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Im Turbogang am Traumgewicht vorbei

08.11.1999  00:00 Uhr

-MedizinGovi-Verlag

Im Turbogang am
Traumgewicht vorbei

von Annette Immel-Sehr, Bonn

Für immer schlank mit dem sensationellen Turbo-Programm und endlich Schluß mit dem Jojo-Effekt – nicht mehr und nicht weniger verspricht Dr. Dieter Markert denen, die sich auf die von ihm entwickelte Markert-Diät einlassen. Außer auf eine Top-Figur ohne Gesundheitsrisiken darf sich der Diätwillige auch auf mehr Lebensqualität und einen Zufluss an Energie und Tatkraft freuen. Kein Wunder, dass eine solche Traumdiät schnell die Bestseller-Liste erobert hat.

Die Markert-Diät ist eine reine Flüssigkeitsfastenkur. Man ernährt sich ausschließlich von einem Eiweißgetränk und Gemüsebrühe. Almased®, das Pulver zur Zubereitung des Eiweißtrunks, wird über Apotheken vertrieben. Es besteht zu 53 Prozent aus Soja- und Milcheiweiß und soll den Körper mit den essenziellen Aminosäuren versorgen. Die Gemüsebrühe, selbst gekocht oder gekauft, soll dem Körper Antioxidantien liefern und ihn damit vor freien Radikalen schützen. Auf das für die Menschen zunehmend bedrohliche Phänomen der freien Radikale weist Markert in seinen Büchern besonders hin.

Fester Bestandteil der Diät ist ein Sportprogramm aus täglichen Gymnastikübungen und Ausdauertraining mehrmals in der Woche. Vier Grundübungen für den Muskelaufbau und ein paar Ratschläge für das Training liefert Markert zusammen mit den Ernährungsvorschriften.

Die Markert-Diät verspricht einen Gewichtsverlust von täglich 250 bis 500 Gramm, der nur auf Fettabbau, nicht aber auf Wasser- oder Eiweißverlusten beruhen soll. Wie wird dies erklärt? Nach der These von Markert steigert die Diät – Eiweißtrunk plus Sport – die Bildung von Triiodthyronin (T3) im Körper. Mit diesem "Heizerhormon" werde der Stoffwechsel und damit die Fettverbrennung angekurbelt.

Der erste Fastentag beginnt mit einer gründlichen Darmentleerung mittels Glaubersalz oder Klistier. Wer schon mehrere erfolglose Diäten hinter sich hat, soll nicht gleich mit der Diät beginnen, sondern eine 14-tägige Vorbereitungsphase durchlaufen. Vor den üblichen Mahlzeiten nimmt man dann eine bestimmte Menge des Eiweiß-Drinks zu sich. Damit soll die "Reaktionsstarre der körperlichen Verbrennungsvorgänge" aufgehoben werden, die durch die vorausgegangenen Schlankheitsdiäten eingetreten sei.

Von dem nussig schmeckenden Eiweiß-Drink werden täglich drei Portionen getrunken. Die Dosierung errechnet sich nach dem "Normalgewicht". Gemüsebrühe, die keine festen Bestandteile mehr enthalten darf, kann den ganzen Tag über getrunken werden. Um auf eine Gesamtflüssigkeitsmenge von drei bis dreieinhalb Litern täglich zu kommen, soll zusätzlich viel stilles Wasser oder ungesüßter Kräutertee getrunken werden.

Markert rät davon ab, zu schnell viel Gewicht zu verlieren. Nach einer ein- bis zweiwöchigen Fastenphase (fünf bis zehn Kilo Gewichtsverlust) sollte eine Pause von mindestens zwei bis drei Wochen eingelegt werden.

Am Tag des Fastenabbruchs wird behutsam eine kleine Menge fester Nahrung aufgenommen. Ab dem nächsten Tag darf dann wieder normal gegessen werden - aber nicht zu viel, zu fett und zu kalorienreich. Markert verspricht, dass sich das erreichte Gewicht problemlos halten lässt. Denn durch die Diät sei die Schilddrüsenfunktion trainiert und der Stoffwechsel auf Touren gebracht worden. Ab und zu sollte man jedoch im Sinne einer Auffrischung dieses Impulses etwas Eiweiß-Drink zu sich nehmen.

Bewertung

Die Markert-Diät ist der Gruppe der extremen Diäten zuzuordnen: hypokalorisch (circa 400 kcal pro Tag), eiweißreich und fettarm. Angesichts der extrem niedrigen Energiezufuhr verwundert es nicht, dass die Markert-Diät kombiniert mit körperlichem Training zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führt. Markerts Hauptthese, dass die Gewichtsreduktion auf eine Erhöhung der Triiodthyronin-Bildung und die Steigerung des Energieumsatzes zurückzuführen ist, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Kontrollierte Studien, die dies beweisen könnten, liegen nicht vor. Gewisse Schwankungen der Konzentration von Schilddrüsenhormonen sind im übrigen ganz natürlich.

Die Ernährungsweise nach Markert ist so einseitig, dass eine ausreichende Nährstoffversorgung nicht gesichert ist. Es ist dringend abzuraten, sich über längere Zeit ausschließlich von Almased® und Gemüsebrühe zu ernähren. Auch für die Markert-Diät gilt wohl die alte Erfahrung: Je extremer und einseitiger eine Diät ist, desto schneller ist nach ihrem Ende wieder mit einer Gewichtszunahme zu rechnen. Dies gilt allemal bei einer Diät, die dem Fastenden außer einem Sportprogramm und dem Rat, sich eine Kalorientabelle anzuschaffen, nichts bietet, was ihn zu einer gesunderen Ernährungs- und Lebensweise anleitet. Also doch Jojo-Effekt!

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