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24.07.2000  00:00 Uhr

PZ - NACHRICHTEN
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Streptokokken verursachen Herzerkrankungen
04.10. dpa Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig haben entdeckt, dass als harmlos geltende Bakterien schwere Herzerkrankungen verursachen können. Streptokokken der Gruppen C und G sind demnach nicht nur die Ursache für Infektionen im Rachenraum, sondern können als Spätfolge auch lebensbedrohliche rheumatische Herzerkrankungen auslösen. Bisher habe die Aufmerksamkeit von Medizinern nur den Streptokokken der Gruppe A gegolten, die auffällige Krankheitsbilder wie Scharlach oder Mandelentzündungen hervorrufen. Doch auch die Gruppen C und G, die für Rachenentzündungen fast ohne Symptome verantwortlich sind, seien heimtückisch. Wegen der möglichen Spätfolgen sollten auch hier rechtzeitig Antibiotika eingesetzt werden. Die Wissenschaftler sind den gefährlichen Erregern durch Untersuchungen an Aborigines in Nordaustralien auf die Spur gekommen. Sie weisen weltweit eine der höchsten Raten an rheumatischen Herzkrankheiten auf. Nach Auskunft der GBF ist davon auszugehen, dass die Erreger in Mitteleuropa kein großes Problem darstellen. Sie bräuchten zum Überleben außerhalb des menschlichen Körpers höhere Temperaturen.

Pakt für mehr Rechtssicherheit
04.10. dpa Einen umfassenden Pakt für mehr Rechtssicherheit haben Mediziner, Klinikträger und Verbände der pharmazeutischen und der medizintechnischen Industrie geschlossen. Ziel der Vereinbarung sei es, nach Jahren der Ungewissheit endlich Rechtssicherheit zu schaffen, um Innovationen und den medizinischen Fortschritt zu gewährleisten, erklärten die beteiligten Verbände am Mittwoch in Düsseldorf. Damit sei ein wichtiger Grundstein für die "forschungs- und gesundheitspolitisch unabdingbare Kooperation von Krankenhäusern, Ärzten und Industrie" gelegt. Geregelt werde künftig die strafrechtliche Bewertung der Zusammenarbeit zwischen Industrie, medizinischen Einrichtungen und deren Mitarbeitern etwa auf dem Gebiet der klinischen Forschung oder bei der Unterstützung der Fort- und Weiterbildung von Ärzten.

Hypnose erleichtert medizinische Eingriffe
04.10. dpa Hypnose kann die Angst vorm Zahnarzt nehmen und Rauchern helfen, auf den Griff zum Glimmstängel zu verzichten. Darauf haben Experten in München zum Auftakt des 15.Internationalen Kongresses für Hypnose hingewiesen. Hypnose wird aber auch zunehmend als nicht-pharmakologische Hilfe bei schweren medizinischen Eingriffen eingesetzt. Nach einer neueren Studie mit 241 Testpersonen nahm bei Patienten, die ein Training in hypnotischer Entspannung bekommen hatten, die Angst im Verlauf der Eingriffe schneller ab als bei Kranken ohne solches Training. Die Hypnose-Patienten litten auch deutlich weniger unter Schmerzen, hieß es. Sie brauchten zudem nur halb so viele Arzneimittel wie Kranke mit medizinischer Standardversorgung. Außerdem litten die Hypnose-Patienten nach den schweren Eingriffen auffällig wenig unter Kreislaufproblemen. Bei dem Kongress wurde betont, dass Hypnose nicht auf Einbildung beruhe. Mit speziellen Verfahren zur Aktivitätsmessung des Gehirns sei nachgewiesen worden, dass Hypnose vielmehr im Gehirn Veränderungen produziere, die dann von den Hypnotisierten als veränderte Wahrnehmung geschildert würden. Allerdings wirke Hypnose nur bei 90 Prozent der Menschen.

