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Ebola, Gelbfieber und Co

09.08.1999  00:00 Uhr

Die Krankheit wurde erstmals in den 70er Jahren in der Republik Kongo und Südsudan als Epidemie beschrieben. Seitdem erkrankten auch in Gabun und an der Elfenbeinküste mehrere hundert Menschen. Von dem Auslöser Filovirus sind derzeit die drei Antigenvarianten Ebola, Marburg und Reston bekannt. Reston scheint jedoch nur bei Affen pathogen zu wirken. Das Virus wird hauptsächlich durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen, wahrscheinlich über blutige Körpersekrete. Nach zwei bis 21 Tagen beginnt die Erkrankung mit den unspezifischen Symptomen Fieber, Kopf-, Muskelschmerzen, Konjunktivitis und Übelkeit. Einige Patienten leiden an schuppenden, nicht juckenden Exanthemen. Nach fünf bis sieben Krankheitstagen kommt es zu Schleimhautblutungen, auch im Gastrointestinal- und Gentialtrakt, später zu Nierenversagen und mitunter zu Enzephalitiden. Rund 50 bis 80 Prozent der Patienten sterben an Herzkreislaufversagen. Die Letalität nimmt bei sekundären und tertiärern Krankheitsfällen ab.

Bislang kann Ebola nur sympthomatisch behandelt werden. Die Infektion ist schon bei Verdacht meldepflichtig. Das Virus kann immunologisch oder elektronenmikroskopisch in einem Sicherheitslabor nachgewiesen werden.

Krim-Kongo-Fieber

Erste Fälle von Krim-Kongo-Fieber beschrieben russische Wissenschaftler Mitte der vierziger Jahre auf der Insel Krim. In den 50er Jahren tauchte das Virus auch in Zentralafrika auf. Inzwischen trat die Krankheit auch in Südosteuropa auf. Der Erreger, ein Bunyavirus, wird hauptsächlich durch die Hyaloma-Zecke übertragen. Allerdings können auch Tiere wie Schafe, Kühe, Ziegen oder Kamele das Virus in sich tragen. Übertragen wird die Infektion deshalb auch beim Kontakt mit infektiösem tierischen Blut, zum Beispiel beim Schlachten.

Zwei bis neun Tage nach Infektion leiden die Patienten plötzlich an starkem Fieber, Schüttelfrost sowie starken Kopf- und Muskelschmerzen. Dann entwickeln sich punktförmige Blutungen (Petechien) auf Thorax, Unterleib und Zahnfleisch. Bei schwerem Verlauf bluten die Patienten aus allen Körperöffnungen. Die Letalität liegt je nach Virusstamm bei 10 bis 50 Prozent.

Wird die Diagnose früh gestellt, kann das Krim-Kongo-Fieber mit Ribaverin behandelt werden. Auch diese Infektionskrankheit ist meldepflichtig. Das Virus kann in Blut oder Körpersekreten mit der PCR-Technik nachgewiesen werden. Der Erreger ist bei Temperaturen um 4°C über zehn Tage stabil.

Dengue

Die Wissenschaft kennt inzwischen vier Subtypen des Flavivirus, die diese Infektion auslösen. Die Krankheit wird von weiblichen Stechmücken der Art Aedes aegypti oder albopictus auf den Menschen übertragen. Die charakteristisch schwarzweiß gestreiften Insekten sind tagaktiv und stechen hauptsächlich in der Dämmerung. Die Mücken brüten auch in kleinsten Ansammlungen von sauberen Wasser, wie Töpfen, Kokosnuss-Schalen und Astlöchern. Tropische und subtropische Gebiete in Südostasien, im Südpazifik, Afrika, Mittel- und Südamerika inklusive der Karibik sind betroffen.

Beim Dengue-Fieber unterscheidet man drei Verlaufsformen. Sieben bis zehn Tage nach Infektion entwickelt sich entweder das klassische Krankheitsbild mit starkem Fieber, Exanthemen, Gelenk-, Muskel- und Kopfschmerzen, das häufig über mehrere Wochen anhält, eine milde atypische Verlaufsform oder das Dengue Hämorrhagische Fieber (DHF). DHF trat jahrelang nur in Südostasien auf. Inzwischen beobachteten die Behörden auch Ausbrüche in Mittel- und Südamerika.

An DHF erkranken häufig hellhäutige männliche Kinder und Jugendliche. Ihre Temperatur steigt rasch an, begleitet von Erbrechen und Dyspnoe. Nach zwei bis sechs Tagen kann es zum Schock kommen. Die Patienten neigen stark zu Blutungen.

Beim klassischen und milden Verlauf ist die Prognose gut, bei DHF liegt die Letalität jedoch zwischen sechs und 30 Prozent. Dengue kann nur symptomatisch behandelt werden. Die beste Prophylaxe ist deshalb der Schutz vor Mückenstichen. Eine durchgemachte Infektion sorgt für eine langanhaltende, typenspezifische Immunität, die allerdings nicht vor den anderen Subtypen schützt. Nur DHF ist meldepflichtig. Das Virus kann serologisch nachgewiesen werden.

Gelbfieber

Auch das Gelbfieber wird von Aedes aegypti übertragen. Das Flavivirus ist im tropischen Afrika sowie Mittel- und Südamerika verbreitet. Gelbfieberfrei sind die Karibik, Indien und Südostasien. Die Infektion wird entweder von Mensch über Mücke zu Mensch übertragen (urbanes Gelbfieber), oder als Busch- beziehungsweise Dschungelfieber von Affe über Mücke zu Affe.

Infizierte erkranken nach drei bis sechs Tagen plötzlich an sehr hohem Fieber, begleitet von Übelkeit Kopfschmerzen, Unruhe und abdominellen Schmerzen. Nach einer kurzen Remission kommt es zum zweiten Fieberanstieg. In schweren Fällen manifestieren sich Leberkoma, Niereninsuffizienz und massive Blutungen. In 10 bis 50 Prozent der Fälle sterben die Patienten; besonders gefährdet sind Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.

Auch Gelbfiber kann nur symptomatisch behandelt werden. Es steht jedoch eine Schutzimpfung mit lebenden, abgeschwächten Erregern zur Verfügung. Geimpft werden dürfen Kinder ab dem zweiten Lebensjahr (in Deutschland ab dem siebten Monat). Die Immunisierung schützt ab dem zehnten Tag über mindestens zehn Jahre. Nach einer Infektion besteht lebenslange Immunität. Gelbfieber muß der Behörde gemeldet werden, impfen dürfen nur staatlich zugelassene Impfstellen. (Eine Liste der Impfstellen finden Sie auf der Homepage des Robert Instituts unter www.rki.de/INFEKT/GF_IMPF/GF_IMPF.HTM.) Das Virus kann im Blut nachgewiesen werden.

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