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Krebsforscher fordern strenge Verbote

02.09.2002
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Rauchen

Krebsforscher fordern strenge Verbote

von Thomas Bellartz, Berlin

Einmal mehr hat das Deutsche Krebsforschungszentrum, Heidelberg, eine kleine Armee von Wissenschaftlern und Fachleuten im Kampf gegen das Rauchen aufgeboten. Nach ihrer Ansicht ist der Schlüssel zum Erfolg ein Mehr an Prävention – und eine rigidere Kontrollpolitik.

"Es gibt viel Gegenwind", klagt Dr. Annette Bornhäuser. Damit meint die Mitarbeiterin des DKFZ die massiven Anstrengungen der Tabakindustrie, auf verschiedensten Wegen Maßnahmen und Aktion gegen das Rauchen zu unterlaufen. "Gesundheit muss endlich wieder Priorität erhalten vor den wirtschaftlichen Interessen der Industrie", formulierte Bornhäuser.

Beim DKFZ kritisiert man offen, dass die gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums immer noch weitestgehend heruntergespielt werden. Und dies obwohl die Folgen erforscht und bekannt seien. 50 Prozent der Raucherinnen und Raucher erreichen nicht das 70. Lebensjahr. Bei den Nichtrauchern sind dies 80 Prozent. Es ist aus Sicht der Wissenschaftler absolut unverständlich, dass sich die Tabakindustrie als Unterstützer eines Präventivprogramms in Deutschland sogar beim Gesundheitsministerium einkaufen könne. Derek Yach von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagte, das sei genauso, als ob man einen Fuchs in einen Hühnerstall hereinlasse.

Geschätzte 110.000 bis 140.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich nach DKFZ-Angaben an den Folgen ihres Tabakkonsums, weltweit über vier Millionen. Bornhäuser bemühte den Vergleich zwischen der Anzahl der Tabaktoten, die pro Tag etwa 300 betragen, und einem täglichen Jumboabsturz. Das Problem sei, dass der tausendfache Leidensweg der Betroffenen für die Öffentlichkeit insgesamt nicht plastisch genug dargestellt werde. Dabei wisse die Gesellschaft, worum es geht.

Harte Kritik übte Professor Dr. Rolf Rosenbrock, Mitglied im Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, an vielen Präventivmaßnahmen für Kinder und Jugendliche. Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass solche Maßnahmen ihr Ziel nicht erreichten, sondern vielmehr zum Gegenteil führten.

Mit der Abschaffung von Zigarettenautomaten wollen die Krebsforscher den Tabakkonsum in Deutschland eindämmen. Neben einer Erhöhung der Tabaksteuer und einem Werbeverbot für die Branche sei dies eine wirksame Maßnahme, um vor allem Kinder und Jugendliche vom Rauchen fern zu halten, so das Fazit eines Handlungskatalogs des DKFZ. In dem Papier verlangen die mehr als 30 an dem Katalog beteiligten Wissenschaftler, Ärzte und Fachleute zudem eine effektivere Bekämpfung des Zigarettenschmuggels, zusätzliche rauchfreie Zonen sowie umfassendere Verkaufsbeschränkungen für Tabakprodukte. Im Vergleich zu anderen Industrieländern wie den USA, Großbritannien, Dänemark oder Schweden kosteten Zigaretten hier zu Lande deutlich zu wenig - zum Teil weniger als die Hälfte. Top

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