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Pharmazie

19.06.2000
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Docetaxel verlängert Überlebenszeit

von Elke Wolf, Heidelberg

Patienten mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) erhielten bislang nur selten eine Chemotherapie, nachdem die Erstbehandlung versagt hatte. Begründung der Experten: Herkömmliche Zytostatika sind in dieser Situation zu toxisch und der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen für den Kranken. Mit der Zulassung von Docetaxel beim fortgeschrittenen NSCLC ist Bewegung in die Therapie gekommen. Fachleute empfehlen nun eine Second-line-Therapie mit Docetaxel für Patienten mit gutem Allgemeinzustand.

Als erstes Zytostatikum hat Docetaxel (Taxotere®) Anfang dieses Jahres die Zulassung für die Behandlung des fortgeschrittenen NSCLC erhalten, wenn eine vorausgegangene Chemotherapie nicht befriedigend war. Die Zulassung basiert auf zwei randomisierten Phase-III-Studien mit insgesamt 577 Lungenkrebs-Patienten. Diese Untersuchungen zeigen, dass Patienten unter einer Docetaxel-Monotherapie signifikant länger überleben als die in den beiden Kontrollgruppen mit der besten Supportiv-Therapie beziehungsweise einer Monotherapie mit Vinorelbin oder Ifosfamid.

"Nicht nur das Gesamtüberleben, auch die Ein-Jahres-Überlebensrate, das progressionsfreie Intervall, der klinische Benefit und die Lebensqualität wurden durch Docetaxel signifikant verbessert", informierte Professor Dr. Christian Manegold von der Thoraxklinik in Heidelberg bei einem Pressegespräch von Aventis Pharma. Als adäquate Dosierung erwiesen sich in beiden Studien 75 mg/m² Körperoberfläche Docetaxel, alle drei Wochen verabreicht.

Docetaxel sei einer der wichtigsten zytostatischen Arzneistoffe zur Behandlung des NSCLC, sagte Manegold. Zytostatische Substanzen reduzieren im Gegensatz zu zytotoxischen Verbindungen nicht die Tumormasse, sondern tragen zur Stabilisierung des Krankheitsstadiums bei. Docetaxel hemmt die Zellteilung, indem es das aus Mikrotubuli bestehende Zellskelett im polymerisierten Zustand "einfriert". Während des Zellzyklus werden normalerweise aus Tubulindimeren Mikrotubuli erzeugt, die wiederum den Spindelapparat konstituieren. Docetaxel blockiert dabei die Disaggregation des Spindelapparates und verhindert somit die Teilung der Krebszellen.

Für Manegold eröffnen sich mit Docetaxel neue Perspektiven in der Behandlung des Bronchialkarzinoms. Dies gelte nicht nur für die Second-line-Therapie des fortgeschrittenen NSCLC, sondern auch für die neoadjuvante, präoperative Induktionstherapie, die adjuvante postoperative Behandlung nach radikaler Tumorentfernung und für die kombinierte Radio-Chemotherapie in frühen NSCLC-Phasen. Klinische Prüfungen laufen derzeit. Top

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