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Schluss mit dem Laster

18.02.2002
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NICHTRAUCHER-AKTION

Schluss mit dem Laster

von Thomas Bellartz, Berlin

Wer kennt sie nicht, die schmachtenden, leidenden, gequälten Raucher, die sich ihr Laster abgewöhnen wollen. Man kennt sie auch in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zum zweiten Mal den Nichtraucher-Wettbewerb "Quit and Win - Rauchfrei 2002" auf den Weg bringt.

Mit Pflastern oder allerlei anderen Mitteln gegen das Laster Rauchen ist zwar mitunter Umsatz, aber kein nennenswerter, weil nicht flächendeckender Erfolg zu erzielen. Von den weit mehr als 30 Millionen Raucherinnen und Rauchern in der Bundesrepublik hatten bereits im vergangenen Jahr rund 25.000 an der Aktion "Quit and Win - Rauchfrei 2002" teilgenommen. Knapp zwölf Monate später war rund ein Drittel abstinent geblieben. "Ein toller Erfolg", wie Dr. Martina Pötschke-Langer vom DKFZ zum Aktionsstart bei einer Pressekonferenz in Berlin betonte. Und doch haben sich die Veranstalter für die diesjährige Aktion, die am 1. Mai 2002 startet und vier Wochen dauert, ein neues Ziel gesteckt: 100.000 Menschen sollen an der Aktion teilnehmen und sich nach Möglichkeit mit Hilfe von Freunden und Verwandten das Rauchen abgewöhnen.

Und weil eben andere Hilfestellungen bislang wenig bewirken und besonders die Zahl der jugendlichen Raucherinnen und Raucher zuletzt stark zugenommen hat, soll ein Preisgeld einen echten Motivationsschub bewirken. Wer erfolgreich der Zigarette entsagt hat, dem winken 2500 Euro. Doch nicht nur unter den teilnehmenden Erwachsenen, sondern auch unter den Jugendlichen, die noch nicht ihr 18. Lebensjahr vollendet haben, wird jeweils ein Preis ausgeschrieben. Gewinnen können auch auf der Anmeldekarte genannte Helferinnen oder Helfer. Auch sie werden mit einem Preisgeld von 2500 Euro belohnt.

Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, will besonders junge Menschen durch diese Aktion für das Nichtrauchen begeistern: "Wir wollen das Image des Nichtrauchens aufwerten".

Insgesamt werden an der weltweit organisierten Aktion rund eine Million Menschen teilnehmen. Neben den nationalen Preisen können europäische und internationale Superpreise eingeheimst werden. Der Belohnung geht jedoch eine Urinprobe voraus, um dem Schummeln Einhalt zu gebieten.

Seit dem 13. Februar 2002 liegen die Anmeldekarten in vielen Apotheken aus. Bis spätestens 1. Mai 2002 muss die Anmeldung im DKFZ eingegangen sein. Interessierte Noch-Raucher können sich auch unter www.dkfz.de/rauchfrei2002 anmelden.

 

Kommentar: Zaster fürs Nichtrauchen 10.000 Euro für Nichtraucher und nicht rauchende Freunde: Rauchfrei 2002 - eine gefällige Aktion? Nur bedingt. Dass es nötig erscheint, Geldpreise auszuloben, damit Menschen ihrer Gesundheit und nicht dem Glimmstängel frönen - mit all den bekannten Konsequenzen - ist eine gesellschaftliche und politische Katastrophe. Mit einem Schmunzeln unterstreicht daher wohl auch die oberste Gesundheitsaufklärerin der Nation, dass gerade die Deutschen erst dann begeisterungsfähig sind, wenn die gute Sache Wettbewerbscharakter hat. Und trotz aller Anstrengungen beteiligt sich die Zielgruppe nur im Promillebereich an der Aktion.

Vielleicht wäre es besser, den Wettbewerb im Deutschen Bundestag, in Ländern und Kommunen auszuschreiben. Einfach Geld aussetzen für die besten Ausreden auf Fragen wie: Warum gibt es keine Bannmeile für das Aufstellen von Zigarettenautomaten um Schulen, Freizeiteinrichtungen und Plätzen, wo sich Jugendliche besonders gerne aufhalten? Warum richten Schulen immer noch Raucherräume für Oberstufenschüler ein? Und warum sträubt sich die gleiche Bundesregierung, die die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung fördert, als eine der letzten in Europa gegen das Verbot von Zigarettenwerbung?

Fehlen Werbung, Automaten, rauchende Vorbilder in Film und Fernsehen, dann reduziert sich die Zahl der Raucherinnen und Raucher drastisch, fast automatisch.

Gegen die Nikotinsucht, an deren Folgen jährlich hier zu Lande 100.000 Menschen sterben, muss früher vorgegangen werden. Wenn Menschen bereits rauchen, ist es zu spät. Auch für gut gemeinte Aktionen, die nicht mehr sind als ein politisches und gesellschaftliches Armutszeugnis.

Thomas Bellartz

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