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29.12.1997  00:00 Uhr
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2.1. UV-Lichtkamm gegen Schuppenflechte
Psoriasis im Bereich der Kopfhaut kann jetzt mit einem ultravioletten Lichtkamm behandelt werden. Bei zwei bis drei Millionen Deutschen führt die Schuppenflechte zu einer massiven Schuppenbildung am Kopf, geröteten Krankheitsherden und juckenden Entzündungen, teilte der Arbeitskreis der "Psoriatiker" in München mit. Durch die Lichtkämme kann das UV-Licht punktgenau auf die Kopfhaut geleitet werden. Die meisten gesetzlichen Krankenkassen würden die Kosten für den Lichtkamm zu 100 Prozent übernehmen.

1.1. Neues Schmerzmittel entwickelt
Britische Forscher haben ein starkes Schmerzmittel entwickelt, das den Angaben zufolge nicht süchtig macht.In Tierversuchen habe sich erwiesen, daß der Wirkstoff so stark sei wie Morphium, jedoch keine Abhängigkeit oder Entzugssymptome hervorrufe, berichtet das US-Wissenschaftsjournal "Science". Die medizinische Nutzung von Opioiden, wie etwa Morphin, ist begrenzt, da sie Nebenwirkungen wie Depressionen, Verstopfungen und körperliche Abhängigkeit hervorrufen können. Die Forscher um Anthony Bannon von Abbott Laboratories nannten ihr Schmerzmittel ABT-594. Die Substanz greift am Nikotinrezeptor nAChR an. Nikotin ist schon seit längerem als Schmerzdämpfer bekannt. Im Vergleich zu Opioiden - Verbindungen mit der Wirkung von Opium - sei Nikotin jedoch nicht so leistungsfähig und habe zudem auch nachteilige Wirkungen, berichten die Wissenschaftler. Deshalb seien Nikotin-ähnliche Substanzen noch nicht zu einem Schmerzmittel entwickelt worden.

30.12. Erfolge mit Ebola-Impfstoff bei Tieren
US-Forscher haben bei Versuchen mit Meerschweinchen Impferfolge mit Genen aus dem Ebola-Virus erzielt und damit möglicherweise einen wichtigen Schritt zu einem Ebola-Impfstoff für Menschen getan. Die Injektionen schützten fast alle Versuchstiere vor einer Infektion mit dem meist tödlichen Virus und übertrafen damit alle bisherigen Ergebnisse. US-Zeitungen berichteten über eine Arbeit, die Gary Nabel vom Medizinischen Zentrum der University of Michigan in Ann Arbor gemeinsam mit anderen Forschern im Magazin "Nature Medicine" veröffentlichen wird.

19.12. TK: Mehr als eine Million zahlten Notopfer
Mehr als eine Million Mitglieder der Techniker Krankenkasse (TK) haben bisher das umstrittene Krankenhaus-Notopfer bezahlt. Das seien rund 45 Prozent der 2,4 Millionen zahlungspflichtigen TK-Mitglieder, erklärte die TK in Hamburg. Die hohe Zahlungsbereitschaft zeige, daß die Versichten trotz großen Unmuts über die Sonderzahlung an einem reibungslosen Ablauf interessiert seien.

19.12. Grippewelle rollt langsam an
Die erste Grippewelle rollt nach Ansicht von Experten nur langsam auf Deutschland zu und wird zum Jahreswechsel erwartet. "Einen Fall der sogenannten Influenza A haben wir bereits in Berlin. Doch scheint die Grippewelle in diesem Jahr recht langsam nach Deutschland zu schwappen", sagte der Mediziner Rolf Heckler vom Grippeüberwachungsdienst in Hannover. Die Gefahr einer Infektion mit Erregern der gefährlichen "Vogel-Grippe", an der in Hongkong bereits zwei Menschen starben sei hierzulande relativ gering. Für einen Impfschutz vor der klassischen Influenza sei es laut Heckler noch nicht zu spät. Besonders Menschen im Alter über 60 Jahren, chronisch Kranke sowie Herz-Kreislauf-Geschädigte sollten sich noch vor Weihnachten immunisieren lassen.

18.12. Arzneiverordnungsreport erscheint doch
Der Arzneiverordnungsreport '97 wird nun doch erscheinen. Allerdings enthält er Schwärzungen und trägt eine Bauchbinde auf dem Titel: "Verfügungsbeklagte Ausgabe". Dies hat der als Herausgeber genannte Professor Dr. Ulrich Schwabe jetzt bekanntgegeben. Schwabe weist darauf hin, daß die einstweiligen Verfügungen sich nicht gegen die Autoren richteten, sondern gegen die Projektträger aus dem Bereich der gesetzlichen Krankenversicherungen. Bis zur endgültigen juristischen Klärung hätten sich Verlag und Herausgeber entschlossen, den Report ohne die durch einstweilige Verfügung beanstandeten Stellen zu publizieren.

