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Hilfe für Hausärzte

25.09.2000  00:00 Uhr
DEMENZ

Hilfe für Hausärzte

von Daniel Rücker, Ulm

Ein Handbuch zum Fall-Management Demenz soll zukünftig Hausärzte bei der Behandlung ihrer Patienten unterstützen. Professor Dr. Klaus Dieter Kossow, Vorsitzender des Hausärzteverbandes BDA, bezeichnete die Demenz als klassisches Aufgabengebiet für die Allrounder unter den Medizinern.

Richtlinien für die Behandlung von Demenzkranken seien wichtig, weil diese Patienten fast ausschließlich von niedergelassenen Ärzten behandelt würden. Daten aus den Krankenhäusern als Basis für die Behandlung nach Maßstäben der Evidence Based Medicine stünden deshalb kaum zur Verfügung, sagte Kossow auf einer Pressekonferenz am 22. September in Ulm. Er bedauerte, dass staatliche Stellen die Arbeit an dem Manual nicht unterstützt haben. Deshalb sei der Phytopharmaka-Hersteller Schwabe eingesprungen.

Die Hausärzte übernehmen bei der Betreuung von Dementen die Funktion als Mittler zwischen Arzt, Apotheker, Pflegern, Behörden und Familienmitgliedern, erläuterte Dr. Bernd Zimmer, Facharzt für Allgemeinmedizin in Wuppertal. Dabei gelte es ebenso, die Betreuer in der Familie zu motivieren, wie auch Anträge an Behörden zu schreiben, um den kontinuierlich steigenden Bedarf an professioneller Pflege sicherzustellen.

Eine wichtige Aufgabe des Hausarztes sei es auch, die betreuenden Angehörigen des Kranken vor Überforderung zu schützen. Familienmitglieder würden häufig nicht erkennen, wann sie den Demenzpatienten nicht mehr zu Hause pflegen können. Laut Zimmer muss dann der Arzt den Angehörigen nahelegen, sich auf die emotionale Betreuung zu konzentrieren. Wen die tägliche Pflege überfordere, dem fehle die Kraft für die wichtige emotionale Zuwendung.

Das jetzt vorgestellte Manual Case-Management Demenz soll dem Hausarzt bei der Bewältigung dieser Aufgaben und der medizinischen Therapie helfen, sagte Mitautor Dr. Klaus Wahle. Im ersten Teil des Handbuches werden die Stadien der Erkrankung mit den zu erwartenden Defiziten des Patienten dargestellt. Zu jedem Stadium werden medikamentöse und nichtmedikamentöse Therapieempfehlungen gegeben.

Der zweite Teil des Manuals erläutert detailliert die Aufgaben, die jeder einzelne im Betreuerstab erfüllen muss. Besondere Aufmerksamkeit wird den pflegenden Angehörigen und der als Kümmerer bezeichneten wichtigsten Bezugsperson gewidmet.

Das Manual leiste einen wichtigen Beitrag, die Hausärzte auf die richtige Behandlung eines Demenzkranken vorzubereiten. Am Ende profitiere davon vor allem der Patient. Wahle: "Nur das subtile Zusammenspiel des 'Therapieteams Demenz' entscheidet darüber, ob der Betroffene und seine Angehörigen in Würde die durchschnittlichen fünf bis sieben Jahre dauernde Manifestation dieses Erkrankungsbildes erleben können, oder ob auch ihnen das Schicksal der Tabuisierung und der Diskriminierung nicht erspart bleibt."

Das Manual ist gegen eine Schutzgebühr von 55 DM beim BDA, c/o Kybermed GmbH & Co., Kirchstraße 29, 48282 Emsdetten erhältlich. Top

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