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Cetrorelix und Ribavirin

31.05.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

NEU AUF DEM MARKT

Cetrorelix und Ribavirin

von Ulrich Brunner, Eschborn, und Brigitte M. Gensthaler, München

Ein neuer und ein bekannter Wirkstoff mit neuer Indikation bereichern seit Mai das Therapiespektrum. Der LHRH-Antagonist Cetrorelix wird im Rahmen der In-vitro-Fertilisation bei Kinderwunsch eingesetzt. Mit dem Virustatikum Ribavirin, bereits seit 1993 zur Behandlung schwerer Atemwegsinfektionen mit Respiratory Syncytial Virus zugelassen, können nun auch Hepatitis-C-Patienten in Kombination mit Interferon alpha-2b therapiert werden.

Cetrorelix

Nach der EU-Zulassung am 13. April steht seit 15. Mai in Deutschland ein neuer LHRH-Antagonist zur Verfügung: Cetrorelix ist ein synthetisches Dekapeptid und strukturell verwandt mit dem Hypothalamushormon Gonadotropin-Releasing-Hormon, das auch als Luteinisierendes Hormon-Releasing-Hormon (LHRH) bezeichnet wird (Cetrotide® 0,25 mg oder 3 mg von Asta Medica AWD und Serono). Mehrere D-Aminosäuren im Molekül erhöhen dessen Stabilität.

Das Arzneimittel ist zugelassen zur Verhinderung des vorzeitigen Eisprungs bei Patientinnen, die sich einer kontrollierten ovariellen Stimulation, gefolgt von einer Eizellentnahme und Techniken der assistierten Reproduktion (ART) unterziehen. Nach Firmenangaben ist Cetrorelix weltweit der erste LHRH-Antagonist mit dieser Zulassung. Bei der ART wird das Wachstum von Follikeln und Eizellen mit humanem Menopausengonadotropin (hMG) oder Follikel-stimulierendem Hormon (FSH) angeregt, und der Eisprung dann mit humanem Choriongonadotropin (hCG) ausgelöst. Durch Follikelpunktion werden die reifen Eizellen gewonnen. Bisher werden LHRH-Agonisten ("Superagonisten" wie Buserelin oder Triptorelin) eingesetzt, um einen vorzeitigen Eisprung zu unterdrücken.

Cetrorelix wirkt antagonistisch zu LHRH, und konkurriert mit dem endogenen Hormon um die Bindung an Membranrezeptoren der Hypophyse. Dadurch blockiert Cetrorelix die Ausschüttung von LH und FSH aus der Hypophyse und in der Folge die Ovulation. Im Unterschied zu den Agonisten tritt die Hemmwirkung unmittelbar, also ohne initialen stimulatorischen Effekt, ein. Daher ist die Gabe nur während den Zyklustagen nötig, an denen ein vorzeitiger Eisprung auftreten kann. Die Wirkdauer ist dosisabhängig. Beim Mehrfachapplikations-Schema wird Cetrotide® 0,25 mg am Tag 5 (oder 6) der Ovarienstimulation beginnend und während der Gabe des Gonadotropins einmal täglich gespritzt. Im Single-dose-Schema wird Cetrotide® 3 mg nur am Tag 7 der Ovarienstimulation subkutan injiziert. In klinischen Phase-III-Studien waren Schemata mit Cetrorelix vergleichbar effektiv wie solche mit Buserelin oder Triptorelin. Die Rate des schweren ovariellen Hyperstimulationssyndroms war unter Cetrorelix jedoch deutlich geringer.

Für eine längerdauernde Anwendung, zum Beispiel bei hormonabhängigen Tumoren, wird laut Asta Medica derzeit eine Depotform entwickelt.

Ribavirin

Das Zytostatikum Ribavirin ist bereits seit 1993 zur Therapie des Respiratory-Syncytial-Virus (RSV) zugelassen. Erwachsene Patienten, die an einer chronischen nicht-vorbehandelten Hepatitis C leiden, oder nach Interferon-Monotherapie einen Rückfall hatten, können jetzt auch mit Ribavirin (Rebetol®) in Kombination mit Interferon alpha-2b (Intron A®) behandelt werden.

Das Nukleosidanalogon besteht aus einem Ribose-Grundgerüst mit einer Triazol-Carboxamid-Gruppe an Position 1. Die Substanz hemmt die RNA-Polymerase und damit indirekt die Proteinbiosynthese. Ribavirin hemmt unter anderem Hepatitis-, Influenza-, Herpes- und HI-Viren.

In zwei grossen Multizenterstudien in Europa und Nordamerika erhielten fast 2000 Patienten mit chronischer Hepatitis C dreimal wöchentlich Interferon alpha-2b (3 Millionen Einheiten subkutan) und zusätzlich entweder zweimal täglich per os 500/600 mg Ribavirin oder Placebo. Die Behandlung dauerte 24 beziehungsweise 48 Wochen. Als Kriterien bestimmten die Wissenschaftler die Zahl der HCV-Kopien mit Polymerase-Kettenreaktion (PCR) 24 und 48 Wochen nach Behandlungsende, sowie die Transaminasewerte. Zusätzlich wurde die Leber biopsiert.

48 Wochen nach der Behandlung fand man in der Verumgruppe bei 43 (Studie 1) beziehungsweise 38 Prozent (Studie 2) der Probanden weniger als 100 RNA-Kopien pro ml Plasma. In der Placebogruppe sank die Anzahl der RNA-Kopien jedoch nur bei 19 (13) Prozent der Patienten unter diesen Wert. Auch bei der Leberhistologie und den Transaminasewerten führte die kombinierte Behandlung zu signifikant besseren Ergebnissen.

Beide Studien mit fast identischem Studiendesign ergaben nahezu das gleiche Ergebnis: Die Chance, daß eine Interferon-Therapie bei chronischer Hepatitis C anspricht, steigt durch die zusätzliche Gabe von Ribavirin. Auch in einer weiteren Studie mit chronischen Hepatitis-C-Patienten, die zuvor erfolglos mit Interferon therapiert wurden, profitierten die Kranken von der Kombination.

Die Therapie mit Ribavirin ist nur in Kombination mit Interferon alpha-2b zugelassen. Die entsprechende Erlaubnis erteilte die europäische Zulassungsbehörde am 7. Mai. Rebetol® (Kapseln à 200 mg) wird seit 15. Mai in Deutschland von Essex Pharma vertrieben.  Top

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