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Gewappnet gegen Grippe-Pandemie

17.01.2005  00:00 Uhr

Gewappnet gegen Grippe-Pandemie

von Gudrun Heyn, Berlin

Das Risiko einer schweren, weltweiten Grippe-Epidemie gilt als hoch. Bereits 1999 forderte die WHO daher ihre Mitgliedsstaaten dazu auf, sich auf eine Influenza-Pandemie vorzubereiten. Vergangene Woche stellte nun das Robert-Koch-Institut den gemeinsam von Bund und Ländern getragenen nationalen Influenza-Pandemieplan vor.

Etwa alle 30 Jahre komme es zu einer schweren, weltweiten Epidemie mit Influenzaviren, sagte Professor Dr. Reinhard Kurth vom Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. So gab es im letzten Jahrhundert drei große Pandemien, von denen die schwerste 1918 rund 50 Millionen Todesopfer forderte. Damals löste ein an den Menschen adaptiertes Vogelgrippevirus vom Typ H1N1 die so genannte Spanische Grippe aus.

Auch 2005 haben sich in Südostasien wieder Menschen mit einem Vogelgrippevirus infiziert, hier liegt die Sterblichkeitsrate bei mehr als 50 Prozent. Obwohl der Erreger vom Typ H5N1 bisher nur in Einzelfällen von Mensch zu Mensch übertragen wurde, schätzt die WHO die Situation als bedrohlich ein. Vorsorglich hat die US-Regierung für ihre Bevölkerung zwei Millionen Impfstoff-Dosen gegen das derzeit in Asien zirkulierende Vogelgrippevirus bei Pharmaunternehmen bestellt. Auch wenn es fraglich ist, ob dieses Virus die USA jemals massenhaft erreichen wird.

In Deutschland können nun mit dem nationalen Pandemieplan erste Schutzmaßnahmen initiiert werden. Ein detaillierter Maßnahmenkatalog mit Handlungsanweisungen für die Länder und Gemeinden wird demnächst veröffentlicht. Vor allem die Überwachung von Krankheitsausbrüchen sei wichtig, hieß es im RKI. Schnellstmöglich müsse dann ein neuer Impfstoff entwickelt und produziert werden. Denn im Fall einer Grippe-Pandemie bleibt wenig Zeit. Die Experten schätzen, dass eine Grippewelle mit einem neuartigen Erreger Deutschland in vier bis acht Wochen überrollt haben wird. Da die derzeit vorhandenen Grippeimpfstoffe nicht wirken, kommt in einer solchen Situation antiviralen Medikamenten eine besondere Rolle zu. Vor einer zweiten Grippewelle, die die Experten dann im darauf folgenden Winter erwarten, sollte jedoch die neu entwickelte Vakzine zur Verfügung stehen.

Damit Arznei- und Impfstoffe auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden, wird ihre Verteilung von den Gesundheitsämtern überwacht werden. Medizinisches Personal und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, sollen als Erste versorgt werden. Auch Kinder haben eine hohe Priorität.

Bislang ist die Versorgung der gesamten Bevölkerung im Falle einer Pandemie keineswegs gesichert, da die Kapazitäten der Impfstoffherstellung begrenzt sind. Mehr Impfstoff als bisher, das heißt für etwa 17 Millionen Menschen, könnten die Hersteller nicht ohne Neuinvestitionen produzieren, sagte Kurth. Zudem ist die Beschaffung der Vakzine Aufgabe der Bundesländer und entsprechend hoch der Koordinierungsbedarf. Das RKI hat deshalb in Brüssel angeregt, die Finanzierung von der EU übernehmen zu lassen. Im Fall einer Pandemie sollte es Impfstoff für ganz Westeuropa geben.

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