit zur Abpackung unter Reinraumbedingungen besteht, kommt die Entkeimungsfiltration in vorsterilisierte Behältnisse in Betracht.

 

Wir danken Herrn Dr. S. L. Ali und Herrn R. Schäfer, Zentrallaboratorium Deutscher Apotheker in Eschborn, für ihre Hilfe bei der Identifizierung des Niederschlags in autoklavierten Alaun-Lösungen sowie Herrn Apotheker J. Schwarzbeck, Apotheke des Klinikums Regensburg, und Herrn Apotheker Dr. G. Wenzel, Apotheke des Klinikums der Universität München Innenstadt, für herstellungstechnische Hinweise.

 

Entkeimungsfiltration von steriler Alaun-Lösung Es gibt vier apothekengerechte Möglichkeiten der Einzeldosis-Abpackung unter Reinraumbedingungen:
  • Vorsterilisierte Flaschen: Glasflaschen müssen vor Abpackung sterilisiert werden. Geeignete Transfusions- oder Leichtglasflaschen können, mit etwas Wasser befüllt und mit Kautschukstopfen und Aluminiumschraubkappe (9) verschlossen, im Autoklaven sterilisiert werden. Zum Beispiel reichen 10 ml Wasser bei einer 1000-ml-Flasche aus, um ausreichend sichere Sterilisationsbedingungen im Flascheninneren sicherzustellen. Nach dem Erkalten wird die Flasche geöffnet, ohne die Mündung und den Verschluss zu kontaminieren, das Wasser wird herausgegossen. Dann wird die Aluminiumkaliumsulfat-Lösung bakterienfrei in die Flasche filtriert, und diese wird wieder mit dem bereits vorsterilisierten Stopfen verschlossen.
  • Konzentrat zu sterilisiertem Wasser: Alternativ könnte eine definierte Menge Wasser in gleicher Weise autoklaviert, dann aber in der Flasche belassen werden. Zu dem Inhalt wird nach dem Erkalten eine definierte Menge eines Aluminiumkaliumsulfat-Konzentrates hinzufiltriert, zum Beispiel die gleich große Menge einer doppelt konzentrierten Aluminiumkaliumsulfat-Lösung (2 Prozent).
  • Zuspritzen in Wasser für Injektionszwecke: Einer industriell abgepackten Flasche Wasser für Injektionszwecke wird mittels eines sterilen Spikes etwas Wasser entnommen. In diesem wird der Alaun gelöst, und die Lösung wird unter Entkeimungsfiltration in die Flasche zurückgespritzt.
  • Einwegspritzen als Behältnis (4): Damit braucht die Lösung vor Anwendung nicht erst aus einer Flasche aufgezogen zu werden. Sie wäre so bereits zur Instillation vorbereitet. Die Spritze kann in geeigneter Schutzverpackung auch gelagert werden. Eine Warnkennzeichnung muss die versehentliche Falschanwendung - insbesondere die parenterale Gabe - ausschließen.

 

Literatur

  1. N. N., Monographie: Alumen. In: Frerichs G., Arends, G., Zörnig, H. (Hrsg.), Hagers Handbuch der Pharmazeutischen Praxis, 1. Band, 2. berichtigter Neudruck, unveränderter Nachdruck, Springer Verlag, Berlin u. a. Orte 1949, S. 377 - 379.
  2. N. N., Monographie: Alaun. In: Dolder, R., Skinner, F. S. (Hrsg.), Ophthalmika, 4. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1990, S. 129 - 130.
  3. Giegling, D., Moser, U., Monographie: Aluminiumkaliumsulfat. In: Hartke, K., et al. (Hrsg.), Arzneibuch-Kommentar. Wissenschaftliche Erläuterungen zum Europäischen Arzneibuch und zum Deutschen Arzneibuch, einschließlich 12. Lieferung 1999, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart/Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag, Eschborn.
  4. N. N., Abschnitt I.16., Lösungen zur Instillation in die Harnblase. In: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Hrsg.), Neues Rezeptur-Formularium (NRF), Loseblattsammlung auf dem Stand der 17. Erg. 2000. Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag, Frankfurt/Main/Deutscher Apotheker-Verlag, Stuttgart.
  5. Boy, R., Wittner, H., Aluminium. In: Bartholomé, E., et al. (Hrsg.), Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, Band 7, 4. Auflage, Verlag Chemie, Weinheim, New York 1979, S. 337 - 338.
  6. Gebler, H., Arzneistoffe und Chemikalien, ihre Unverträglichkeitserscheinungen und Sterilisation. In: Gebler, H. (Hrsg.), Tabellen für die pharmazeutische Praxis, Band 1, 2. Auflage einschl. 5. Erg.-Lfg. 1998, Govi-Verlag Pharmazeutischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, S. 340.
  7. Tunmann, P., Sterilisation wichtiger Arzneimittel. In: Kaiser, H., (Hrsg.), Pharmazeutisches Taschenbuch, 6. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1968, S. 447.
  8. Holland, H., Alaun-Carmin-Lösung, Alaun-Carmin-Reagens nach Friedländer. In: Kaiser, H., (Hrsg.), Pharmazeutisches Taschenbuch, 6. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1968, S. 672 - 673.
  9. N. N., Abschnitt III.3., Bezugsquellennachweis für Packmittel und Applikationshilfen. In: Siehe (4).

 

 

Dr. Holger Reimann
Eric Strathmann
Neues Rezeptur-Formularium (NRF)
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Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn
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