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Rituximab auf Partnersuche

14.06.1999
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-PharmazieGovi-Verlag

Rituximab auf Partnersuche

von Daniel Rücker, Lugano

Der monoklonale chimäre Antikörper Rituximab (Mabthera®) wird seit dem vergangenen Jahr zur Behandlung von Patienten mit follikulärem Lymphom im Stadium III und IV eingesetzt. Klinische Studien deuten darauf hin, daß neben der Monotherapie auch eine Kombination mit Chemotherapeutika effektiv ist.

Rituximab ist ein humanisierter Antikörper, der an das CD20-Antigen von B-Zellen bindet und so deren Eliminierung durch das Immunsystem einleitet. Das CD20-Antigen kommt auf mehr als 95 Prozent der malignen und gesunden B-Zellen vor. Auf B-Zell-Lymphomen werde es besonders stark exprimiert und sei deshalb ein idealer Angriffspunkt für die Immuntherapie, sagte Professor Dr. David Malony, Seattle, auf einem vom Herstellerunternehmen Hoffmann-La Roche initiierten Symposium in Lugano. Auf Vorläuferzellen kommt das CD20-Antigen selten und auf den hämatopoetischen Stammzellen überhaupt nicht vor.

"Monoklonale Antikörper eröffnen einen Weg, Tumorzellen spezifisch zu behandeln," erläuterte Professor Dr. Wolfgang Hiddemann, warum viele Krebsspezialisten große Hoffnung auf Antikörper setzen. Die Nebenwirkungen sind erheblich geringer als bei einer chemotherapeutischen Behandlung. Da die Stammzellen und ein Teil der Vorläuferzellen CD20-frei sind, kann sich die B-Zell-Population nach der Behandlung innerhalb einiger Monate wieder aufbauen. Gleichzeitig dämpfte Hiddemann aber auch die Euphorie. Ob B-Zell-Lymphome mit dem Antikörper geheilt werden können, sei nicht bewiesen.

Bislang ist Rituximab für die Behandlung von B-Zell-Lymphomen nach dem zweiten Rezidiv zugelassen. In klinischen Studien erhielten Non-Hodgkin-Lymphom-Patienten vier bis acht Dosen à 375 mg/m² Rituximab. Die Responderrate lag bei 50 bis 60 Prozent.

Neue Untersuchungen deuten darauf hin, daß Rituximab die klassische Chemotherapie nicht ersetzen wird, sondern ergänzen kann. In einer Studie, an der 100 Patienten mit großzelligem B-Zell-Lymphom teilnahmen, habe die Kombination von Chemotherapeutika mit dem Antikörper (8 Zyklen Chop = Cyclophosphamid, Adriamycin, Vincristin und Prednison plus 8 Zyklen 375 mg/m² Rituximab) besser abgeschnitten als die Chemotherapie allein, berichtete Professor Dr. Bertrand Coiffier, Lyon. Dabei entsprachen die Nebenwirkungen der Kombinationstherapie denen der Chemotherapie. Ob der Effekt bei der Kombination additiv oder synergistisch ist, mochte Coiffier nicht entscheiden. Für eine abschließende Bewertung sei es noch zu früh.

In weiteren Studien will Hoffmann-La Roche jetzt die Grundlage für die Zulassung zur Erstbehandlung mit Rituximab erreichen. Ebenso soll untersucht werden, welche Kombinationstherapien besonders effektiv sind. Neben der Kombination mit Chemotherapeutika setzt das Unternehmen auch auf Interferon-alpha als Therapiepartner.

Ein großes Problem für die Akzeptanz des Antikörpers bei Ärzten sind nach Angaben von Roche die Therapiekosten. Die Produktion humanisierter Antikörper ist extrem aufwendig und teuer. Da Rituximab nach seiner Expression in der Zelle modifiziert werden muß, scheiden Bakterien als Produzenten aus, ihnen fehlen die für die Modifikation notwendigen Enzyme. Der Antikörper wird deshalb in einer Kultur aus Hamster-Ovarialzellen hergestellt. Kulturen von Säugetierzellen sind jedoch um ein Vielfaches teurer als Bakterienkulturen. Top

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