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10.11.1997
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PZ +++ Nachrichten +++10.11. Kartellamt prüft Beitragsanstieg bei PKV
Die privaten Krankenversicherungen wollen nach eigenen Angaben ihre Beiträge zum Jahreswechsel nicht gemeinsam um fünf Prozent anheben. Sollten einzelne private Krankenversicherer ihre Beiträge erhöhen, so könne dies schon wegen der unterschiedlichen Kalkulationsmethoden nur "höchst unterschiedlich" ausfallen, erklärte der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) am Montag in Köln. Der Dachverband dementierte damit einen Bericht der "Welt am Sonntag", wonach die 14 Millionen Versicherten der Privatkassen zum Jahreswechsel flächendeckend eine Beitragserhöhung um fünf Prozent zu erwarten hätten. Die Zeitung hatte berichtet, die Unternehmen der Branche wollten diesmal offenbar darauf verzichten, sich gegenseitig mit vorübergehend unterschiedlichen Beitragssätzen Kunden abzuwerben. Das Bundeskartellamt in Berlin kündigte unterdessen eine Überprüfung der Prämiengestaltung bei den privaten Krankenversicherungen an. Man habe aber bisher keine Anhaltspunkte dafür, daß diese ihre Beitragssätze im Gleichschritt anheben wollten, sagte Amtssprecherin Elke Zeise am Montag auf Anfrage.

10.11. Thomae mit schlechterem Ergebnis
Bei der Dr. Karl Thomae GmbH, Biberach, hat sich das Ergebnis 1996 deutlich verschlechtert. Der zu Boehringer Ingelheim gehörende Pharmahersteller weist laut Pflichtveröffentlichung ein auf 15,18 (23,05) Millionen DM gesunkenes Betriebsergebnis aus. Das Finanzergebnis verschlechterte sich auf minus 20,37 (minus 19,20) Millionen DM und das Beteiligungsergebnis auf 22,86 (34,832) Millionen DM. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit hat sich auf 17,66 (38,69) Millionen DM mehr als halbiert, an die Muttergesellschaft C. H. Boehringer Sohn wurden nur noch 9,31 (20,212) Millionen DM Gewinn abgeführt. Die Ergebnisverschlechterung wurde durch höhere Zuführungen zu den Personalrückstellungen beeinflußt. Das besondere Augenmerk habe der Fortführung der 1995 begonnen Maßnahmen zur umfassenden Restrukturierung des Unternehmens, zur Konsolidierung des Pharmageschäfts in Deutschland und zur Verbesserung der Kostenstrukturen gegolten.

10.11. Antiemese: Prophylaxe bei Chemotherapie
Die Kombination eines 5-HT3-Antagonisten (Setron) mit einem Corticosteroid stellt heute den Goldstandard der antiemetischen Therapie am Tag einer Chemotherapie dar. Diese Primärprophylaxe ist indiziert bei allen moderat bis hochemetogenen Therapieregimen, sagte Privatdozent Dr. Andreas du Bois, Karlsruhe, vor der Fachpresse. Nach Empfehlungen einer Consensus-Conference zählen alle Platin-haltigen Regimes sowie Kombinationen mit Anthracyclinen und intravenösem Cyclophosphamid zu den Setron-Corticoid-pflichtigen Chemotherapien. Eine Monotherapie mit Ondansetran, Granisetron, Tropisetron oder Dolasetron sei hier nicht mehr gerechtfertigt. Die Kombination hilft etwa 75 Prozent der Patienten mit hochemetogener und etwa 90 Prozent der Patienten, mit moderat emetogener Therapie.

10.11. Neue Therapie für Asthmakranke
Eine neue Therapie mit Leukotrien-Hemmern kann nach Ansicht von Wissenschaftlern den rund vier Millionen Asthmakranken in Deutschland Erleichterung verschaffen. Diese Medikamente machen Asthmatiker unempfindlicher gegen Anfälle, sagte der Leiter der Klinik für Innere Medizin an der Universität Jena, Claus Kroegel, am Montag in Bonn. Die Verengung der Lunge bei Asthmaanfällen werde häufig von Leukotrienen verursacht, die der Körper selbst bei Schmerzen und Fieber ausschüttet. Die Hemmer können Leukotriene unschädlich machen. Vor allem den 250.000 Asthmapatienten, die ständig mit hohen Dosen Cortisol behandelt werden müßten, könne so geholfen werden, sagte der Ärztliche Direktor der Hochgebirgsklinik Davos, Michael Schmitz. Derzeit würden etwa 70 verschiedene Leukotriene-Hemmer erprobt, erklärte Schmitz. Einige würden schon seit fast eineinhalb Jahren in elf Ländern ohne nennenswerte Nebenwirkungen angewandt. In Deutschland sei mit der Zulassung der Präparate erst Ende des nächsten Jahres zu rechnen, sagte Kroegel. Einige hundert Patienten würden allerdings schon aus dem Ausland mit den Medikamenten versorgt.

7.11. Madaus will an die Börse
Der Kölner Arzneimittelhersteller Madaus will 1998 an die Börse gehen. „Die Vorbereitungen laufen bereits auf Hochdruck", bestätigte Peter Zillig, Sprecher der Madaus AG, am Freitag in Köln. "Ich denke, daß wir voraussichtlich im Herbst nächsten Jahres soweit sind." Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte in seiner Freitagausgabe berichtet, das Stammkapital des Familienunternehmens solle durch den Börsengang von derzeit 65 Millionen DM auf mindestens 265 Millionen DM wachsen. Das Traditionsunternehmen, das an seinem Stammsitz Köln rund 800 Mitarbeiter beschäftigt, war 1989 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt worden. Die Anteile sind jedoch bislang ausschließlich in Familienbesitz. Madaus erzielte im vergangenen Jahr mit seinen Auslandstöchtern einen Umsatz von rund 600 Millionen DM.

7.11. Blutkrebs durch Virus
Ein unbekannter Krankheitserreger ist nach Erkenntnissen britischer Forscher für das erhöhte Krebsrisiko von Kindern verantwortlich, deren Väter in Atomanlagen arbeiten. Die Gefahr, an Leukämie und Non-Hodgkin-Lymphomen zu erkranken, sei um 77 Prozent erhöht, berichten Wissenschaftler der Universität Oxford im "British Medical Journal" (Bd. 315, 5, 1181) am Freitag. Die Strahlenbelastung der Väter sei für die Krebsfälle der Kinder jedoch nicht verantwortlich. Die Forschungsergebnisse unterstützten vielmehr die bislang umstrittene These, daß ein noch nicht identifizierter, infektiöser Krankheitserreger die Ursache ist. Die Wissenschaftler führen das erhöhte Risiko auf eine spezielle Bevölkerungsmischung im Umkreis von Kernkraftwerken zurück. Die Belegschaft von Atomanlagen stamme oft aus verschiedenen Regionen und würde zum Anlagenbau häufig in ländlichen und zuvor isolierten Gegenden eingesetzt. Auf diese Weise hätten sie "ungewöhnlich große Möglichkeiten", mit anderen Bevölkerungsteilen zusammenzukommen: Das könne die Verbreitung von krebserregenden Infektionen begünstigen. Einen Hinweis auf Ubertragungen von Leukämie und Non-Hodgkin-Lymphomen von Erwachsenen auf Kinder habe es bereits in verschiedenen Studien gegeben.

07.11. Neue Galenik für Ondansetron
Die Serotonin-(5HT3)-Antagonisten Ondansetron, Granisetron, Topisetron und neuerdings Dolasetron werden unter anderem zur antiemetischen Begleittherapie bei der Chemotherapie von Tumoren eingesetzt. Als Goldstandard der Antiemese am Tag der Chemotherapie gilt die Kombination eines "Setrons" mit einem Glucocorticoid, meist Dexamethason. Eine neue Arzneiform könnte auch Patienten mit Schluckbeschwerden eine perorale Therapie mit Ondansetron ermöglichen. Der Arzneistoff ist in ein schnell zerfallendes Plättchen eingearbeitet, das sich innerhalb von Sekunden im Mund auflöst. Die konzentrierte Wirkstofflösung wird mit dem Speichel verschluckt. Es findet keine buccale Resorption statt. Die Zulassung für die neue Arzneiform (Zofran Zydis®, Glaxo Wellcome) ist nach Firmenaussagen beantragt.

07.11. Härteklausel: Einigung der Tarifpartner
Der Arbeitgeberverband Deutscher Apotheken (ADA) und der Bundesverband der Angestellten in Apotheken (BVA) haben Ende Oktober den Bundesrahmenvertrag für Apothekenmitarbeiter um eine Härteklausel erweitert, die rückwirkend am 1. September 1997 in Kraft tritt. Die Härteklausel ermöglicht den Apothekenleitern bei einem Umsatzrückgang von mindestens 12 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz des Vorjahres, die Tarifgehälter der Mitarbeiter über einen klar definierten Zeitraum um bis zu 10 Prozent zu senken. Die Härteklausel gilt zunächst bis Ende Dezember 1998.

05.11. Kein höherer Arzneiverbrauch im Osten
Nach Berechnungen des Apothekerverbandes Brandenburg sind die höheren Ausgaben zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in den Ostdeutschen Bundesländern ausschließlich strukturell bedingt. Die jüngst vom Bundesministerium für Gesundheit veröffentlichte Statistik verzeichnet für Ostdeutschland um 13 Prozent höhere GKV-Arzneimittelausgaben je Versichertem. Der Apothekerverband Brandenburg sieht darin allerdings kein Indiz für einen übermäßigen Arzneimittelverbrauch in Ostdeutschland. So seien allein 6 Prozent des Mehrverbrauchs durch den höheren Rentneranteil in Ostdeutschland begründet. Ein weiteres Prozent der höheren Ausgaben resultiere aus der in Ostdeutschland größeren Zahl von Versicherten, die von der Zuzahlung befreit sind. Hinzu komme die durch das geringere Durchschnittseinkommen begründete spärliche Selbstmedikation im Osten der Republik. In der Summe stünden damit den Mehrausgaben von 13 Prozent "nachrechenbare Minderverbräuche von 17 Prozent" gegenüber. Daraus resultiere in der Summe ein um 4 Prozent geringerer Verbrauch in Ostdeutschland gegenüber dem Westen, so das Fazit des Apothekerverbandes Brandenburg.

05.11. Gesetz gegen Alkoholwerbung möglich
Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat erneut eine Einschränkung der Fernsehwerbung für Alkohol und Nikotin gefordert. Sie habe "ein unerträgliches Maß" erreicht, sagte Seehofer der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Bei Versuchen, Fernsehintendanten zu einer Selbstbeschränkung zu bewegen, sei sein Ministerium "streckenweise einer unwahrscheinlichen Arroganz" begegnet, klagte Seehofer. Wenn die Werbung aber nicht auf ein Erträgliches Maß herabgefahren werde, werde er ein einschränkendes Gesetz fordern.

05.11. Antiallergika werden rezeptpflichtig
Mehrere sehr häufig angewendete Anti-Allergie-Medikamente soll es künftig nur noch auf Rezept geben. Gesundheitsministerium bestätigte am Mittwoch einen Bericht der "Bild"-Zeitung. Eine entsprechende Verordnung des Ministeriums muß allerdings vom Bundesrat noch gebilligt werden. In Kraft treten soll die seit längerem angestrebte Regelung zum 1. Januar 1998. Betroffen sind Antihistaminika mit den Wirkstoffen Astemizol und Terfenadin. Sie stehen im Verdacht, daß es bei falscher Anwendung in Einzelfällen zu tödlichen Nebenwirkungen kommen kann. Nach den Daten des Gesundheitsministeriums soll es bei der Selbstmedikation mit den Allergie-Präparaten allein in Deutschland in rund 300 Fällen zu Komplikationen wie Herzrhythmus-Störungen und Kammerflimmern gekommen sein, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Einnahme der Arzneien stehen. Dabei wurden auch zwei Todesfälle registriert. Betroffen von der Verordnung sind das astemizolhaltige Medikament Hismanal sowie die Terfenadin-Präparate Fomos, Hisfedin, Histaterfen, Logomed, Teldane, Terfedura, Terfemundin, Terfenadin, Terfen-Diolan, Terfium und Vividrin-Tabletten mit Terfenadin.

05.11. Forscher ersetzen krankes Gehirngewebe
Britische Forscher haben in Tierexperimenten beschädigtes Gehirngewebe durch gesundes ersetzen können. Die Technik biete langfristig Therapiemöglichkeiten für Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson und Chorea Huntington, sagte Professor Jeffrey Gray vom Londoner Maudsley Krankenhaus der dpa am Mittwoch. Klinische Versuche mit Menschen sollen in drei Jahren beginnen. Bis zur Entwicklung von Behandlungsmethoden für Krankheiten wie Alzheimer werden den Angaben zufolge jedoch noch 10 bis 20 Jahre vergehen. Die Wissenschaftler haben bei Ratten künstlich Infarkte erzeugt, so daß die Tiere ihr Erinnerungsvermögen sowie kognitive Fähigkeiten verloren. Dann wurden ihnen embryonale Gehirnzellen von Mäusen injiziert. Die Ratten erholten sich nach Angaben der Forscher vollständig und waren wieder in der Lage, komplexe Aufgaben zu lösen. Zahlreiche Tests hätten belegt, daß die injizierten Zellen zu den beschädigten Zellen gewandert seien und dort die Funktionen der toten Zellen übernommen hätten. Die Forscher erwarten, daß beim Menschen ähnliche Reaktionen ablaufen würden. Es gehe bei der Forschung um die Wiederherstellung von Hirnfunktionen, nicht um die Verbesserung des Gehirns, sagte Gray mit Blick auf ethische Fragen bezüglich möglicher Manipulationen am Denkorgan. Das Forscher-Team hat nach eigenen Angaben außerdem einen Weg gefunden, fetale Gehirnzellen im Labor zu züchten und so unabhängig von abgetriebenen Feten zu werden.Top

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