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Cannabis lindert subjektiv MS-Symptome

24.11.2003
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Cannabis lindert subjektiv MS-Symptome

von Kerstin A. Gräfe, Eschborn

Einzelberichte lieferten Hinweise darauf, dass Extrakte der Hanfpflanze Cannabis sativa die spastische Symptomatik bei Multiple-Sklerose-Patienten lindern können. Die Ergebnisse einer ersten randomisierten Studie liegen nun vor.

Symptome der Multiplen Sklerose (MS) sind Muskelsteifheit, Krämpfe, Schmerzen und Zittern. Viele Einzelberichte lassen vermuten, dass Cannabinoide diese mildern können. Die Arbeitsgruppe um John Zajicek von der Universität Plymouth untersuchte in einer randomisierten, placebokontrollierten Studie den Effekt von oralen Cannabinoiden auf die Symptome Spastizität und Schmerz.

630 MS-Patienten, die in 33 britischen Studienzentren behandelt wurden, erhielten entweder einen oralen Cannabisextrakt (211 Patienten), D9-Tetrahydrocannabinol (THC, 206 Patienten) oder Placebo (213 Patienten). Nach 15 Wochen wurde die Veränderung der Spastizität mithilfe der Ashworth-Skala gemessen. Dabei unterschied sich die Stärke der spastischen Symptome der mit Cannabinoiden Behandelten nicht von der Placebogruppe. Ebenso verkürzte sich die Zeit, die die Probanden für das Zurücklegen einer bestimmten Strecke benötigten, in allen drei Gruppen – unter THC-Behandlung um 12 Prozent, bei Patienten mit Cannabisextrakt- und Placebobehandlung um 4 Prozent.

61 Prozent der mit Cannabisextrakt- sowie 60 Prozent der THC-Behandelten berichteten von subjektiv wahrgenommenen Verbesserungen der spastischen Symptome verglichen mit 46 Prozent in der Placebogruppe. 54 Prozent der mit Cannabisextrakt behandelten Patienten empfanden ihre Schmerzen als verringert verglichen mit 37 Prozent in der Placebogruppe. Einige dieser subjektiven Verbesserungen erklären sich möglicherweise daraus, dass die Patienten anhand der Nebenwirkungen erkannten, welche Behandlung sie erhielten (Entblindungseffekt).

Bei der Interpretation der Ergebnisse differenzierte Zajicek zwischen objektiv und subjektiv erhaltenen Ergebnissen. So zeige sich zwar unter Verwendung der Ashworth-Skala als Referenz in den drei Gruppen keine Verbesserung der schweren spastischen Symptome, dennoch weise die Wirkung auf die spastischen Symptome und die Schmerzen, wie sie von den Patienten beschrieben wird, auf einen subjektiven klinischen Effekt hin. Ebenso sei teilweise eine positive Auswirkung auf die Gehzeit zu beobachten gewesen. Es seien jedoch weitere Studien nötig, die mit anderen Messparametern die Effekte adäquater untersuchen.

Quelle: Zajicek, J., et al., Lancet 362 (2003) 1517 – 1526.Top

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