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Rezepturanpassung bei erhöhter Dexpanthenol-Konzentration

31.01.2000
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-PharmazieGovi-Verlag

DAC-NRF

Rezepturanpassung bei erhöhter Dexpanthenol-Konzentration

Woche für Woche wenden sich zahlreiche Apothekerinnen und Apotheker bei Fragen zur Herstellung von Rezepturen an das Team des Neuen Rezeptur-Formulariums (NRF) und des Deutschen Arzneimittel-Codex (DAC). Da sich viele Anfragen wiederholen, beantworten wir regelmäßig die häufigsten Fragen. Diesmal: Ein Radiologe verordnet für den Praxisbedarf  500 g einer zu NRF 7.3. analogen, aber 20-prozentigen Dexpanthenol-Lösung. Wie müssen die anderen Bestandteile der erhöhten Konzentration angepasst werden?

Die NRF-Rezeptur enthält neben dem Wirkstoff in wässeriger Lösung Natriumbenzoat als Konservierungsstoff und wasserfreie Citronensäure als Säuerungsmittel (1). Ein zumindest schwach saures Milieu (pH < 5) ist für die antimikrobielle Aktivität der eigentlichen Wirkform des Konservierungsmittels, der Benzoesäure, notwendig. Die Menge an Zitronensäure ist so bemessen, dass das Benzoat-Anion zum Teil in die Säureform überführt wird, das als Syntheseverunreinigung im Dexpanthenol enthaltene, basisch reagierende 3-Aminopropanol neutralisiert wird und sich ein pH-Wert von etwa 4,3 einstellt (1). Zur Kompensation der basischen Verunreinigung wird etwa ein Viertel der Menge des Säuerungsmittels verbraucht.

Bei Konzentrationserhöhung – wahrscheinlich zur Verwendung als Konzentrat für Dexpanthenol-Mundspülungen (2) – kann die Konzentration des Konservierungsstoffs sicherlich beibehalten werden. Wohl aber sollte bei der Zugabe von Citronensäure die mit der Arzneistoffkonzentration auch erhöhte Menge an der basischen Verunreinigung berücksichtigt werden. Es empfiehlt sich deshalb, die Citronensäure in der laut NRF-Rezeptur angegebenen Menge hinzuzufügen und dann zusätzlich in weiteren kleinen Anteilen, bis der pH-Wert unter 5 liegt.

Zur Kontrolle wird jeweils ein Tropfen des Ansatzes auf Universal-Indikatorpapier getüpfelt. Wichtig: fast die gesamte Wassermenge sollte zugegeben und Natriumbenzoat vor Zugabe des Säuerungsmittels aufgelöst werden. Andernfalls kann die Löslichkeit der Benzoesäure (cS ˜ 0,29 Prozent) zumindest lokal überschritten sein, so dass sie ausfällt und nur durch Aufkochen des Ansatzes wieder in Lösung gebracht werden könnte.

Aus einem solchen Konzentrat,  beispielsweise mit Leitungswasser, anwendungsfertig verdünnte Dexpanthenol-Lösungen sind wegen des pH-Anstiegs und der Erniedrigung der Konservierungsmittel-Konzentration nicht mehr ausreichend vor mikrobiellem Verderb geschützt. Aus physiologischer Sicht sind diese Veränderungen jedoch für Mundspüllösungen positiv zu werten.

Herstellungstechnisch sind Dexpanthenol-Stammverdünnungen ohnehin vorteilhaft, weil das rezepturmäßige Arbeiten gegenüber der handelsüblich meist zähen Grundsubstanz vereinfacht wird (3). Diese ist zwar sehr leicht, aber nur langsam wasserlöslich. Unter anderem sind Mischungen mit Propylenglycol vorgeschlagen worden. Obgleich mit Beschränkungen (4) auch zur Einnahme zulässig (5, 6), ist Propylenglycol aber – selbst in der nach Verdünnung resultierenden Konzentration – nicht bei allen Anwendungen erwünscht. Es ist unter anderem osmotisch aktiv (isoosmotische Konzentration etwa 2,1 Prozent), schmeckt unangenehm und hat neben einem geringeren allergenen auch ein konzentrationsabhängig irritatives Potenzial (6, 7).

Eine auf etwa pH 6 eingestellte Lösung dürfte sowohl für Dermatika (schwach saurer pH-Wert) als auch für Nasentropfen (eher neutraler pH-Wert) brauchbar sein. In geeigneter, das heißt in ausreichend hoher, aber im Hinblick auf die unerwünschten Wirkungen möglichst geringer Konzentration schließt Propylenglycol mikrobiellen Verderb aus (8), ohne stärkere irritative Lokalwirkungen auszulösen. Dies gilt zumindest bei der Anwendung auf der Haut. Nach der bestimmungsgemäßen Verdünnung sind auch auf den Schleimhäuten kaum nachteilige Effekte zu befürchten. Nach eigenen Untersuchungen reicht trotz des geringen Wasseranteils bei einem 50-prozentigen Dexpanthenol-Rezepturkonzentrat eine 10-prozentige Propylenglycol-Konzentration zur ausreichenden antimikrobiellen Wirkung jedoch nicht aus.

Literatur

(1) N. N., Monographie: Dexpanthenol-Lösung 5 % (NRF 7.3.). In: Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (Hrsg.), Neues Rezeptur-Formularium (NRF), Loseblattsammlung auf dem Stand der 16. Erg. 1999, Govi-Verlag, Frankfurt/Deutscher Apotheker-Verlag, Stuttgart.
(2) Budach, V., Bamberg, M., Behandlung radiogener Haut- und Schleimhautläsionen. Krankenhauspharmazie 10 (1989) 76 – 79.
(3) Daiichi Pharmaceutical Europe, Technical Information: Dexpanthenol 75 % aqueous solution, Stand: 12/96, Düsseldorf.
(4) College ter beoordeling van geneesmiddelen, Propyleenglycol in hoestmiddelen. Pharm. Weekbl. 129 (1994) 688.
(5) Van der Laan, J. W., et al., Toxicologische evaluatie van propyleenglycol als oplosmiddel in hoestmiddelen. Pharm. Weekbl. 129 (1994) 687 – 688.
(6) N., N., Monographie: Propylene glycol. In: Reynolds, J. E. F. (Hrsg.), Martindale. The Extra Pharmacopoeia, 31st Edition, Royal Pharmaceutical Society, London, 1996.
(7) Bäuerle, G., et al., Über die Eignung von Propylenglykol (1,2-Propandiol) als antimikrobiell wirksamer Hilfsstoff für Cremesysteme. Z. Hautkr. 60, (1985) 1203 – 1213.

Anschrift des Verfassers
Dr. Holger Reimann
Neues Rezeptur-Formularium (NRF)
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Carl-Mannich-Straße 20
65760 Eschborn
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