Essex gewinnt mit Infliximab PZ-Innovationspreis
02.10. PZ Mit ihrem Innovationspreis hat die Pharmazeutische Zeitung in diesem Jahr das Unternehmen Essex Pharma ausgezeichnet. Gewinner ist der TNF-alpha-Antagonist Infliximab, der unter dem Handelsnamen Remicade® seit kurzem zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und Fisteln bei Morbus Crohn zur Verfügung steht. PZ-Chefredakteur Dr. Hartmut Morck überreichte die Auszeichnung am Samstag zum Auftakt des Expopharm-Kongresses in Köln an Dr. Otto Schwarz und Dr. Wolfgang Thriene von Essex Pharma, München. Die Jury unter Vorsitz des Heidelberger Pharmakologen Professor Dr. Ulrich Schwabe habe es in diesem Jahr nicht leicht gehabt, sich zu entscheiden, berichtete Morck. Denn insgesamt kamen in den vergangenen zwölf Monaten immerhin 29 neue Arzneistoff auf den Markt, darunter zum Beispiel mit Etanercept, Leflunomid und den COX-2-Hemmern auch andere echte Innovationen.

Gezielter Einsatz von Benzodiazepinen gewünscht
02.10. PZ. Die Probleme in der Behandlung schlafloser Menschen lägen nicht an einem Mangel an Arzneimitteln, sondern am wenig sachgerechtem Umgang damit. So die Einschätzung von Professor Dr. Walter E. Müller, Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Frankfurt, auf einer Pressekonferenz von ICN Pharmaceuticals Germany GmbH in Frankfurt. Innerhalb der Substanzklasse der Benzodiazepine stünden eine Reihe von Präparaten mit unterschiedlichem Wirkprofil zur Verfügung. Es hapere jedoch an ihrem gezielten Einsatz. Bei der Auswahl des geeigneten Benzodiazepins sind nach den Ausführungen Müllers zwei Kriterien zu beachten: die Dosis und die pharmakokinetischen Eigenschaften. Bei letzterem sind die Anflutung im Gehirn und die Eliminationsgeschwindigkeit von Bedeutung. Sind die Schlafstörungen nur schwach ausgeprägt und ist eine Tageswirkung nicht erwünscht, empfahl Müller kurz wirksame Benzodiazepine wie Temazepam (zum Beispiel Remestan®) oder Lormetazepam (zum Beispiel Loretam®), die in niedriger Dosierung zum Einsatz kommen sollten. Temazepam und Lormetazepam bewirkten keinen Hangover. Diese Substanzen sind beispielsweise auch indiziert bei älteren Patienten, die nachts häufiger auf Toilette müssen. Bekämen sie Benzodiazepine, die länger wirken, liegt die Gefahr nahe, dass der Betroffene auf Grund der Sedation gangunsicher wird und stürzt. Präparate mit langsamer Eliminationshalbwertszeit und damit verbundener Kumulation sollte man nur verabreichen, wenn ein gewisser Überhang der Benzodiazepinwirkung in den nächsten Tag erwünscht ist. Dies kann beispielsweise bei psychiatrischen Patienten sinnvoll sein, um eine angstlösende Wirkung und möglicherweise auch eine gewisse Sedation zu erreichen. Damit verbundene Nachteile: Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit lassen nach. Nitrazepam (zum Beispiel Mogadan®) ist beispielsweise ein Benzodiazepin, das "zu mittlerer Kumulation neigt", informierte Müller. Dagegen ist Flurazepam (zum Beispiel Dalmadorm®) auf Grund seiner wirksamen Metabolite eine Substanz, die viel deutlicher und sehr ausgeprägt kumuliert.

Forscher erwartet Impfstoff gegen Marburg-Virus
02.10. dpa. Seuchen-Experten sind einem Impfstoff gegen das hochgefährliche Marburg-Virus auf der Spur. Es zeichne sich ab, dass ein wirkungsvoller Impfstoff gegen den Krankheitserreger gefunden werde, sagte der Direktor des Instituts für Virologie, Hans-Dieter Klenk, in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Marburg. Zudem hätten amerikanische Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den bislang unbekannten Ursprung des Marburg-Virus gewonnen. Klenk hält das Marburg-Virus für "einen der gefährlichsten Krankheitserreger, den wir kennen". Zwischen 80 und 90 Prozent der infizierten Menschen würden an dem Virus sterben. Seit rund einem Jahr sei in der Demokratischen Republik Kongo das Virus ausgebrochen. Es seien überwiegend Bergleute in illegalen Goldminen befallen seien. "In den Minen muss der Ausgang der Infektion zu finden sein", meinte Klenk. Als Träger des Erregers kämen Fledermäuse oder Nagetiere in den Höhlen in Betracht. "Es wäre ein Durchbruch, diesen natürlichen Wirt zu identifizieren", berichtet der Virologe. Dem Impfstoff gegen das Marburg-Virus sind Mediziner mit Hilfe der Gentechnik auf der Spur. "Damit haben wir ein Handwerkszeug, mit dem wir bestimmte Gene im Virus ausschalten können." Anschließend könne festgestellt werden, ob der Erreger mit der veränderten Erbsubstanz noch tödlich sei. Mit diesem Wissen sei die Entwicklung eines Impfstoffs möglich.