18.12. Bayerisches Abtreibungsrecht ausgesetzt
Das Bundesverfassungsgericht hat Bayerns Sonderweg im Abtreibungsrecht in einem wesentlichen Punkt vorerst für weitere sechs Monate außer Kraft gesetzt. Nach einer am 18. Dezember bekanntgegebenen Entscheidung dürfen die bayerischen Abtreibungsärzte Friedrich Stapf, München, und Andreas Freudemann, Nürnberg, ihre Abtreibungspraxen zunächst weiter betreiben, bis über ihre Klage endgültig entschieden ist. Bereits im Juni hatte das Gericht die bayerische Regelung erstmals für ein halbes Jahr außer Kraft gesetzt, wonach Ärzte höchstens ein Viertel ihrer Einnahmen aus Abbrüchen beziehen dürfen. Von der Entscheidung nicht betroffen ist das zum September 1996 in Kraft getretene bayerische Schwangerenberatungsgesetz: Dieses verpflichtet abtreibungswillige Frauen, die Gründe für den Abtreibungswunsch anzugeben, um den nötigen Beratungsnachweis zu erhalten.

17.12. Ärzte gründen Verband zur Qualitätssicherung
Der neugegründete Bundesverband Medizinischer Qualitätsnetze (BMQ) will sich für eine systematische Qualitatssicherung im ambulanten Bereich stark machen. So strebt der BMQ nach den Worten seines Vorsitzenden Rainer Schaffstein unter anderem an, daß sich Mitglieder eines Netzes niedergelassener Mediziner an Qualitätszirkeln zur Pharmakotherapie beteiligen. Erarbeitet werden sollen auch "interne Absprachen" über die Art der zu verordnenden Präparate. Mitglied des BMQ sind bislang sechs ärztliche Qualitätsnetze aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen, denen wiederum etwa 500 bis 600 niedergelassene Mediziner angehören. Mit weiteren zehn Netzen stehe man bereits in Kontakt, so Schaffstein. Ziel des BMQ sei es, die Interessen niedergelassener Mediziner, die sich vernetzen wollen, gegenüber den Krankenkassen und den Kassenärztlichen Vereinigungen zu vertreten.

17.12. Herzinfarkte werden oft nicht erkannt
Jeder dritte Herzinfarkt bei älteren Menschen wird niederländischen Forschern zufolge nicht erkannt. Viele merken es gar nicht, und bei anderen stellt der Arzt eine falsche Diagnose. Das teilte am Mittwoch die Erasmus-Universität in Rotterdam mit. Die Ärztin Martine de Bruyne untersuchte für ihre Studie zusammen mit Kollegen 3.200 Männer und Frauen im Alter von über 55 Jahren. Wie sich herausstellte, hatte jeder zehnte von ihnen schon einmal eine Herzattacke gehabt. "Daß Herzinfarkte nicht immer bemerkt werden, war durchaus bekannt", sagte De Bruyne. Aber jeder sei davon ausgegangen, daß dies nur ab und zu vorkomme. "Die Untersuchung zeigt nun, daß es um eine sehr große Gruppe geht."

17.12. Gemeinsames Dach für BI und Thomae
Die Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim (BI) KG und Dr. Karl Thomae GmbH (Biberach an der Riss) arbeiten von Januar an unter einem gemeinsamen juristischen Dach. Die neue Boehringer Ingelheim Pharma KG mit Sitz im rheinland-pfälzischen Ingelheim übernehme alle etwa 7 000 Mitarbeiter, teilte Boehringer am Mittwoch mit. Das Unternehmen mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden DM an den deutschen Standorten erhofft sich dadurch eine höhere Schlagkraft auf den Märkten. In der Praxis werde sich nicht viel ändern, da die beiden Unternehmen schon seit 1994 von einer gemeinsamen Geschäftsführung gesteuert wurden, sagte ein Firmensprecher, Auch die Produktlinien blieben erhalten, so daß sich Ärzte, Apotheker und Patienten nicht umstellen müßten. In Biberach sind nach Unternehmensangaben etwa 3.000 Menschen beschäftigt, in Ingelheim rund 4.000.

17.12. Diätpillen: Staatsanwalt fordert Haft
Im Kölner Prozeß um die umstrittenen "Diätpillen" hat die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mehrjährige Haftstrafen für die drei Angeklagten gefordert. Der Euskirchener „Diät-Arzt" Reinhard Jansen gehört nach Auffassung der Anklagebehörde für zwei Jahre und neun Monate hinter Gitter. Für die beiden Apotheker, die mit Jansen gemeinsam illegale Schlankheitskapseln in Umlauf gebracht hatten, forderte der Ankläger viereinhalb Jahre und drei Jahre neun Monate Freiheitsstrafe. Strafmildernd wertete der Staatsanwalt am Mittwoch vor der 15. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichtes, daß Jansen - anders als die beiden Apotheker - schon relativ früh ein Geständnis abgelegt habe. Laut Staatsanwaltschaft hatten die drei Angeklagten durch das "Inverkehrbringen bedenklicher Arzneimittel in besonders schwerem Fall" jeweils mindestens 200.000 Mark eingenommen. Zwischen der Einnahme der Pillen und dem Tod von mindestens drei Frauen hatte sich in dem Prozeß aber kein direkter Zusammenhang herstellen lassen.Top


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