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Erstmals Knochen gezüchtet

26.11.2001
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Erstmals Knochen gezüchtet

von Ulrike Wagner, Eschborn

Freiburger und Berliner Forschern ist es erstmals gelungen, Knochen von Patienten zu züchten und diese erfolgreich im Oberkiefer einzusetzen. Das meldet das Unternehmen BioTissue Technologies, Freiburg, das das Verfahren gemeinsam mit Wissenschaftlern der Berliner Charité entwickelt. Das entsprechende Patent der Firma ist nach deren Angaben weltweit einzigartig.

Für den Eingriff werden den Patienten Knochenhautgewebeproben aus der Kieferregion entnommen und durch Kultur in körpereigenem Blutserum vermehrt. Aus den Zellen züchten die Wissenschaftler dann mit Hilfe einer speziellen Matrix ein dreidimensionales Gewebe, den Knochenersatzstoff BioSeed®-Oral Bone. Auf Grund der körpereigenen Zellen wird das Material vom Immunsystem des Patienten nicht als fremd erkannt und abgestoßen.

Etwa fünf Wochen nach Entnahme der Zellen wird der individuell für den Patienten gezüchtete Knochenzellverband in die noch vorhandene Kiefersubstanz des Patienten eingebracht. Damit steht patienteneigener Knochen zur Verfügung, ohne ihn an einer anderen Stelle schmerzhaft und mit spezifischen Komplikationen zu entfernen, heißt es in der Pressemeldung. In den mit dem gezüchteten Gewebe verstärkten Kiefer können anschließend künstliche Zahnwurzeln fest verankert werden. "Die Behandlungsmethode - sowohl die Entnahme der Knochenhautsubstanz als auch die Verpflanzung des gezüchteten Knochenersatzstoffes - ist für den Patienten wesentlich schonender und risikoärmer als bisherige Methoden. Beide Verfahren sind ambulant möglich", so Professor Dr. Rainer Schmelzeisen, Direktor der Kiefer- und Gesichtschirurgie an der Universitätsklinik Freiburg, der das neuartige Material erstmals bei Patienten eingesetzt hat.

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