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Das Metabolische Syndrom

24.01.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON DAVOS

Das Metabolische Syndrom

von Christiane Berg, Davos

Vor fünfzig Jahren gab es in Deutschland noch kein Metabolisches Syndrom, sagte Professor Dr. Heinrich Laube, Gießen. Seit 1949 jedoch hätten sich die Lebensumstände dramatisch verändert. Die moderne Überflussgesellschaft sei geprägt durch kalorische Überernährung mit großen Mengen tierischer Fette und Eiweiß, zu viel Alkohol und raffinierten Kohlenhydraten (Zucker) und zu wenig Ballaststoffe und Bewegung.

In der Folge sei die rasche Zunahme unterschiedlicher atherogener Risikofaktoren wie Diabetes mellitus, Hypertonie, Hyperlipidämie und Hyperfibrinogenämie zu beobachten, die nicht nur als Metabolisches, sondern auch als Insulinresistenz-Syndrom in die Literatur eingegangen und Grund für kardiokasvaskuläre Erkrankungen als Todesursache Nummer Eins sind.

Selektionsvorteil wird zum Nachteil

Auf dem Boden einer angeborenen, genetisch determinierten Insulinresistenz, die wahrscheinlich bei dreißig Prozent der Bevölkerung vorliegt, tritt eine reaktive Hyperinsulinämie auf, die bei ausreichender kalorischer Versorgung schon früh im Leben zu einer visceralen oder Stammfettsucht mit sekundärer Insulinresistenz und Hyperinsulinämie führt. Erst dadurch wird aus einer Veranlagung ein klinisch manifestes Krankheitsbild, so Laube. Der Referent bezeichnete die abdominale Fettmasse als kardiovaskulären Risikoindikator bei Männern.

Neben der Stammfettsucht des Mannes, Dyslipoproteinämie, familiärer Belastung und Hypertonie gilt nach neuen Erkenntnissen als Risikofaktor für Insulinresistenz auch ein niedriges Geburtsgewicht. Eine fetale Unterernährung konditioniert den Stoffwechsel der Betroffenen auf ein späteres Leben in Armut. Wachsen diese jedoch im Überfluss auf, wird ihr Stoffwechsel überfordert.

Auch die Hypothese des Vorliegens eines "Armuts-Gens" beruhe auf der Überlegung, dass bei einer Insulinresistenz mit Hyperinsulinämie und Adipositas ein Überlebensvorteil in der Evolution des Menschen bestanden hat. Heute, in Zeiten des Überflusses, scheint sich dieser Selektionsvorteil zum Nachteil umzukehren.

Prävention durch "Rückkehr zur neuen Armut"

Laube plädierte zur Prävention durch "Rückkehr zur neuen Armut" mit Einschränkung des Nikotinkonsums, Bewegung und Ernährungsumstellung, mit deren Hilfe man in 20 Prozent der Fälle Erfolge erzielen könne. Als wünschenswerte Ziele bei der Therapie eines Typ-2-Diabetes nannte er einen Blutdruck unter 130/80mmHg, einen HbA1C-Wert unter 7 Prozent, sowie LDL-Cholesterol unter 100mg/dl, HDL-Cholesterol unter 40 mg/dl und Triglyceride unter 150 mg/dl. Empfehlenswert sei die Reduktion des Körpergewichtes um 5 Prozent und mehr.

Bei Hypertonie beinhalte die Pharmakotherapie des Metabolischen Syndroms vor allem die Gabe von ACE-Hemmern, Calciumantagonisten vom Dihydropyridintyp und vasodilatierenden Betablockern. Bei der Dyslipoproteinämie sollte die Hypertriglyceridämie vorrangig durch Fibrate, die erhöhten Cholesterolwerte durch Statine behandelt werden. In der Diabetestherapie des übergewichtigen Patienten – so der Referent - empfehlen sich orale, nicht insulinotrope Antidiabetika wie alpha-Glucosidase-Hemmer und Metformin. Bei Nichterreichen des Therapiezieles müssten kurz wirksame Sulfonylharnstoffe und Insuline zum Einsatz kommen. Die Kombination unterschiedlicher Wirkstoffe sei wünschenswert.Top

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