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Nie mehr als drei Wirkstoffe

14.06.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

PHARMACON MERAN

Nie mehr als drei Wirkstoffe

von Ulrich Brunner, Meran

Der Analgetikaverbrauch steigt stetig. Allein 1998 wanderten 570 Millionen Schmerzmittelpackungen über Deutschlands HV-Tische, 16 Prozent des gesamten Arzneimittelumsatzes. Die meisten Präparate werden jedoch nicht vom Arzt empfohlen oder verschrieben, sondern vom Patienten direkt in der Offizin gekauft. Deshalb trägt gerade hier die gute Beratung des Apothekers entscheidend zur Arzneimittelsicherheit bei. Was Pharmazeuten ihren Kunden in Sachen Analgetika mit auf den Weg geben sollten, erklärten Dr. Christl Wegler, Völklingen, und Dr. Martin Schulz, Eschborn, in einem Seminar während dem Pharmacon in Meran.

Nur rund 35 Prozent aller Kopfschmerzpatienten gehen zum Arzt. Meist suchten Schmerzgeplagte Rat bei Laien, zum Beispiel ihrer Familie, Freunden oder Bekannten, faßte Schulz die Ergebnisse einer aktuellen Umfrage zusammen. Der Apotheker sei also dringend gefordert, Schmerzpatienten auch ohne deren Wunsch nach Beratung über ihre Krankheit und die richtige Medikation aufzuklären. "Das ist eine Frage, wie wir unsere Patienten dazu erziehen, daß wir sie beim Analgetikakauf regelmäßig mit ein oder zwei Fragen konfrontieren", betonte Schulz. Der Apotheker könne zur Erfassung der Symptome nicht immer einen umfassenden Fragenkatalog abarbeiten. Vielmehr sollte er den Patienten individuell mit gezielten Fragen zur Genese und dem bisherigen Schmerzmittelkonsum interviewen.

Wann der Apotheker Kopfschmerzpatienten unbedingt zum Arzt schicken sollte, erklärte Wegler. Wenn die Patienten dauernd an Übelkeit leiden oder sich regelmäßig übergeben müssen, ist unbedingt ein Mediziner zu konsultieren. Auch Patienten mit Dauerkopfschmerz, Nackensteifigkeit, Clusterkopfschmerzen sowie Migräne sollten vom Arzt behandelt werden. Leider würden viele Patienten Kopfschmerz als Krankheitsbild verdrängen, und deshalb gar nicht erst in die Praxis kommen, bedauerte Wegler. Den Patienten fehle auch aufgrund der hohen Zuzahlungen oft der finanzielle Anreiz für einen Arztbesuch. Zudem schreckten sie lange Wartezeiten in der Praxis ab, oder sie rechneten damit, daß ihr Wunschmittel sowieso nicht verschrieben wird.

Anhand der Aufbereitungsmonographien erklärte Schulz, wann der Apotheker wem welches Schmerzmittel empfehlen sollte. Als sinnvoll stufte er Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Paracetamol sowie Propyphenazon und Phenazon ein. Bei der Beratung in der Apotheke sollte aber immer an die speziellen Kontraindikationen gedacht werden.

Nur bei ASS oder Paracetamol empfahl Schulz die Kombination mit Coffein. Hier müsse entsprechend der Monographien auf die richtige Dosierung geachtet werden. Problematisch werde der Coffeinzusatz, wenn der Patient das Medikament länger als zwei bis drei Tage einnehme. Zudem machten auch moderne Darreichungsformen mit schnellem Wirkungseintritt das Coffein überflüssig, sagte der Referent. Phenazon oder Propyphenazon sollten weder kombiniert, noch mit Coffein gegeben werden.

Zur richtigen Analgetikabewertung empfahl Schulz folgendes Vorgehen: Zunächst sollte die Apothekerin oder der Apotheker überprüfen, ob für die Wirkstoffe und auch deren Kombination bei der Indikation eine positive Aufbereitungsmonographie vorliege. Anschließend müßten die Dosierungsempfehlung verglichen werden. Letztlich sollte man sich aber immer bewußt machen, daß nicht alle Präparate die zugelassen sind, und gegen deren Einsatz aus pharmakologischer Sicht nichts spricht, prinzipiell auch sinnvoll sind. Präparate mit mehr als drei Wirkstoffen seien grundsätzlich nicht empfehlenswert. Top

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