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Lernsoftware zeigt Erfolge

10.02.1997  00:00 Uhr

-Medizin

  Govi-Verlag

Lernsoftware zeigt Erfolge

  Computerprogramme zu Aus- und Fortbildung erobern mehr und mehr Schulen und Hochschulen. Von einer multimedialen und interaktiven Aufbereitung des Lehrstoffs erhofft man sich vor allem Vorteile hinsichtlich der Lernmotivation und -geschwindigkeit. Industrielle Anwendungen ersparen bestimmte Teile der traditionell in Seminaren durchgeführten Außendienstschulung. Seit mehreren Jahren sind Wissenschaftler dabei, die Ergebnisse multimedialer Wissensvermittlung statistisch zu evaluieren. Ergebnisse solcher Studien sowie Qualitätskriterien für Lernsoftware wurden kürzlich auf dem internationalen Kongreß Learntec 97 in Karlsruhe vorgestellt.

In Deutschland beschäftigt sich die Arbeitsgruppe von Professor Dr. Florian Eitel, München, seit längerem mit der Erstellung und Evaluierung medizinischer Lernsoftware. Die Münchner konnten zeigen, daß die Motivation zum Lernen gesteigert und die Zeit zur Wissensvermittlung verkürzt wird. Wesentlich schwerer nachzuprüfen ist jedoch, ob das computerunterstützte Lernen auch zu besseren Prüfungsabschlüssen führt. Erste Ergebnisse randomisierter Studien liegen inzwischen aus den USA vor, wo das computerbasierte Training (CBT) schon länger eingesetzt wird.

Professor Harold Lyon, Dartmouth, USA, präsentierte Ergebnisse einer über insgesamt sechs Jahre durchgeführten Untersuchung im "Cross-over-Design", in der zwei Gruppen von Studenten einmal mit und einmal ohne Computer zwei medizinische Themen erarbeiten mußten. Die Klausurergebnisse verbesserten sich dabei nahezu linear zur Häufigkeit der Computernutzung. Die Hälfte der Probanden gab an, das multimediale Lernen zu bevorzugen, nur wenige lehnten die Form der Wissensvermittlung ab. Im Schnitt konnten die Studenten 43 Prozent an Lernzeit gegenüber der Kontrollgruppe einsparen. Auch die Lehrenden können massiv Zeit sparen.

Unter der Web-Adresse (http://www.med.uni-muenchen.de/ibe/lyon/lyon.html) stehen neben Lyons Karlsruher Präsentation auch einige Versuche zum interaktiven Lernen online zur Verfügung. Erste Demonstrationen beziehen sich auf multimedial aufbereitete klinische Fälle, die vom Studenten online bearbeitet werden sollen. Diese Form des CBT wird sich aber voraussichtlich erst dann durchsetzen, wenn die Datenübertragungsraten höher geworden sind und sich auch Videosequenzen verzögerungsfrei abspielen
lassen.

PZ-Artikel von Axel Helmstädter, Karlsruhe
       

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