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Hepatitis: neue Hintergründe und Therapieansätze

13.01.1997  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

Hepatitis: neue Hintergründe und Therapieansätze

  Italienische Barbiere leben gefährlich. Ein großer Prozentsatz von ihnen hat Gelbsucht. Der Grund, so wird kolportiert, liege darin, daß so mancher Barbier nicht nur den Bart der Kunden, sondern auch seinen eigenen mit ein und demselben Messer abrasiere. Man kann diese Methoden für nicht ganz zeitgemäß und daher vernachlässigbar halten. Tatsache ist aber, daß die Ausbreitung und Übertragungswege der Hepatitiden immer wieder diskutiert werden.

Jährlich infizieren sich 50 000 Menschen neu mit Hepatitis B, 25 000 davon erkranken akut, bis zu 5000, also knapp 10 Prozent, entwickeln eine chronische Gelbsucht. Bei Hepatitis C (HCV) werden die Neuinfektionen auf 3000 bis 4000 im Jahr geschätzt, die Inzidenz beträgt also nur rund ein Zehntel. Problematisch sei jedoch, daß die Krankheit zu Beginn oft ohne Symptome, aber in rund 80 Prozent der Fälle chronisch verlaufe, betonte Professor Dr. Wolfgang Jilg vom Institut für Mikrobiologie und Hygiene in Regensburg auf einem Hepatologie-Symposium am Virchow-Klinikum der Berliner Humboldt-Universität.

Die Übertragungswege bei Hepatitis B sind weitgehend bekannt. Minimale Läsionen reichen für eine Ansteckung aus. Gefährdet ist, wer im medizinischen Bereich arbeitet, sich Drogen spritzt oder häufig wechselnde Sexualkontakte hat. Zwischen 1987 und 1989 hatte Hepatitis B stark abgenommen. Jilg führt dies auf bessere Vorsichtsmaßnahmen im Zuge der AIDS-Kampagnen zurück und wertet das Ergebnis als einen Hinweis für die Bedeutung der sexuellen Übertragung.

Im Falle von Hepatitis C ging man ursprünglich von ähnlichen Ansteckungswegen aus. Die vorhandenen Fallzahlen reichen jedoch für fundierte epidemiologische Studien nicht aus. Eine Untersuchungsgruppe von HCV-Infizierten in Hamburg bestand zu 40 Prozent aus Drogenabhängigen, nur 0,7 Prozent hatten sich aufgrund ihrer Tätigkeit im medizinischen Bereich angesteckt, bei gut der Hälfte blieb die Genese unbekannt.

IFN a und Ansätze zur Response-Verbesserung

Chronische Hepatitiden bergen die Gefahr einer Leberzirrhose oder eines Leberkarzinoms in sich. Einzige etablierte Therapiemöglichkeit sei die Behandlung mit Interferon a (IFN a), erklärte Professor Dr. Uwe Hopf vom Virchow-Klinikum in Berlin. Allerdings sprechen Patienten mit Hepatitis B nur zu 40 Prozent, Patienten mit Hepatitis C sogar nur zu 20 Prozent auf die Behandlung an. In Einzelfällen kommt es sogar vor, daß die Wirkung von Interferon nach mehreren Jahren erfolgreicher Therapie ausbleibt.

Um die Rate der Non-Responder zu senken, wird Interferon mit Nukleosidanaloga kombiniert. Gegen Hepatitis B werden Famciclovir und Lamivudine eingesetzt, gegen Hepatitis C wird derzeit Ribavirin, ein Guanidinanalogon, getestet. Im Gegensatz zu anderen Nukleosidanaloga konnte bei Ribavirin keine virustatische Aktivität festgestellt werden, der Wirkmechanismus ist unbekannt, klinisch wurde aber eine positive Wirkung festgestellt.

Die Zwischenauswertung einer noch nicht abgeschlossenen multizentrischen Studie zeigte, daß Ribavirin in Kombination mit Interferon 40 Prozent der Non-Responder in Responder umwandelt. Bei Patienten, die von vorneherein auf Interferon ansprachen, verbesserte sich die Wirkung durch die zusätzliche Gabe von Ribavirin nicht weiter. Nach drei Monaten Kombinationstherapie wird die Behandlung allein mit Interferon fortgesetzt. Als wichtigste Nebenwirkung wurde bei einigen Patienten ein starkes Absinken des Hämoglobinspiegels beobachtet.

Hepatitis B will man vor allem durch konsequente Impfungen eindämmen. Gegen Hepatitis C ist kein Impfstoff in Sicht, die Krankheit verläuft lange Zeit unbemerkt, und die Behandlung ist schwierig. Die ansteigenden Fallzahlen führt Jilg auf die höhere Wahrnehmungsrate der Ärzte zurück. Viele Typ-C-Infektionen würden zudem jetzt als akut und damit »neu« gemeldet, obwohl sie schon viele Jahre bestanden. Zur Panik, so Jilg, gebe die Entwicklung daher zur Zeit keinen Anlaß.

PZ-Artikel von Stephanie Czajka, Berlin
   

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