Diensleistungen für eine optimale Versorgung
29.08. PZ. Die richtige Antwort auf die leidige Vertriebswegediskussion sind pharmazeutische Leistungsangebote an Patienten, Ärzte und Krankenkassen. Dr. Frank Diener, Geschäftsführer Wirtschaft und Soziales bei der ABDA, sieht darin eine große Chance, die Arzneimitteltherapie im Rahmen des bestehenden Systems zu verbessern. Im ersten Arbeitskreis des Apothekertages in Köln stellte er die Angebote der Apotheker vor. Wie Diener ausführte, kommen die Mediziner bei der Verordnung von Generika in immer größere Probleme. Obwohl die Kassenärzte unter großem Budgetdruck stehen, schöpfen sie das Potenzial nur zu 69 Prozent aus. Wenn die Apotheker das Recht zur Aut-idem-Abgabe erhiehlten, könnten sie den Ärzten durch ein professionelles Generikamanagement helfen, sagte Diener. Der Vorteil: Die Ärzte müssten sich nicht mehr um die Details des sich ständig ändernden Generikamarktes kümmern und die Patienten erhielten immer das gleiche Präparat. Den zähen Datenfluss im Gesundheitswesen will die ABDA beschleunigen, indem sie Ärzten und Krankenkassen gestattet, auf die Daten der Apothekenrechenzentren zurückzugreifen. Dadurch könne die Dauer von der Verordnung beim Arzt bis zur Übermittlung der Daten dieses Rezeptes an die Kassenärztliche Vereinigung von ein bis zwei Jahren auf höchstens zwei Monate verkürzt werden.

Pharmazeutische Betreuung auf dem richtigen Weg
29.08 PZ. Zahlreiche Studien und Untersuchungen haben belegt: Die Pharmazeutische Betreuung ist effektiv. Sie verbessert Gesundheitszustand, Lebensqualität, Wissen, Einstellungen und Fertigkeiten der Patienten. Dies betonte Dr. Martin Schulz von der ABDA im Arbeitskreis 2 bei der Hauptversammlung. "Wir sind auf dem richtigen Weg", meinte auch BAK-Präsident Dr. Hartmut Schmall, der den Arbeitskreis leitete. Jetzt müsse die Pharmazeutische Betreuung qualitätsgesichert in die Praxis umgesetzt werden. Zertifizierte Schulung der Apotheker und ein bundesweites Folgeprojekt zur Asthma-Studie in Hamburg sind vorgesehen. Doch Politik und Krankenkassen erwarten jetzt den Beleg der gesundheitsökonomischen Effizienz dieser Maßnahmen. Dringend nötig sei dabei die Zusammenarbeit mit Ärzten und Krankenkassen, unterstrich Schulz. Ein entsprechender ABDA-Antrag wurde nach intensiver Diskussion angenommen. Zu den Basiselementen der Pharmazeutischen Betreuung zählte Schulz Medikationsdatei und -profil, das Erfassen therapierelevanter Patientenmerkmale und die Aufdeckung und Lösung arzneimittelbezogener Probleme des Patienten. Die CAVE-Module der ABDA-Datenbank bieten dabei wertvolle Hilfe. Ebenso gehören Anleitung zum Selbstmonitoring und Dokumentation der apothekerlichen Leistung zum Basispaket der Betreuung.

Betriebskrankenkassen für Internet-Apotheken
29.08. dpa. Die Betriebskrankenkassen (BKK) haben sich für die Zulassung des Arzneimittelhandels im Internet ausgesprochen. Dies könne erhebliche Kosten bei Arzneien sparen. Für die Internet-Apotheken müssten aber die gleichen Qualitätsstandards wie für normale Apotheken gelten, verlangte der BKK-Bundesverband am Freitag in Berlin. So müssten für Medikamente, die nach Deutschland gehen, auch die deutschen Zulassungs- und Abgaberegeln gelten. Zudem seien umfangreiche Bestimmungen zum Datenschutz notwendig. Laut BKK- Bundesverband werden in den USA bereits rund 13 Prozent aller Arzneimittel über das Internet vertrieben.

