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Apotheken spüren Diabetes auf

18.04.2005  00:00 Uhr

Apotheken spüren Diabetes auf

von Conny Becker, Berlin

Zwar ist den meisten Deutschen bekannt, dass Diabetes auf dem Vormarsch ist, doch den eigenen Blutzuckerwert zu überprüfen, versäumen viele. Aktionen wie die Apotheken-Aktionswoche zum Weltdiabetestag können hier eine Lücke schließen.

»Wir wollen ein Screening durchführen und damit die Kunden für ihre Werte sensibilisieren«, sagte Monika Koch vom Deutschen Apothekerverband auf einer Pressekonferenz der ABDA in Berlin. Und die vorgestellten Zahlen stützen ihre Zuversicht: Während sich 2003 noch etwa 5000 Apotheken an der Aktionswoche beteiligten, waren es im vergangenen Jahr bereits 7000 teilnehmende Apotheken. Hier bot das Apothekenpersonal vor allem Hypertonikern und übergewichtigen Kunden an, ihre Blutzuckerwerte zu messen, beantwortete Fragen zum Thema Diabetes und hielt Informationsmaterial vom Deutschen Diabetiker Bund (DDB) bereit, der neben der Berlin Chemie Kooperationspartner der Aktion war.

Zwar schickten nur etwa 10 Prozent der Apotheken die Dokumentationsbögen zur Auswertung zurück, summa summarum sammelten sie aber Daten von mehr als 11.000 Apothekenkunden, bei denen im Vorfeld zu etwa 90 Prozent noch kein Diabetes bekannt war. Das Ergebnis deutet jedoch darauf hin, dass etwa jeder achte Apothekenkunde nichts von seinem Diabetes weiß. Denn gemäß der Leitlinien der Deutschen Diabetes Gesellschaft galten 8,7 Prozent der Messkandidaten als mögliche Diabetiker (Nüchtern-Blutzucker ≥ 100 mg/dl und < 110 mg/dl beziehungsweise Blutzucker zwei Stunden postprandial ≥ 140 mg/dl und < 200 mg/dl). Weitere 3,7 Prozent mussten sogar als Diabetiker eingestuft werden (Nüchtern-Blutzucker > 110 mg/dl, Blutzucker zwei Stunden postprandial > 200 mg/dl). Beiden Gruppen wurde daraufhin ein Arztbesuch angeraten, um den Verdacht zu überprüfen. In der auch in diesem Jahr stattfindenden Aktionswoche werde es zur Vervollständigung der Evaluation möglicherweise sogar einen Rückmeldebogen geben, mit dem der Patient mitteilen kann, ob der Verdacht vom Arzt bestätigt wurde.

Wie wichtig die Früherkennung bei Diabetes ist, machte BAK-Präsidentin Magdalene Linz deutlich. Häufig werde die Diagnose erst vier bis sieben Jahre nach Erkrankungsbeginn gestellt; ist der Blutzucker jedoch über lange Zeit erhöht oder schlecht eingestellt, treten vermehrt Folgeerkrankungen auf. »So haben 36 Prozent aller Typ-2-Diabetiker, also jeder dritte, bereits eine diabetische Augenerkrankung, wenn erstmals die Diagnose Diabetes gestellt wird«, informierte Linz. Auch ökonomisch rechne sich eine gute Blutzuckereinstellung, da ein Typ-2-Diabetiker mit Komplikationen das Gesundheitssystem mehr als das Dreifache koste als ohne.

In der Apotheke mit 3,5 bis 4 Millionen Kundenkontakten täglich, könne niederschwellig auf die Diabetesprävention hingewiesen werden. Ernährungsberatung und das Motivieren zur Gewichtsreduktion können helfen, die Erkrankung zu verhindern. Eine Früherkennung dient der Sekundärprävention, kann also Folgeerkrankungen vermeiden oder verzögern. Und in der Pharmazeutischen Betreuung werde eine bestmögliche Versorgung angestrebt und etwa Wechselwirkungen minimiert. Besonders im Auge behalten sollte der Apotheker zudem Schwangere, die zu 4 Prozent erhöhte Blutzuckerwerte aufweisen. Werdende Mütter sollten stets ihren Blutzucker testen lassen, da Harnzuckertests zu 90 Prozent den Schwangerschaftsdiabetes nicht erkennen können, sagte Linz.

Dass ein großes Netz an Beteiligten hilft, die gesetzten Ziele auch zu erreichen, bestätigte Lutz Graf zu Dohna, Bundesgeschäftsführer des DDB: »Besonders intensiven Zugang zu den Bürgern erhalten wir über den Publikumsverkehr in den Apotheken.« Zudem sei die eigene Erfahrung bei einer Messung und die persönliche Beratung nachhaltiger als das alleinige Lesen von Diabetesbroschüren. Und schließlich könnten Betroffene in der Apotheke erfahren, wie sie Kontakt zu Selbsthilfegruppen aufnehmen können. Top

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