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Weltweiter Kampf gegen das Rauchen

26.05.2003
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Anti-Tabak-Konvention

Weltweiter Kampf gegen das Rauchen

von Christina Hohmann, Eschborn

Mit der Anti-Tabak-Konvention hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Rauchen den Kampf angesagt. Das erste internationale Regelwerk soll weltweit den Tabakkonsum senken, Zigarettenwerbung verbieten und die Rauchbelästigung von Nichtrauchern einschränken.

Alle 192 Mitgliedsstaaten der WHO haben vergangene Woche in Genf einstimmig der in vierjährigen Verhandlungen erarbeiteten Anti-Tabak-Konvention (Framework Convention on Tobacco Control, FCTC) zugestimmt. „Nun müssen wir zusehen, dass die Konvention in Kraft tritt, und die einzelnen Länder sie als Basis ihrer nationalen Gesetzgebung verwenden“, sagte Dr. Gro Harlem Brundtland, Generaldirektorin der WHO auf der 56. Weltgesundheitsversammlung. Das Abkommen tritt in Kraft, sobald 40 Länder es ratifiziert haben.

Die in der Konvention vorgeschlagenen Maßnahmen sollen Millionen von Menschenleben retten. Nach Angaben der WHO sterben jedes Jahr fünf Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens. Diese Zahl könnte sich bis 2020 sogar verdoppeln, würden die Maßnahmen nicht umgesetzt, informiert die WHO. Denn während die Zahl der Raucher in den Industriestaaten abnimmt, beginnen in vielen Entwicklungsländern vermehrt Jugendliche mit dem Laster. Sie würden rund 70 Prozent der Toten ausmachen, so die Prognose.

Recht auf rauchfreie Umwelt

Die Konvention bildet nur eine Basis für die Gestaltung der nationalen Gesetzgebung. Sie schlägt unter anderem vor, die Steuern auf Tabakwaren zu erhöhen, um den Konsum vor allem bei Jugendlichen zu drosseln. Als Folge der Verteuerung könnte jedoch der Zigarettenschmuggel zunehmen. Dem versucht die WHO entgegenzuwirken, indem sie Aufdrucke auf den Päckchen fordert, die angeben, für welches Land die Zigaretten hergestellt wurden. Überhaupt legt die Anti-Tabak-Konvention strenge Bestimmung für das Aussehen von Zigarettenschachteln fest: So sollen in Zukunft mindestens 30 Prozent, besser noch 50 Prozent der Packung von Warnhinweisen belegt sein. Das Regelwerk fordert hierbei, dass Abbildungen die Risiken des Rauchens zusätzlich zu den Texten verdeutlichen.

Außerdem verbietet die Konvention jegliche Bezeichnung wie „light“, „mild“ oder „geringer Teergehalt“, die die Gefährlichkeit der Produkte vermeintlich abschwächen. Auch der Gehalt an Schadstoffen muss in Zukunft auf jeder Packung angegeben werden. Weitere Ziele sind, den Verkauf von Tabakwaren an Minderjährige zu verbieten, Zigaretten aus dem Angebot von Duty-Free-Läden zu entfernen und die Rauchbelästigung von Nichtrauchern in der Öffentlichkeit einzudämmen. Passivrauchen schädigt die Gesundheit, auch wenn immer wieder – wie unlängst - von der Tabakindustrie finanzierte Studien das Gegenteil zu beweisen versuchen. Die Konvention fordert daher das „Recht auf eine rauchfreie Umwelt“.

Die Konvention fordert die Regierungen der unterzeichnenden Länder weiterhin auf, die nationalen Anti-Tabak-Programme verstärkt finanziell zu unterstützen. Auch die Programme zur Behandlung von Süchtigen sowie Aufklärungs-Kampagnen, um Jugendliche vom Einstieg in die Sucht abzuhalten, sollen ausgebaut werden.

Verwässertes Werbeverbot

Über einen zentralen Punkt der Anti-Tabak-Konvention, das generelle Werbeverbot für Tabakwaren, herrschte lange Uneinigkeit. Deutschland, Japan und die USA wehrten sich gegen die Regelung, weshalb das Werbeverbot abgemildert und vom „Respekt der Verfassung und der konstitutionellen Prinzipien“ abhängig gemacht wurde. Jedes Land kann nun die Werbung soweit einschränken, wie es die nationale Gesetzgebung zulässt. In Westeuropa und den Vereinigten Staaten wird sich daher vermutlich nicht viel ändern. Doch in Entwicklungsländern, in denen die Tabakindustrie bisher ungehindert für ihre Produkte werben darf und die Raucherzahlen beständig ansteigen, könnte die Regelung Wirkung zeigen.

Die eigentliche Arbeit – die Umsetzung der in der Konvention vorgeschlagenen Maßnahmen – beginnt nun erst und wird vermutlich auf starken Widerstand der Tabakindustrie stoßen. Schon vor Jahren hatte sie nach Brundtlands Worten vorgeschlagen, die WHO solle sich lieber um den Kampf gegen Malaria kümmern. Top

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