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FSH bei weiblicher Sterilität

04.11.1996  00:00 Uhr

-Pharmazie

  Govi-Verlag

FSH bei weiblicher Sterilität

  Vermutlich 8 bis 15 Prozent der Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos. Die Nachfrage nach medizinischer Hilfe steigt. Bleibt die medikamentöse Therapie zur Ovulationsauslösung alleine ohne Erfolg, stehen verschiedene Methoden der assistierten Reproduktionstechnik für Mann und Frau zur Verfügung.

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist die bekannteste Methode der sogenannten assistierten Fortpflanzung. Bei allen Techniken werden, um die Erfolgsrate zu erhöhen, mehrere Eizellen aus einem Zyklus gewonnen und befruchtet. Davon ist die "milde" ovarielle Stimulation bei Ovulationsstörungen zu trennen, bei der nur eine oder maximal zwei Eizellen heranreifen sollen; diese können dann beim zeitlich abgestimmten Geschlechtsverkehr oder durch Insemination befruchtet werden. Angewendet werden Antiestrogene wie Clomifen peroral oder Gonadotropine (Hypophysenhormone) wie follikelstimulierendes Hormon (FSH) parenteral.

IVF, GIFT, ICSI und anderes: die assistierte Fortpflanzung

Zur Superstimulation des Ovars werden Gonadotropine eingesetzt, heute vor allem FSH. Die reifen Eizellen werden dann durch ultraschallgesteuerte Punktion gewonnen und in vitro befruchtet. Nur beim intratubaren Gametentransfer (GIFT) werden drei Eizellen mit je 100 000 aufbereiteten Spermien in den Eileiter eingespritzt. Ansonsten werden die befruchteten Eizellen im gleichen Zyklus zurückübertragen (Embryotransfer).

Die Methoden der assistierten Fertilisation unterscheiden sich in der Art der Befruchtung und der Spermiengewinnung. Bei der IVF werden die Eizellen mit aufbereiteten Spermien inkubiert und zurückübertragen. Bei der intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) wird gezielt ein Spermium in die Eizelle eingebracht. Diese Methode gilt als Meilenstein in der Therapie bei massiv gestörter männlicher Fruchtbarkeit, denn man braucht nur ein einziges gesundes Spermium. Die Spermien können zudem mikrochirurgisch aus dem Nebenhoden oder aus dem Hoden gewonnen werden.

Die Rate ausgetragener Schwangerschaften liegt bei etwa 17 Prozent pro Zyklus mit Embryotransfer. Hauptfaktoren für das Gelingen der Therapie sind nach wie vor das Alter der Frau und die Dauer der Sterilität. Seit etwa dreißig Jahren werden Gonadotropine aus dem Urin postmenopausaler Frauen gewonnen. Dazu werden bei der Firma Organon GmbH in Oberschleißheim jährlich 30 Millionen Liter Urin verarbeitet, wobei mitunter Nachschubprobleme auftraten. Das Endprodukt enthält neben FSH auch Luteinisierendes Hormon (LH) und andere Glykoproteine. LH wird jedoch für eine erhöhte Abortrate nach ovarieller Stimulation verantwortlich gemacht.

So wertet es die Firma als großen Erfolg, jetzt gentechnisch produziertes FSH in hoher Reinheit anbieten zu können, erklärte Dr. Alexander Rübig von Organon. Das recFSH-ß (INN: Follitropin beta) wird in der irischen Hauptstadt produziert. FSH hat ein Molekulargewicht von 36 bis 45 kD. Es enthält zudem vier an Asparaginsäure gebundene Zuckerketten und unterschiedliche Mengen an Sialinsäure, die die biologischen Eigenschaften der Isohormone bestimmen. Je basischer das FSH, desto besser bindet es am Rezeptor. Auf die höhere Basizität des rekombinanten FSH führte Rübig dessen bessere Wirksamkeit im Vergleich zum urinären FSH zurück. Das Präparat wird als gefriergetrocknetes Pulver in Form lyophilisierter Sphären und einem Lösungsmittel angeboten.

PZ-Artikel von Brigitte M. Gensthaler, Dublin
   

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