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Dosierter Sport für Typ-II-Diabetiker

30.09.1996  00:00 Uhr

-Medizin

  Govi-Verlag

Dosierter Sport für Typ-II-Diabetiker

  Ein höherer Grad an körperlicher Aktivität verbessert beim manifesten Typ-II-Diabetes die Glucosetoleranz und das vaskuläre Risikoprofil und steigert außerdem die Insulinsensitivität. Vor allem Patienten unter 60 Jahren, die motiviert und gewillt sind, ihren Lebensstil zu ändern, werden von einem regelmäßigen körperlichen Training besonders profitieren. Für multimorbide und übergewichtige ältere Patienten wäre die unkritische Empfehlung von Sport aus medizinischen und psychologischen Gründen jedoch eine falsche und überdies riskante Empfehlung.

Bei einem Hoechst-Pressegespräch im Juli 1996 bei Baden-Baden skizzierte Professor Dr. Rüdiger Landgraf, München, die in vielen Studien nachgewiesenen positiven Effekte einer regelmäßigen körperlichen Aktivität bei Typ-II-Diabetikern: Im Vordergrund steht die gesteigerte Insulinsensitivität der Skelettmuskulatur (weniger des Fettgewebes), wodurch der Abtransport von Glucose aus dem Blut in periphere Gewebe schneller und vollständiger erfolgt. Nur eine kontinuierliche muskuläre Mehrarbeit führt zu einer positiven Beeinflussung der diabetischen Stoffwechsellage.

Durch körperliches Training werden weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren günstig beeinflußt: Triglyceride und Blutdruck werden gesenkt, HDL-Cholesterol und Fibrinolyse gesteigert. Weiterhin gilt regelmäßiges Sporttreiben als präventive Maßnahme, um die Inzidenz des Typ-II-Diabetes zu erniedrigen. Allerdings erhöht sich bei älteren und untrainierten Patienten durch gesteigerte körperliche Aktivität das Risiko eines Myokardinfarktes. Weiterhin muß mit Diabetes-spezifischen (Neuropathie, Retinopathie, Nephropathie) und Diabetes-assoziierten (Makroangiopathie) Komplikationen sowie mit degenerativen Erkrankungen des Skelett- und Bindegewebes gerechnet werden.

Um bei Typ-II-Diabetikern das mit Sport verbundene Infarktrisiko zu minimieren, müssen Screening-Untersuchungen, ärztlich überwachte Trainingsprogramme und dauerhafte Motivation die Therapie unterstützen. Ein ideales Muskelarbeitsprogramm sollte nach Landgrafs Erfahrungen aus aerober Tätigkeit unter Verzicht auf maximale Anstrengung bestehen. Als ausreichend hätten sich drei bis vier Trainingseinheiten à 20 bis 30 Minuten erwiesen.

PZ-Artikel von Dieter Müller-Plettenberg, Bühlerhöhe

   

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