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Levamisol als Adjuvans bei Colonkarzinom

24.03.1997
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-Pharmazie

  Govi-Verlag

Levamisol als Adjuvans bei Colonkarzinom

  In der Bundesrepublik Deutschland erkranken jährlich etwa 40 000 Menschen an einem Dickdarmkarzinom. Bei einem großen Teil der Patienten kann der Tumor chirurgisch entfernt werden. Bei circa 75 Prozent der Patienten liegen zum Zeitpunkt der Diagnosestellung noch keine Anhaltspunkte für Fernmetastasen vor.  

Levamisol ist der arzneilich wirksame Bestandteil des Fertigarzneimittels Ergamisol® der Firma Janssen-Cilag GmbH. Eine Filmtablette enthält 59 mg Levamisolhydrochlorid, entsprechend 50 mg Levamisol.

Um mögliche mikroskopisch kleine Resttumoren zu bekämpfen, wird nach der potentiell kurativen operativen Entfernung des Primärtumors eine adjuvante Therapie eingeleitet. Das kann eine Radio-, Chemo- oder Immuntherapie oder auch eine Kombination aus ihnen sein.

Anfang der neunziger Jahre wurde vermutet, daß das seit über zwanzig Jahren in der Veterinärmedizin verwendete Anthelminthikum Levamisol aufgrund seiner immunmodulatorischen Eigenschaften einen Fortschritt in der Behandlung von Krebserkrankungen bedeuten könnte.

Seit Juni 1995 ist Levamisol zur adjuvanten Therapie mit dem Pyrimidinantagonisten 5-Fluorouracil (5-FU) bei Patienten mit Colonkarzinomen TNM Stadium III, entsprechend Dukes C (T1-4, N1-3, M0) zugelassen. T(umor) beschreibt dabei die Ausbreitung des Tumors in das Gewebe, N(ode) den Befall der regionären Lymphknoten und M(etastasis) die Metastasen, wobei M besagt, daß keine Evidenz für Fernmetastasen vorliegt.

Chemische Klassifikation

Levamisol ist das linksdrehende Isomer von Tetramisol. Die chemische Bezeichnung lautet: (-)-2, 3, 5, 6,-Tetrahydro-6-phenylimidazo (2, 1-b)thiazolmonohydrochlorid. Wichtige Strukturmerkmale für die Wirkungsweise sind der Thiazol- und der Imidazolring. Die Substanz ist als Hydrochlorid gut wasserlöslich und stabil in saurer, wäßriger Lösung, hydrolysiert aber in alkalischen oder neutralen Lösungen.

Das ursprünglich als Anthelminthikum entwickelte Levamisol zeigte in seiner Anwendung immunmodulatorische Eigenschaften, die bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Der Einsatz zusammen mit dem Pyrimidinantagonisten 5-Fluorouracil muß eher als Zufallsentdeckung angesehen werden, obwohl die immunmodulierenden Eigenschaften Gegenstand vieler Untersuchungen bei Krankheiten mit Beteiligung des Immunsystems waren. Ein Teil der Wirkung kann auf die Hemmung der alkalischen Phosphatase und eine Förderung der T-Zellreifung zurückgeführt werden.

Die Dosierung ist aus der Anwendung als Anthelminthikum beim Menschen abgeleitet. Levamisol wird oral an drei aufeinanderfolgenden Tagen verabreicht, wobei am ersten Tag der Einnahme eine 5-Fluorouracil-Infusion verabreicht wird. Während die Injektion wöchentlich erfolgt, besteht für die Levamisolgabe eine vierzehntägige Therapiepause. Die jeweiligen Monotherapien mit Levamisol oder 5-Fluorouracil brachten keinen signifikanten Vorteil für den Verlauf der Krankheit, wogegen eine große Studie für die Kombinationstherapie bei Dukes-C-Patienten eine Verminderung der Rezidivrate um 40 Prozent und eine Senkung der Gesamtmortalität um 33 Prozent ergab.

Untersuchungen zur Langzeitwirksamkeit und der Verträglichkeit mit anderen zytostatisch wirkenden Substanzen fehlen bislang. Zur Bestimmung des endgültigen Stellenwertes von Levamisol in der Therapie des Colonkarzinoms sind weitere kontrollierte, möglichst prospektive klinische Studien erforderlich.

PZ-Artikel von Andrea Klüting, Wenden
   

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