Pharmazeutisches Wissen muss allen nützen
29.08. PZ. Gesetzgeber, Bundesregierung und die Apothekerschaft wollen das gleiche: Verbraucher- und Gesundheitsschutz in einem Gesundheitswesen, das auch morgen noch bezahlbar ist. Das ist die politische Botschaft von ABDA-Präsident Hans-Günter Friese, die er in seiner Grundsatzrede zur Eröffnung des Deutschen Apothekertages 2000. Von grundsätzlicher Bedeutung für die Apothekerschaft sind das Anforderungsprofil, das die Gesellschaft vom Berufsstand erwartet sowie die politischen Rahmenbedingungen, die den Alltag bestimmen. Die Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erwarten zu Recht eine optimale Arzneimittelversorgung im Krankheitsfall, so der ABDA-Präsident. Eine verantwortungsvolle Politik und die Selbstverwaltung müssen sich daran orientieren. Den Leistungsumfang der Gesundheits- und Arzneimittelversorgung habe der Gesetzgeber im Sozialgesetzbuch V vorgegeben. "Das ist für mich ein klarer Verweis auf Meinung und Ratschlag von Experten im Gesundheitswesen", dem Arzt obliege Diagnose- und Therapiesicherheit, der Industrie die Produktsicherheit und den Apothekern die Anwendungssicherheit. Gerade die Anwendungssicherheit werde nach Frieses Auffassung in der gesundheitspolitischen Diskussion aber noch vernachlässigt.

Keller: Budgets durch Richtgrößen ersetzen
28.09. PZ. Das Arzneimittelbudget verursacht immer größere Verwirrung. Meldungen über seine Einhaltung oder Überschreitung wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Viele Zahlen, die in den Medien auftauchen, entsprechen jedoch nicht den Daten der Apotheker. Auf der Eröffnung der Expopharm forderte deshalb der Vorsitzende des Deutschen Apothekerverbandes, Hermann Stefan Keller, "das bestehende System der Arznei und Heilmittelbudgets durch ein System budgetablösender Richtgrößen zu ersetzen". Bei den Vertretern der pharmazeutischen Industrie und dem Großhandel stieß sein Vorschlag auf viel Sympathie. Richtgrößen müssten ausnahmslos alle ärztlich veranlassten Leistungen gleichförmig erfassen, sagte Keller. Eine Diskriminierung einzelner Leistungsarten müsste in jedem Fall vermieden werden. In einem solchen System würde sich die Arzneimitteltherapie als preisgünstigste Therapieform durchsetzen. Alternativen Distributionsformen erteilte der DAV-Chef erneut eine Absage. An eine Reduktion der Kosten durch Versand oder Kettenapotheken glaubt er nicht: "Es ist keine empirische Evidenz dafür zu finden, dass Systeme mit Ketten- oder Versandapotheken besser lägen."

Pieck: Zeitgeist tobt durch Gassen der Politik
28.09. PZ. Zusammenhalt und Solidarität sind mehr denn je gefragt - innerhalb des Berufsstandes, zwischen den Mitgliedsorganisationen der ABDA und innerhalb der ABDA-Gremien, erklärte Dr. iur. Johannes Pieck, Sprecher der ABDA-Geschäftsführung. Pieck erstattete der Hauptversammlung der Deutschen Apotheker zum letzten Mal den Geschäftsbericht. Im Januar 2001 geht der Verbandsjurist in den Ruhestand. Pieck, der über 30 Jahre in den Diensten der ABDA steht, gab die Begründung für die Formulierung "mehr denn". Dem System der Arzneimittelversorgung drohen von allen Seiten Gefahren. Die Spitzenverbände der Krankenkassen wollen eine Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes sowie die Zulassung des Versandhandels für Arzneimittel. Dem werde die ABDA auch weiter mit ordnungspolitischen Argumenten und dem Nachweis der Effizienz des geltenden Systems begegnen. Pieck konstatierte, dass sich die ABDA heute mit teilweise diffusen politischen Tendenzen auseinandersetzen müsse, die sich mit dem Satz "Soviel Freiheit und Wettbewerb wie möglich und so viel Reglementierung wie nötig" nur unvollkommen beschreiben ließen. Er vermisse Stabilität und Verlässlichkeit. "Der Geist weht, wo er will, aber was da manchmal durch die Gassen der Gesundheitspolitik tobt, ist wohl eher der Zeitgeist", so Pieck.

