Pharmazeutische Zeitung online

Vogelhaltung erhöht Krebsrisiko nicht

13.01.1997  00:00 Uhr

-Medizin

  Govi-Verlag

Vogelhaltung erhöht Krebsrisiko nicht

  Vogelfreunde können aufatmen: Zwei große wissenschaftliche Studien konnten jetzt nachweisen, daß der häusliche Dauerkontakt mit Vögeln das Lungenkrebsrisiko nicht wie bisher angenommen drastisch erhöht. Die neuen in Schweden und dem US-Bundesstaat Missouri gewonnenen Ergebnisse stehen damit im krassen Gegensatz zu drei früher durchgeführten Untersuchungen.

Erstmalig hatte eine holländische Arbeitsgruppe 1988 herausgefunden, daß der Kontakt zu gefiederten Haustieren das Lungenkrebsrisiko nahezu versiebenfacht. Eine britische Studie konnte dies zwar nicht bestätigen - sie fand aber zumindest bei Taubenhaltern ein deutlich erhöhtes Lungenkrebsrisiko. Schließlich kam eine deutsche Forschergruppe 1992 zu dem Schluß, daß in West-Berlin lebende Vogelfreunde ein doppelt so hohes Lungenkrebsrisiko haben wie die Mitglieder einer Vergleichsgruppe, die keine Vögel hielten.

Lebensweise und Umwelt ebenfalls berücksichtigen

Dr. Cecilia Modigh von der Universität Göteborg, versuchte, die verwirrenden Unterschiede in der im Fachblatt British Medical Journal veröffentlichten schwedischen Studie zu erklären. Die Umweltmedizinerin vermutet, daß die in den früheren Studien gefundene Erhöhung des Krebsrisikos nicht ursächlich mit der Vogelhaltung zusammenhing, sondern vielmehr die Tatsache widerspiegelte, daß viele Vogelfreunde eher niedrigen sozialen Schichten angehören.

Ein niedriger sozioökonomischer Status zieht oft eine erhöhte Exposition gegenüber verschiedenen krebserzeugenden Substanzen nach sich: Mehr Zigarettenrauch, Kontakt mit Carcinogenen am Arbeitsplatz und fettreiche Ernährung, die arm an frischem Gemüse und Obst ist, dies alles regt das Wachstum bösartiger Tumoren an.

Es könne außerdem vermutet werden, so Modigh, daß die in den früheren Studien untersuchten Deutschen, Engländer und Niederländer insgesamt ein höheres Krebsrisiko hatten als die in eher ländlicher Umgebung lebenden Schweden und Einwohner Missouris. Ein weiterer Punkt könnte wichtig sein: In Schweden und Missouri wurden kaum Tauben gehalten. Es ist daher denkbar, daß von den Tauben ein besonderes Risiko ausgeht, das bisher in seiner Tragweite noch nicht völlig aufgeklärt werden konnte.

PZ-Artikel von Jochen Kubitschek, Waddeweitz
       

© 1996 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa