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Sonderleistungen erweitern den Aktionsradius

25.11.1996
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  Govi-Verlag

Sonderleistungen erweitern den Aktionsradius
Fortbildung der LAK-Hessen

  "Einer Umfrage zufolge wissen nur 65 Prozent der Befragten, daß in Apotheken verschiedene Dienstleistungen erbracht werden", so Jutta Dudek, Chefapothekerin des Nordwest-Krankenhauses in Frankfurt und Moderatorin des ersten Teils der Veranstaltung, bei der Eröffnung der 55. Zentralen Fortbildung der LAK Hessen. Grund genug, dagegen etwas zu tun. So kamen denn auch rund 600 Apothekerinnen und Apotheker nach Gießen, um sich über wissenschaftliche Grundlagen zu informieren und um Anregungen für die Umsetzung von Kollegen zu bekommen.

Herstellung von Zytostatika: Chancen nutzen

In der Diskussion um die Zuständigkeit für individuelle Zytostatikazubereitungen spricht laut Hartmut Vaitiekunas, Krankenhausapotheker am Städtischen Klinikum Braunschweig, vieles für eine Verlagerung der Herstellung von einzelnen Stationen oder Arztpraxen in die Apotheke. Die zentrale Zytostatikaherstellung in Klinik- oder speziellen Offizinapotheken mache das aseptische Handling von Anbrüchen möglich. Damit müsse nicht für jede Zubereitung ein neues Originalbehältnis angebrochen und dann der Rest verworfen werden. Von der zentralen Herstellung sei eine Reduktion des Zytostatika-Etats um bis zu 20 Prozent zu erwarten, rechnete Vaitiekunas vor.

Oberstes Gebot bei der Herstellung von Krebs-Chemotherapeutika ist die Sicherheit. Problem: Obwohl die möglichen Zytostatikarisiken - Mutagenität, Teratogenität, (Co)Cancerogenität - bekannt sind, ist eine Festlegung von MAK-Grenzwerten nicht möglich. Der Grund: Erst ab einigen Milliarden Tumorzellen ist Krebs diagnostizierbar, bis dahin können Jahre vergehen; ein direkter Bezug zwischen einer Kontamination und einer späteren Erkrankung läßt sich daher nur schwer herstellen. Um dennoch Informationen über die Gesundheitsrisiken bei Zytostatikazubereitung zu bekommen, habe man in Hamburg bei Herstellungspersonal ein DNA-Monitoring durchgeführt, berichtete Vaitiekunas. Bei Einhaltung der Herstellungs- und Sicherheitsvorschriften sei jedoch keine Veränderung aufgetreten - ein Indiz für eine zumindest relative Sicherheit für das Personal.

Bei den Sicherheitswerkbänken erfüllen nach seinen Worten derzeit nur solche der Klasse 2 nach DIN 12950 Teil 10 die Anforderungen des Produkt- und Personenschutzes. Sie werden auch nach Inkrafttreten der derzeit in Arbeit befindlichen, neuen DIN 12980 weiterhin einsetzbar sein. Anschaffungskosten: zwischen 10 000 und 20 000 DM. Zytostatikaboxen, auch bekannt als Berner Boxen, seien für Apotheken abzulehnen, betonte er. Sie gewährleisten zwar Personenschutz, aber keinen Produktschutz. Völlig ungeeignet sind laut Vaitikunas Laminar-Flows, da bei ihnen nicht einmal Personenschutz gewährleistet sei.

Grundlagen der künstlichen Ernährung

Eine Mangelernährung liegt vor, wenn der Patient in den letzten drei Monaten mehr als zehn Prozent seines Körpergewichts verloren hat und die Albuminausscheidung unter 35 g/l Plasma liegt. Nimmt zusätzlich die Kraft der Muskulatur ab, sei es höchste Zeit, mit einer gezielten Ernährungstherapie zu beginnen, sagte Professor Dr. Wolfgang Hartig vom Städtischen Klinikum St. Georg in Leipzig. Damit ein Patient gesund wird, sei die richtige Ernährung genauso wichtig wie die medikamentöse und operative Therapie. Klinisch untermauerte Beweise stünden zwar noch aus, aber bei "Schwerkranken ist die künstliche Kost absolut vertretbar."

Hartig nannte eine ganze Reihe von Gründen: So sind eingeschränkte Lebensqualität, erhöhte Komplikations- und Morbiditätsrate, Pneumonie, Harnwegsinfekte, Abszesse und Schwierigkeiten bei der Wundheilung Folgen der Mangelernährung. Beispiel: "Die Reißfestigkeit von neu genähten Darmanastomosen ist verringert." Auch auf das Immunsystem mache sich die Fehlernährung bemerkbar, zu wenige T-Lymphozyten seien die Folge. "Gerade bei Krebspatienten, deren Abwehrlage ohnehin eingeschränkt ist, macht sich dies besonders markant bemerkbar", informierte Hartig.

Eine künstliche Ernährung sei indiziert, wenn der Patient nicht oder nicht genügend essen kann (wie bei Darmverschluß, Speiseröhrenkrebs oder Pankreatitis), wenn er nicht genügend essen darf oder will. Letzteres träfe für alte Menschen oder Patienten mit Anorexia nervosa zu. Enterale Kost wird als Trinknahrung, per Sonde, per perkutan endoskopischer Gastrostomie oder Katheterjejunostomie zugeführt. Anfangs gibt man kleine Mengen einer Peptiddiät, bei guter Verträglichkeit schwenkt man auf nährstoffdefinierte Kostform, also Formulaprodukte, um.

Verläßliche Werte aus Blut und Harn

"Eine labordiagnostische Untersuchung bescheinigt Ihnen mit höherer Sicherheit Gesundheit als ein Check-up des Körperstatus", machte Professor Dr. Lothar Thomas vom Nordwest-Krankenhaus in Frankfurt auf den Stellenwert der Laboratoriumsuntersuchungen aufmerksam. Der Referent untermauerte mit Zahlen: "Die Laboratoriumsmedizin liefert bei rund 55 Prozent der ärztlichen Diagnosen einen wichtigen und bei 5 Prozent den entscheidenden Hinweis." In den vergangenen 25 Jahren habe in der Diagnostik ein enormer Konzentrationsprozeß stattgefunden, mittlerweile werden jährlich 1,5 Milliarden Tests bearbeitet.

Blut, Harn und Stuhl werden nach etwa 1000 bis 1500 Parametern analysiert, um entweder Vorsorge und Diagnostik zu betreiben oder um die Behandlung zu kontrollieren. Die diagnostischen Parameter sind äußerst empfindlich. Da gibt es Störfaktoren und Einflußgrößen, die in die Interpretation der Werte einfließen müssen, erklärte Thomas. Die Fehler kommen meist in der präanalytischen Phase zustande. "Wenn diese in der Auswertung der Ergebnisse nicht berücksichtigt wird, können Menschen ‘laborkrank’ gemacht werden", sagte Thomas. Typische Fehler: Wird bei der Blutentnahme der Arm länger als zwei Minuten gestaut, konzentrieren sich die Blutbestandteile. Blut sollte auch immer im Liegen und nicht im Stehen sowie in entspannter Atmosphäre entnommen werden. Soll der Fettstatus im Blut überprüft werden, rät Thomas dem Patienten, davor zwölf Stunden lang kein Fett zu sich zu nehmen. Bleibt der Patient aber nicht nüchtern und verschweigt dies dem Arzt, würden höhere Triglyceridwerte gemessen.

PZ-Artikel von Bettina Schwarz und Elke Wolf, Gießen

   

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