Wenige warme Worte von der Ministerin
28.09. PZ. Die Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer kam nicht zum Apothekertag, um ihren Gastgebern Honig um den Bart zu schmieren. In den meisten Punkten unterscheiden sich ihre Vorstellungen von den Reformen im Gesundheitswesen erheblich von denen der Apotheker. Auf konkrete Aussagen, inwieweit sich die anstehenden Veränderungen auf die Apotheker auswirken werden, wollte sich die Ministerin in ihrer Rede zur Eröffnung des Deutschen Apothekertages nicht einlassen. Dies gilt auch für den Handel mit Arzneimitteln über das Internet. Das neue Medium sei zu dynamisch, um heute eine verlässliche Prognose über die Entwicklung des E-Commerce abzugeben, sagte Fischer. Zurzeit sei der Vertrieb von Arzneimitteln über das Netz mit erheblichen Risiken behaftet. Doch langfristig werden die Verbraucher entscheiden, ob sie Arzneimittel lieber in einer Online-Apotheke bestellen wollen. Die Ministerin forderte die Apotheker auf, sich mit eigenen Konzepten diesem Wettbewerb zu stellen. Prinzipiell sei der E-Commerce mit dem Endverbraucher nicht ausgeschlossen. Sie lud die Apotheker ein, in einem gemeinsamem Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium über die Erfahrungen mit Versandhandel via Internet in den angelsächsischen Ländern zu diskutieren.

Friese: Mit Kompetenz in die Zukunft
27.09. PZ. "Pharmazeutische Kompetenz ist eine tragende Säule in unserem Gesundheitswesen", erklärte ABDA-Präsident Hans-Günter Friese in der Auftakt-Pressekonferenz zum Deutschen Apothekertag 2000 in Köln. Als pharmazeutische Leistungsgemeinschaft stelle sich der Berufsstand den Herausforderungen. Vom Apothekertag sollen Signale für die Zukunftsarbeit ausgehen. Eine der größten Herausforderungen seien eine Anzahl von Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen, so die bedrohliche Tendenz zur Amerikanisierung der Versorgungsstrukturen. Auch das Arzneimittelbudget könne wieder für einen heißen Herbst sorgen, wenn die Ärzte mit einem neuen Notprogramm ihre Patienten verunsichern. Unseriösen Akteuren im Internet will die Apothekerschaft nach Frieses Worten demnächst ein öffentliches Gesundheitsportal mit attraktiven Informationsangeboten für Patienten und Verbraucher errichten. Eine ausreichende Arzneimittelversorgung gehöre zu den Rechten der Patienten. Wenn gleichzeitig die Arzneimittelkosten wirksam und patientengerecht gesteuert werden sollen, müsse das Arzneimittelbudget abgeschafft und statt dessen auf pharmazeutische Beratung von Ärzten und Patienten gesetzt werden. Der Berufsstand wolle an bewährten Strukturen festhalten und notwendige Erneuerungen aktiv einbringen, so der ABDA-Präsident. "Das ist die Integration, die wir brauchen." Der Deutsche Apothekertag 2000, der heute eröffnet wird und bis zum 30. September dauert, steht unter dem Motto "Kompetenz zeigen, Verantwortung tragen, Nutzen bieten".

