Pharmazeutische Zeitung online

Valdecoxib, der vierte COX-2-Inhibitor

02.06.2003  00:00 Uhr
Neu auf dem Markt

Valdecoxib, der vierte COX-2-Inhibitor

von Hartmut Morck, Eschborn

Seit Anfang Mai 2003 ist mit Valdecoxib (Bextra® Filmtabletten, Pharmacia GmbH) nach Rofecoxib (Vioxx® Filmtabletten), Celecoxib (Celebrex® Filmtabletten) und Parecoxib (Dynastat® Injektion) der vierte selektive COX-2-Inhibitor zur analgetischen und antiphlogistischen Therapie einer Osteoarthrose beziehungsweise rheumatoider Arthristis sowie der primären Dysmenorrhoe auf den Markt.

Valdecoxib ist der aktive Metabolit des 2002 in die Therapie eingeführten Parecoxibs, das zur parenteralen Applikation bei postoperativen Schmerzen zugelassen ist. Valdecoxib wird in drei Dosierungen (10/20/40mg) als Filmtabletten angeboten und ist für die analgetische und antientzündliche Therapie der rheumatoiden Arthristis und Osteoarthrose indiziert.

Valdecoxib wird rasch resorbiert, hat eine absolute Bioverfügbarkeit nach peroraler Applikation von 83 Prozent, erreicht nach circa drei Stunden maximale Plasmakonzentrationen und wird mit einer Eliminationshalbwertszeit von 8 bis 11 Stunden überwiegend hepatisch ausgeschieden. Bei Nierenfunktionsstörungen ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich, bei Leberfunktionsstörungen sollte aber mit der niedrigsten Dosierung von 10 mg einmal täglich therapiert werden.

Erwartungsgemäß wird auch Valdecoxib wie Parecoxib über die Cytochrom P 450 Isoenzyme 3A4 und 2C9 metabolisiert. Deshalb sind Interaktionen mit Fluconazol, Ketoconazol, Phenytoin, Carbamazepin, Dexomethason, Rifamycin, Fle-cainid, Propafenon und Metoprolol zu erwarten. Plasmakonzentrationserhöhungen wurden auch beobachtet bei gleichzeitiger Gabe von Omeprazol (Cyp 2C19 - Substrat) oder von oralen kombinierten Kontrazeptiva mit Ethinylestradiol und Norethindron.

Als Kontraindikationen gelten bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Sulfonamiden, aktive peptische Ulzerationen oder gastrointestinale Blutungen, entzündliche Darmerkrankungen, schwere Leberfunktionsstörungen und schwere dekompensierte Herzinsuffizienz.

Wie bei den anderen COX-2-Hemmern wird die Anwendung von Valdecoxib bei schwangeren Frauen nicht empfohlen. Die Anwendung im letzten Trimenion der Schwangerschaft ist auf jeden Fall kontraindiziert, stillende Mütter sollen ebenfalls Valdecoxib nicht anwenden.

Wie bei Parecoxib wurden auch bei Valdecoxib nach Markteineinführung in den USA anaphylaktische Reaktionen, Angiödeme, Erythema multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom, exfoliative Dermatitis und toxische epidermale Nekrolyse beobachtet, was zu entsprechenden Warnhinweisen in der Packungsbeilage geführt hat. Zumindest bei höheren Dosierungen scheint die nierenschädigende Wirkung von Valdecoxib größer zu sein, als bei den unselektiven NSAR.

Wie bei den anderen Coxiben konnte bei 10 mg-Gaben von Valdecoxib bei endoskopischem Screening eine geringere Rate von Magen-Darm-Ulzera als unter nicht selektiven COX-Hemmern festgestellt werden. In klinischen Studien wurde diese Aussage bestätigt.

Nach den vorliegenden klinischen Daten hat Valdecoxib sowohl bei der Osteoarthrose als auch bei der rheumatoiden Arthritis vergleichbare Ergebnisse wie Diclofenac gezeigt. Ein Therapievorteil konnte nicht gesehen werden. Top

© 2003 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa