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Brivudin, eine Alternative gegen Herpesviren

16.12.1996  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

Brivudin, eine Alternative gegen Herpesviren

  Schon seit einigen Jahren gibt es neben Aciclovir, Valaciclovir und verwandten Stoffen ein weiteres Präparat zur Behandlung des Herpes zoster auf dem deutschen Markt: Brivudin, ein Pyrimidinanalogon, das wie das Purinderivat Aciclovir in die virale DNA-Synthese eingreift. Brivudin wird nur peroral verabreicht, wirkt in vergleichsweise niedriger Dosierung und hat einen schnellen Wirkungseintritt.

Das Präparat wurde in der ehemaligen DDR entwickelt, und nachdem präklinische und toxikologische Studien auf den heute üblichen Stand gebracht wurden, stellte die Firma Berlin Chemie das Medikament jetzt auf einem Symposium in Berlin vor. Wie Aciclovir, wird auch Brivudin durch eine dreifache Phosphorylierung in die eigentliche Wirkform umgewandelt. Die ersten beiden Schritte katalysieren virale Thymidinkinasen, so daß die Reaktion auf virusbefallene Zellen beschränkt bleibt. Der falsche Baustein wird von der DNA-Polymerase in das Virusgenom eingebaut, die Matrize kann nicht abgelesen werden, RNA- und Proteinsynthese sind gehemmt. Außerdem kommt es zu DNA-Strangbrüchen.

Brivudin wird bei allen Formen des Herpes zoster eingesetzt und ist auch zur Behandlung immunsupprimierter oder multimorbider Patienten geeignet (siehe auch PZ 33/96, Seite 14). Darüber hinaus ist es bei schweren Herpes-simplex-Infektionen indiziert. Hier wirkt es jedoch nur gegen Viren vom Typ 1, also jenen Subtyp, der in der Mehrzahl der Fälle Lippenherpes hervorruft. Gegen Viren vom Typ 2 (Herpes genitalis) ist Brivudin im Unterschied zu Aciclovir wirkungslos. Professor Dr. Peter Wutzler vom Klinikum der Friedrich Schiller Universität in Jena verglich an 48 Patienten mit maligner Grunderkrankung die Wirkung von Aciclovir-Infusionen mit peroralem Brivudin. Beide Medikationen wirkten sich gleich auf Läsionen, Schmerzen, den zeitlichen Verlauf der Verkrustung und das subjektive Befinden der Patienten aus.

Dr. Verena Schuy von der Universitätshautklinik in Düsseldorf beobachtete nach Anwendung von Brivudin bei 20 Patienten mit Herpes-zoster- oder schweren Herpes-simplex-Infektionen folgenden Verlauf: Nach dem ersten Tag bildeten sich im Durchschnitt keine Hauterscheinungen mehr, am vierten Tag waren sämtliche Wunden verkrustet, und ab dem neunten Tag begann der Schorf abzufallen.

Die Nebenwirkungen von Brivudin sind gering. Die Untersuchungen zur Mutagenität und Teratogenität von Brivudin waren unauffällig. Da aber Erfahrungswerte fehlen, raten die Verantwortlichen von einer Anwendung bei Schwangeren ab. Stehen Patienten unter einer Therapie mit 5-Fluorouracil, ist Brivudin kontraindiziert.

Effektiv nur bei aktiven Viren

Wie bei Aciclovir ist die Bioverfügbarkeit von Brivudin mit 33 Prozent sehr niedrig. Dennoch reicht eine tägliche Dosis von viermal 125 mg aus. Nach einer Stunde ist dann das Viruswachstum zu 70 Prozent gehemmt, nach vier Stunden werden 100 Prozent erreicht, die Halbwertszeit liegt bei 13 bis 15 Stunden. Da die Wirkung von Brivudin eine aktive Virustätigkeit voraussetzt, hat auch dieses Medikament keinen Einfluß auf latent ruhende Viren.

PZ-Artikel von Stephanie Czajka, Berlin
   

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