Expopharm erstmals mit eigener Grünfläche
27.09. PZ. Zum ersten Mal ist ab heute Köln Gastgeber der internationalen pharmazeutischen Fachmesse Expopharm. Insgesamt 459 Aussteller aus Deutschland, Europa und Übersee präsentieren bis einschließlich Sonntag auf rund 19.500 qm Fläche ihr Angebot. Fast ein neuer Rekord, betonte Gregor Ulrich, Cheforganisator und Geschäftsführer der Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutscher Apotheker, zur PZ. Nur an der Expopharm in München hätten sich bislang mehr Aussteller beteiligt. Die Expopharm wartet in diesem Jahr mit einem anderen Highlight auf. In Halle 13/1 wurde auf über 200 qm ein kleiner Apothekergarten angelegt. Hier können die Besucher nicht nur ihre Botanikkenntnisse auffrischen und sich über die 100 wichtigsten Arzneipflanzen informieren, sondern auch eine Verschnaufpause vom Messestress einlegen. Bereits zum vierten Mal gibt es auf der Kölner Expopharm eine Jobbörse - das geeignete Forum für Unternehmen, die sich nach einem neuen Mitarbeiter umschauen möchten. Die Schwerpunkte der Ausstellung liegen in diesem Jahr erneut im Bereich Selbstmedikation, Apotheken-EDV, Einrichtungen und Ergänzungssortiment. Auf Grund der günstigen Lage der Metropole am Rhein und den guten Verkehrsanbindungen rechnen die Messeorganisatoren in diesem Jahr mit mehr als 20.000 Besuchern.

Projekt zur Demenzprävention gestartet
27.09. PZ. Auf acht Jahre ist ein Modellprojekt der AOK Bayern im Landkreis Ebersberg angelegt, bei dem sich Ärzte, Apotheker, die TU München, die Kreisklinik Ebersberg, die KV und der Verein Invade erstmals gemeinsam engagieren. In der "Interventionsstudie zu vaskulären Hirnerkrankungen und Demenz im Landskreis Ebersberg" sollen vaskuläre Risikofaktoren für Schlaganfall und Demenz konsequent erfasst und behandelt werden. Ziel des von Ratiopharm und Bayer Vital unterstützten Modells ist die Reduktion dieser Ereignisse, die allzu oft in die Pflegebedürftigkeit führen. Ganz wesentlich sei der Einsatz von Leitlinien, sagte Robert Schurer, stellvertretender Direktor der AOK Bayern, am 26. September vor der Presse. Leitlinien trügen zur Qualitätssteigerung der medizinischen Versorgung bei und seien wichtiger Bestandteil neuer integrierter Versorgungsformen. Die Apotheker erwarten, dass der Modellversuch neue Wege der Pharmazeutischen Betreuung aufzeigen wird, sagte Thomas Benkert, Vorstandsmitglied des Bayerischen Apothekerverbandes. Spezielle Rezepte und extra gekennzeichnete Arzneimittelpackungen sollen den Patienten sensibilisieren und eine optimale Dokumentation garantieren.

Selbstmedikation in Apotheken nimmt zu
26.09. PZ. "Die Selbstmedikation spielt im Markt rezeptfreier Arzneimittel eine zunehmend wichtige Rolle". Dies stellt IMS Health in einer Pressemeldung fest, in der sie das Ergebnis ihres OTC-Berichts für das erste Halbjahr 2000 vorstellt. Danach wurde in allen Vertriebskanälen (Apotheken, Drogerie- und Verbrauchermärkte, Discounter) ein Umsatzwachstum von 8,2 Prozent auf 4,1 Milliarden DM in den ersten sechs Monaten erzielt. Nach Menge ergab sich ein Plus um 6,2 Prozent auf 345,4 Millionen Packungen. Der Gesamtmarkt (einschließlich Verordnungen) stagnierte dagegen bei einem Umsatz von 7,1 Milliarden DM (minus 1,3 Prozent) zu Endverbraucherpreisen beziehungsweise einem Absatz von 491,9 Millionen Packungen (plus 1,3 Prozent). Als Hauptursache nennt IMS den massiven Verordnungsrückgang bei OTC-Präparaten um 11,4 Prozent auf 146,4 Millionen Packungen beziehungsweise einen Umsatzrückgang von minus 11,8 Prozent auf 3 Milliarden DM. In den Apotheken soll sich die Umsatzsteigerung – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren - annähernd gleich hoch wie in den anderen Vetriebskanälen entwickelt haben. Als Grund nennt IMS einen Rückgang der Verordnungen, der durch Selbstmedikation mit apothekenpflichtigen Arzneimitteln weitgehend kompensiert wird.

