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Ab November Macrogol als Abführmittel

28.10.1996  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

Ab November Macrogol als Abführmittel

  Wann, wieviel und wie oft: Die Gewohnheiten bei der Stuhlentleerung sind individuell unterschiedlich. Der eine kann mehrmals täglich, der andere nur einmal pro Woche. Eine Definition für Obstipation gibt es deshalb auch nicht. Hinweise auf Verstopfung sind weniger als drei Toilettengänge pro Woche, zu geringer und zu harter Stuhl. Wann es sinnvoll sein könnte, mit einem Laxans nachzuhelfen, versuchte die Norgine GmbH bei ihrer Einführungspressekonferenz von Movicol (Macrogol 3350) zu beantworten.

In Deutschland leiden etwa 30 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer unter Verstopfung. Mit dem Alter nehmen die Beschwerden zu: Sind es bei den unter 30jährigen 14 Prozent, wächst die Zahl bei den über 60jährigen auf rund 37 Prozent. Bei Heimbewohnern sind sogar 60 Prozent betroffen. Die Obstipation ist dadurch gekennzeichnet, daß der Darminhalt unnormal lang im Kolon bleibt. Dem Faeces wird Wasser entzogen, und er hat dadurch ein kleineres Volumen. luminaler Druck und Peristaltik nehmen ab, der Defäkationsreflex wird verzögert ausgelöst.

„Osmolaxantien machen neben den antiresorptiv und hydragog wirkenden Abführmitteln 80 Prozent der verkauften Laxantien aus", sagte Privatdozent Dr. Klaus Jürgen Goerg, Wuppertal. Sie vermehren das intraluminale Volumen, indem sie abhängig von ihrer osmotischen Kraft die Resorption von Wasser aus dem Darm verringern oder Wasser in das Darmlumen ziehen. Das ist das Wirkprinzip von salinischen Abführpräparaten, Zuckern und Zuckeralkoholen. Ab 1. November 1996 kommt ein Macrogol dazu, ein Polyethylenglykol mit dem mittleren Molekulargewicht von 3350.

Dabei hat die Herstellerfirma folgende Eigenschaft ausgenutzt: Macrogole können Wasser über Wasserstoffbrücken als Hydrathüllen binden. Movicol-Pulver wird in 125 ml Wasser gelöst. Dadurch transportiert man eine definierte isoosmolare Wassermenge gezielt in das Kolon, wie Professor Dr. Roland Wanitschke, Uniklinik Mainz, ausführte. Der verhärtete Stuhl wird hydratisiert. Außerdem zeichneten sich Macrogole durch ihren inerten Charakter aus: Sie sollen im Intestinaltrakt kaum resorbiert werden (unter 1,6 Prozent), unterlägen keinem mikrobiellen oder enzymatischen Abbau und werden deshalb unverändert ausgeschieden. Movicol enthält außerdem bilanzierte Elektrolytmengen, um Störungen im Wasser- und Elektrolythaushalt sowie eine Stimulation des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems zu vermeiden.

Aus eins mach' viele

Ganz neu ist dieses Wirkprinzip allerdings nicht: Seit 1993 verwendet man zur forcierten Darmreinigung vor endoskopischen Untersuchungen und chirurgischen Eingriffen am Magen-Darmtrakt Macrogole. Der laxierende Effekt folgt einer linearen Dosis-Wirkungskurve. So lag die Idee der Herstellerfirma eigentlich ganz nah: Niedriger dosiert und als Einmalbeutel verpackt, wird die Darmspüllösung zum Abführmittel.

Nach Angaben des Herstellers verändert das Macrogol bei bestimmungsgemäßem Gebrauch weder die Darmflora noch irritiert es die Darmmukosa. Toleranzen entwickelten sich nicht. Im Gegenteil: Movicol bewirke einen Stuhlgang pro Tag bei Kurz- und Langzeitanwendung. Die Dosis könne bei Langzeitgebrauch sogar reduziert werden, um gleiche Stuhlfrequenz zu erreichen. Dies sollte aber auch hier nicht zu Laxantienmißbrauch verleiten, warnten die Referenten. Die Nebenwirkungsrate des neuen Laxans sei im Vergleich zu anderen Osmolaxantien gering.

PZ-Artikel von Elke Wolf, Neu-Isenbur
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