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Fünf Hände voll Obst und Gemüse schützen vor Krebs

29.05.2000  00:00 Uhr

-MedizinGovi-VerlagGESUNDHEITSKAMPAGNE

Fünf Hände voll Obst und Gemüse schützen vor Krebs

von Ulrike Wagner, Frankfurt am Main

Nichts schützt mehr vor einer Krebserkrankung als eine gesunde Ernährung. Schwierig, weil Sie vorwiegend außer Haus essen? Mühsam, weil Sie keine Zeit haben, Mahlzeiten täglich selbst zuzubereiten? Eine Kampagne von Gesundheitsorganisationen und Unternehmen zeigt, wie es ganz einfach geht: "5 am Tag - Obst und Gemüse" ist Slogan und Programm.

Die Kampagne kennt nur eine einzige Regel und keine Verbote: Sie empfiehlt, fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen. Eine Waage braucht man dafür nicht, das Maß ist die eigene Hand. Start der Aktion, die unter anderem von der Deutschen Krebsgesellschaft initiiert wurde, ist der 1. Juni. Die Kampagne steht unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsministerin Andrea Fischer und dem Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Karl-Heinz Funke.

Die Ernährung beeinflusst fast alle Krebsformen, und zwar stärker als den meisten Menschen bewusst ist. So präsentierte Professor Dr. Hans K. Biesalski von der Universität Stuttgart-Hohenheim, Leiter der AG Wissenschaft von "5 am Tag", Daten einer Studie, nach der die Ernährung für etwa 35 Prozent aller Krebserkrankungen verantwortlich ist. Eine andere prospektive Studie hatte zum Beispiel gezeigt, dass das Lungenkrebsrisiko von Nichtrauchern gegen Null geht, wenn sie viel Obst und Gemüse zu sich nehmen.

Die Mischung macht´s

Wichtig für die Krebsprävention ist eine abwechslungsreiche Ernährung. "Bisher wurde für keine einzige einzelne Substanz nachgewiesen, dass sie Krebs verhindert", erklärte Biesalski. "Es gibt keine Studie, die darauf hinweist, dass isoliert eingenommenes Vitamin E Krebs verhindern kann." Neue Studien zeigen aber, dass Menschen, die möglichst viele unterschiedliche Gemüsearten im Laufe einer Woche verzehren, ein geringeres Krebsrisiko haben.

Im Gegensatz dazu glauben die meisten Menschen, dass Zusatzstoffe in den Nahrungsmitteln und die Luftverschmutzung am häufigsten Krebs hervorrufen - Faktoren, die sie kaum beeinflussen können. Zusatzstoffe verursachen jedoch weniger als 1 Prozent, die Luftverschmutzung etwa 2 Prozent der Krebserkrankungen, erkärte Biesalski.

Verantwortlich für den protektiven Effekt von Gemüse und Obst sind die sekundären Pflanzenstoffe wie zum Beispiel Carotinoide, Luten, Lycopin und die Flavonoide (Details zur Wirkung dieser Inhaltsstoffe lesen Sie in unserer Serie Phytamine, die mit dem Titelbeitrag in Ausgabe 11/2000 startete). Voraussetzung für deren Wirksamkeit ist, dass sie regelmäßig zugeführt werden, und dies nicht nur über einige Wochen und Monate, sondern über viele Jahre, am besten das ganze Leben.

Spaß und Genuss

Die Kampagne soll nicht nur Wissen, sondern auch Spaß und Genuss vermitteln. Verbraucher sollen Obst und Gemüse künftige nicht ausschließlich als gesundes Nahrungsgut wahrnehmen, sondern als eine Leckerei, mit der sie Genuss und Lebensfreude verbinden. Daher beschränkt sich die Aktion auch auf eine einzige Positivaussage und vermeidet, andere Lebensmittel zu diskriminieren. "Nichts wird verboten, auf nichts müssen Sie verzichten", heißt es in den Broschüren. Auch tiefgefrorenes Obst und Gemüse, Obst- und Gemüsekonserven, Trockenfrüchte sowie Obst und Gemüsesäfte erfüllen ihren Zweck. Die Kampagne spricht besonders Kinder an, für die es besondere Faltblätter gibt. Die Initiatoren versprechen sich davon, dass fünf Portionen Obst und Gemüse fest in den Ernährungsplan integriert werden. Kinder seien für eine solche "Ritualisierung" besonders empfänglich, erklärte Biesalski.

Eine ähnliche Kampagne startete bereits vor acht Jahren in den USA und Kanada unter dem Motto "5 a day - for better health". Dem amerikanischen National Cancer Institute (NCI) ist es gelungen, dazu über Tausend verschiedene Organisationen und Unternehmen als Partner zu vereinen. Ein voller Erfolg: 1997 hielten 39 Prozent der vom NCI befragten erwachsenen Amerikaner den Verzehr von mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse täglich für gesundheitlich notwendig. 1991 waren davon lediglich 8 Prozent der Bevölkerung überzeugt.

Verein gegründet

Zur Planung der deutschen Kampagne wurde im Januar dieses Jahres ein gemeinnütziger Verein gegründet: der 5 am Tag e. V., der seinen Sitz bei der Deutschen Krebsgesellschaft in Frankfurt hat. Verschiedene Arbeitsgruppen stehen dem Verein beratend zur Seite. So entwickelte die Arbeitsgruppe Wissenschaft die Aussagen der Kampagne. Sie legt zum Beispiel die Kriterien fest, die ein Produkt erfüllen muss, um das 5-am-Tag-Logo tragen zu dürfen. Neben der Deutschen Krebsgesellschaft sind auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung und die Barmer Ersatzkasse Mitglieder des 5 am Tag e. V. Außerdem beteiligen sich Wirtschaftspartner aus den Bereichen Erzeugung, Ernährungsindustrie, Handel sowie aus Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung. Die Organisatoren erhoffen sich dadurch einen Schneeballeffekt, der die Kampagne auf jeden Tisch bringt. Unter www.5amtag.de informieren die Initiatoren auch im Internet.

Informationsbroschüre

Apotheker, die ihre Kunden über die Kampagne informieren wollen, können die Informationsbroschüren zum Selbstkostenpreis bestellen. 5 am Tag e. V. c/o Deutsche Krebsgesellschaft e. V. Katrin Berendson/Petra Lazarek Hanauer Landstraße 194 60314 Frankfurt am Main Tel. 069/6300960, Fax 069/63009666 E-Mail: berendson@deutsche.krebsgesellschaft.de oder lazarek@deutsche.krebsgesellschaft.de.

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