AV Nordrhein für Senkung der Mehrwertsteuer
26.09. dpa. Die Senkung der Mehrwertsteuer für Arzneimittel - von derzeit 16 auf sieben Prozent - fordert der Apothekerverband Nordrhein. Es sei nicht mehr hinzunehmen, dass auf Medikamente höhere Steuern erhoben würden als zum Beispiel auf Blumen oder Bücher, kritisierte der Verband am Dienstag in Düsseldorf. "Eine Absenkung auf sieben Prozent bedeutet für die Krankenkassen Minderausgaben von knapp drei Milliarden Mark pro Jahr", betonte der Geschäftsführer des Verbandes, Uwe Hüsgen. Der Staat sollte sich nicht dem Vorwurf aussetzen, er verdiene mit der weit über dem europäischen Niveau liegenden Mehrwertsteuer für Arzneimittel auch noch an den Krankheiten seiner Bürger.

Antibaby-Pille bei Raucherinnen unzuverlässig
26.09. dpa. Die Antibaby-Pille wirkt bei Raucherinnen einer dänischen Studie zufolge wesentlich unzuverlässiger als bei Nichtraucherinnen. Wie die Kopenhagener Zeitung "Politiken" am Dienstag meldete, ergab eine Testreihe mit 800 Frauen, die trotz Einnahme der Pille schwanger geworden waren, dass Raucherinnen "markant überrepräsentiert" waren. Der für die Untersuchung zuständige Oberarzt Erling E. Andreasen vom Krankenhaus Kolding meinte, es sei eindeutig, dass Raucherinnen ein deutlich höheres Risiko für unerwünschte Schwangerschaften hätten. Als Grund gab er an, dass das Nikotin wahrscheinlich zum Abbau der Hormone beitrage und so die Wirkung der Pille reduziere. Bei der Studie wurde darauf geachtet, dass Frauen beider Gruppen die Pille gleichermaßen regelmäßig eingenommen hatten.

PZ-Online erhält neues Outfit
25.09. PZ. Stillstand ist Rückschritt. Bei der Pharmazeutischen Zeitung im Netz geht es voran. Den nächsten Schritt erleben Sie am morgigen Dienstag: Der Internetauftritt der Pharmazeutischen Zeitung erhält ein neues Outfit. Ein moderneres Erscheinungsbild erwartet Sie. Und mehr! Wir wollten uns nicht auf Äußerlichkeiten beschränken. Eine übersichtlichere Gestaltung der Seiten, eine verbesserte Navigation und vor allem eine völlig neugestaltete Startseite. Dies alles soll Ihnen die Nutzung unseres Angebotes erleichtern. Umbau- und Renovierungsarbeiten erfordern Geduld. Und um diese, liebe Leser, möchten wir auch Sie bitten. Vorsorglich, für den Fall, dass nicht gleich alles auf Anhieb funktionieren sollte. Im Übrigen sind wir gespannt auf Ihre Reaktionen.

Studie untersucht Krebsrisiko von Piloten
25.09. dpa. Piloten und Stewardessen könnten ein leicht erhöhtes Krebsrisiko haben. Es gebe Hinweise darauf, dass eine lang anhaltende, niedrige Strahlendosis wie sie etwa bei häufigen Interkontinentalflügen herrsche, im Laufe eines Berufslebens das Krebsrisiko geringfügig steigern könnte, sagte der Leitende Arzt der Deutschen Lufthansa, Lutz Bergau, zum Abschluss des Kongresses "Medizin und Mobilität" in Berlin. Die Gesundheitsbeeinträchtigung werde derzeit als gering eingeschätzt, Klarheit solle aber eine groß angelegte internationale Studie schaffen. In einer Flughöhe von 12 000 Metern sei die Belastung durch die Kosmische Strahlung 150 bis 180 Mal höher als am Erdboden, erläuterte Bergau. Dazu trage unter anderem die besonders durchdringende und damit gefährliche Neutronenstrahlung bei, deren Anteil von etwa einem Prozent am Erdboden auf rund 60 Prozent in großen Flughöhen steige. Nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg können Piloten und Stewardessen mehr als das Doppelte der Jahresdosis ansammeln, der die Menschen in Deutschland durch natürliche Strahlungsquellen durchschnittlich ausgesetzt sind. Um den Einfluss der erhöhten Strahlenbelastung statistisch gesichert zu klären, koordiniert die Bielefelder Gesundheitswissenschaftlerin Professor Dr. Maria Blettner derzeit eine internationale Studie, an der etwa 35 000 Flugbegleiter und Piloten teilnehmen sollen.

VFA gegen Budget-Diktat
25.09. Ein Festhalten an den regionalen Arzneimittelbudgets führt zur Rationierung und zementiert die Zwei-Klassen-Medizin. Auf diese Gefahr hat am Montag in Berlin erneut der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (VFA) hingewiesen. Im Vorfeld der Experten-Anhörung des Bundestags-Gesundheitsausschusses am kommenden Mittwoch bekräftigte VFA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer die Forderung ihres Verbandes, die Arzneibudgets abzuschaffen. "Die Arzneimittelbudgets erweisen sich immer mehr als Bremse des therapeutischen Fortschritts", erklärte Yzer. Die VFA-Hauptgeschäftsführerin zeigte sich überzeugt, dass die Arzneiversorgung in der Bundesrepublik "auf vielen Gebieten nicht mehr dem neuesten Stand der medizinischen Erkenntnisse" entspreche. Versorgungsdefizite seien "nicht mehr zu übersehen". Ärzte wollte die optimale Therapie bieten und die Patienten brauchten sie, so Yzer. Doch zunehmend müsste sich das Verordnungsverhalten dem "Budgetdiktat" beugen.

Internet: Qualitätssiegel muss her
22.09. PZ. Patienten, die für ihre Gesundheit selbst Verantwortung übernehmen wollen, müssen gut informiert sein. Eine Quelle für medizinische Informationen ist das Internet. Doch viele Seiten im weltweiten Computernetz sind von zweifelhafter Qualität. "Wir brauchen ein unabhängiges nicht kommerzielles Gütesiegel", sagte Dr. Gustav Quade, Universitätsklinik Bonn, auf einer Veranstaltung der Techniker Krankenkasse (TK) Baden-Württemberg am 21. September in Stuttgart. Das Netz könnte ein wichtiges medizinisches Medium für Laien werden, wenn die Informationen einer Seite auf einen Blick als zuverlässig oder fragwürdig identifiziert werden können. Ein Weg, auf dem das Ziel erreicht werden kann, ist ein geschütztes Logo als Qualitätssiegel. Zuständig für die Vergabe des Siegels sollte ein unabhängiges Expertengremium sein, sagte Quade. Die Alternative zum Gütesiegel wäre eine Linkliste auf den Internetseiten einer unabhängigen und anerkannten Institution, etwa der WHO. In dieser Linksammlung könnten seriöse Anbieter medizinischer Informationen gelistet werden, erläuterte Quade. Die Linkliste wäre wohl sicherer als ein Qualitätssiegel, da dieses auch gefälscht oder nicht autorisiert genutzt werden könnte.

Kanada: Grusel gegen Rauchen
22.09. dpa. Gruselige Farbfotos von Raucherlungen und Krebsgeschwüren müssen künftig in Kanada Zigarettenschachteln "zieren". Zusammen mit schriftlichen Warnungen müssen sie mindestens die Hälfte der Schachtel bedecken und sollen möglichst viele potenzielle Raucher vom Zigarettenkauf abschrecken. Ein Gericht in Montreal hat jetzt Einsprüche der Tabakindustrie gegen entsprechende gesetzliche Vorschriften zurückgewiesen, berichtete am Donnerstag der kanadische Rundfunk. Vom 23. Dezember an dürfen in Kanada keine Zigaretten ohne die drastischen Warnhinweise zum Verkauf angeboten werden. Nach dem Urteilsspruch muss die Tabakbranche mögliche finanzielle Einbußen hinnehmen - die Gesundheit der Bevölkerung habe schließlich Vorrang.

Einschränkung für Isotretionin
22.09. vwd. Ein beratender Ausschuss der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA hat empfohlen, die Verschreibungsrechte für das Akne-Therapeutikum Isotretionin einzuschränken. Das vom Pharmakonzern Roche vertriebene Medikament war ins Gerede gekommen, weil mehrere schwangere Frauen nach dessen Einnahme eine Fehlgeburt erlitten hatten. Zwar warnt sogar ein Piktogramm auf der Verpackung vor den Nebenwirkungen. Da dies aber die Frauen anscheinend nicht in ausreichendem Maße registriert hätten, schlägt der Ausschuss nun Einschränkungen bei den Verschreibungsrechten vor.
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