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Umckaloabo gegen Atemwegsinfekte

22.09.2003  00:00 Uhr
Afrikanische Heilpflanzen

Umckaloabo gegen Atemwegsinfekte

von Eva Werren, Hattersheim

Der Extrakt der Umckaloabo-Wurzel wird in Südafrika seit Jahrhunderten traditionell bei Atemwegserkrankungen verwendet. In der Praxis hat er sich bei Ärzten und Patienten als Mittel der Wahl etabliert, die Studienlage ist jedoch umstritten.

Die Entdeckungsgeschichte von Umckaloabo geht in das 19. Jahrhundert zurück. Vor rund 100 Jahren (1897) reiste der an Tuberkulose erkrankte englische Major Charles Henry Stevens auf Anraten seines Arztes in das klimatisch günstige Südafrika. Während seines Aufenthaltes in Lesotho erhielt er täglich von einem Medizinmann des dortigen Zulu-Stammes einen Sud aus der gekochten Rinde der Kapland-Pelargonie. Nach vier Monaten kehrte Stevens scheinbar geheilt nach England zurück und vertrieb seine mitgebrachte Geheimrezeptur (Stevens’ consumption cure) als Mittel gegen Tuberkulose.

Die von den Zulus traditionell bei Husten, Diarrhö und Leberschäden angewendete Pflanze stammt aus der Familie der Geraniaceae. Inzwischen werden die 50 cm hohen Kleinsträucher mit ihren ausgeprägten Rhizomen auf kontrollierten Plantagen in Südafrika kultiviert. Die einfach wechselständigen Blätter sind dicht mit Drüsenhaaren besetzt und erscheinen dadurch silbrig glänzend. Die herzförmigen Blattränder sind gezähnt bis gesägt. Die zwittrigen Blüten sind purpurrot und stehen in mehrfach scheindoldigen Blütenständen zusammen. Im dritten Jahr weisen die Wurzeln den höchsten Wirkstoffgehalt auf.

Wirkung beruht auf Gesamtextrakt

In Deutschland ist zurzeit lediglich ein Arzneimittel mit Umckaloabo auf dem Markt. Es enthält einen ethanolischen Auszug aus den Wurzeln von Pelargonium reniforme/sidoides (1:10) als Lösung zum Einnehmen. Bis vor wenigen Jahren war das Präparat relativ unbedeutend. Inzwischen hat es sich bei vielen Ärzten und Patienten als Mittel der ersten Wahl in der Therapie akuter und chronischer Infekte des Respirationstraktes und des HNO-Bereichs etabliert. Einer der Gründe hierfür liegt in dem Bemühen der Ärzte, von der teilweise unsinnigen und unkontrollierten Gabe von Antibiotika bei Atemwegserkrankungen wegzukommen.

Als charakteristische und therapeutisch wirksame Inhaltsstoffe gelten bislang Cumarine, Gerbstoffe vom Typ der Proanthocyanidine, Flavonoide, Polysterole und ätherisches Öl.

Der Extrakt soll eine antibakterielle, immunstimulierende und schleimlösende Wirkung entfalten. Die antibakterielle Aktivität wurde auf drei relevante grampositive (Staphylococcus aureus, Streptococcus pneumoniae und beta-hämolysierende Streptokokken) und die gramnegativen Bakterienstämme Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, Proteus mirabilis und Hämophilus influenzae getestet.

Die immunstimulierenden Eigenschaften beruhen offenbar auf einer NO-Induktion, einer Induktion der Produktion des Tumornekrosefaktors a sowie auf zytoprotektiven Effekten durch Interferon-Freisetzung. Dabei ist die Wirkung des Gesamtextraktes der der Einzelsubstanzen deutlich überlegen.

Randomisierte kontrollierte Vergleichsstudien mit Standardantibiotika existieren derzeit nicht. In vier kontrollierten, klinischen Studien mit insgesamt 800 Patienten mit akuter Bronchitis (467 Erwachsene 18 bis 20 Jahre, 124 Erwachsene im Durchschnitt 36 Jahre, 60 Kinder 6 bis 12 Jahre) beziehungsweise akuter Tonsillopharyngitis (143 Kinder 6 bis 10 Jahre) sowie in drei nicht kontrollierten Studien mit über 1500 Patienten (teilweise auch Kleinkinder) bewies der Extrakt seine Überlegenheit gegenüber Placebo. Hinsichtlich Schluckbeschwerden, Halsschmerz, Fieber sowie Rötung in Mund und Rachen zeigten sich jeweils deutliche Besserungen. Im direkten Vergleich mit Acetylcystein erwies sich Umckaloabo als gleichwertig.

Gegenanzeigen sind Schwangerschaft und Stillzeit sowie schwere Leber- und Nieren-Erkrankungen. Da eine erhöhte Blutungsneigung als Kontraindikation gilt, ist in der Beratung eine eventuelle Antikoagulantien-Therapie mit Cumarin-Derivaten zu erfragen.

 

Etymologie Der Name »Umckaloabo« stammt aus der Zulu-Sprache und beschreibt die Beschwerden einer Atemwegserkrankung. Er setzt sich zusammen aus »umKhulane« (schwerer Husten) und »uHlabo« (schneidender Schmerz in der Brust).

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