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Parallellen zwischen Depression und Morbus Parkinson

28.08.2000
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-MedizinGovi-Verlag

Parallellen zwischen Depression
und Morbus Parkinson

Elke Wolf, Rödermark

Etwa 40 Prozent aller Patienten mit Morbus Parkinson entwickeln zusätzlich eine Depression. Dabei können depressive Symptome den neurologischen um Monate bis Jahre vorauseilen. So liegt die Frage auf der Hand: Beeinflussen sich Depressionen und Morbus Parkinson, und haben sie gemeinsame Ursachen? Auf einem Symposium in Füssen fasste Dr. Matthias R. Lemke, Universität Kiel, den aktuellen Kenntnisstand zusammen.

Überholt sei die Vorstellung, dass Depressionen bloße Reaktionen auf die Schwere und den chronischen Verlauf des neurologischen Leidens sind, sagte Lemke. Allerdings ist bis heute kein Zusammenhang zwischen dem Erkrankungsstadium einerseits und der Häufigkeit und Schwere von Depressionen andererseits auszumachen, heißt es in der Pressemeldung von Pharmacia & Upjohn. Vereinzelt konnte jedoch beobachtet werden, dass motorische Phänomene wie Gangstörungen oder Haltungsinstabilität mit Depressionen korrelierten. Letztere finden sich offenbar gehäuft bei Parkinson-Patienten, deren motorische Symptome dopaminsensibel sind.

Lemke: "Auch Gangbild-Studien an depressiven Patienten lassen interessante Parallelen zur Motorik von Parkinson-Patienten erkennen." Der Einfluss von Schrittfrequenz und Schrittlänge auf die Gehgeschwindigkeit ist bei beiden Erkrankungen ähnlich gestört. Auf Dopamin als Bindeglied zwischen Parkinson und Depression weisen auch Fluktuationsphänomene hin. So sind Parkinson-Patienten in Off-Phasen, also in Phasen absoluten Dopaminmangels, depressiver als in On-Phasen. Nicht zuletzt lassen auch vorläufige Ergebnisse der Tiefenhirnstimulation im Nucleus subthalamicus Gemeinsamkeiten vermuten. Entsprechende Stimulation bessert in der Regel nicht nur die Motorik, sondern auch die Stimmung der betreffenden Patienten.

Depressionen Parkinson-Kranker zeichnen sich durch ein typisches Profil aus. So kommen Selbstvorwürfe, Schuld- und Bestrafungsgefühle so gut wie nie vor. Dagegen stehen bei der Parkinson-Depression vor allem Traurigkeit, Pessimismus, Ängstlichkeit und Suizidgedanken im Vordergrund. Zum Suizid selbst kommt es allerdings vergleichsweise selten.

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