Pharmazeutische Zeitung online

Wegen wählerischer Zecken selten

13.05.2002
Datenschutz bei der PZ

Krim-Kongo-Fieber

Wegen wählerischer Zecken selten

von Ulrike Wagner, Eschborn

Bis in die Tropen muss man nicht reisen, um mit dem Erreger des Krim-Kongo-Fiebers in Kontakt zu kommen. Im vergangenen Jahr sorgte zum Beispiel ein Ausbruch im Kosovo für Aufregung. Vier Menschen starben. Glücklicherweise sind solche Ausbrüche selten, obwohl Virus und Überträgerzecke weit verbreitet sind.

Das Virus (siehe Kasten) gelangt entweder durch Zeckenbisse oder den direkten Kontakt mit infektiösem Blut oder Gewebe auf den Menschen. Es lässt sich in einigen Zeckenarten nachweisen, allerdings scheinen Hyalomma-Arten bei der Übertragung des Krim-Kongo-Fiebers die wichtigste Rolle zu spielen. Sie treten ausschließlich in wärmeren Regionen südlich des Balkans auf. Die Zecken sind mit vier bis sechs Millimetern durchschnittlich groß und haben gestreifte Beine.

 

Das Virus Bei dem Erreger des Krim-Kongo-Fiebers handelt es sich um ein Nairovirus, das zur Familie der Bunyaviridae gehört. Russische Wissenschaftler beschrieben die Erkrankung 1944 zum ersten Mal auf der Krim. Erst 1969 fanden andere Forscher heraus, dass es sich bei dem Erreger um dasselbe Virus handelt, das 1956 im Kongo für Erkrankungen gesorgt hatte - daher der Name. Im zentralasiatischen Raum ist die Krankheit bereits seit mehreren Jahrhunderten bekannt. Das Virus kommt in Südosteuropa, dem Mittleren Osten, Afrika, Zentralasien und China vor. Im vergangenen Jahr hat es neben dem Ausbruch im Kosovo - der vor allem wegen der dort stationierten Soldaten öffentliches Interesse fand - für Erkrankungen in Albanien, dem Iran, Pakistan und Südafrika gesorgt.

 

Bei Tieren ist das Virus weit verbreitet, sie erkranken jedoch mit Ausnahme von neugeborenen Mäusen nicht schwer. Selbst Affen sind resistent oder erkranken nur leicht. Das Virus wurde bislang aus vielen Haus- und Wildtieren isoliert. Zahlreiche Vögel sind gegenüber der Infektion resistent. Nicht so jedoch Strauße. Das Virus ist in der Lage die Vögel zu infizieren und zirkuliert etwa vier Tage im Blut der Tiere, ohne dass diese jedoch erkranken. 1996 kam es unter den Angestellten eines Schlachthofs, wo ausschließlich Strauße geschlachtet wurden, zu einem Ausbruch des Krim-Kongo-Fiebers. Ob sich die Arbeiter über das Blut der Tiere oder durch Zeckenbisse infiziert haben, war unklar. Viele Vögel waren offensichtlich schwer von den Plagegeistern befallen. Wenn deren Wirt geschlachtet wird, suchen sie sich den nächstbesten Warmblüter - in diesem Fall Schlachthofarbeiter.

Einige Hyalomma-Arten befallen auch Zugvögel, die von Osteuropa nach Südafrika ziehen. Die Tiere könnten die Zecken mitsamt Virus über große Entfernungen verbreiten, vermuten Wissenschaftler. Der Beweis dafür ist jedoch bislang nicht erbracht.

Menschen meist verschmäht

Wichtigste Infektionsquelle für die Zecken sind Wirbeltiere etwa bis zur Größe von Feldhasen. An ihnen saugen die Larvenstadien der Zecken Blut und nehmen gleichzeitig das Virus auf. Sind die Spinnentiere einmal infiziert, bleiben sie es durch alle Entwicklungsstadien. Sie können das Virus sogar an die nächste Generation weitergeben, gelten daher ebenfalls als Erreger-Reservoir.

Sind die Zecken ausgewachsen, befallen sie große Wirbeltiere - je größer desto besser. Menschen gehören nicht zu den bevorzugten Wirten der Zecken. Dies erklärt die recht seltene Übertragung auf den Menschen. Bietet sich jedoch eine Blutmahlzeit schier an, verschmähen die Zecken auch Menschen nicht. Für eine Infektion muss man nicht einmal gebissen werden, selbst wenn man die Zecke auf der Haut zerquetscht, kann man sich infizieren.

Etwa eine Woche lang zirkuliert das Virus nach der Infektion im Blut zum Beispiel von Rindern, Schafen und Ziegen. Werden die Tiere in dieser Zeit geschlachtet, ist die Infektionsgefahr für Menschen, die mit Blut und Gewebe in Kontakt kommen, groß. Auch Landarbeiter - vor allem auf Höfen mit Tierzucht - sind der Infektionsgefahr ausgesetzt, weil ihr Risiko für den Biss einer infizierten Zecke höher ist. Allerdings muss die Erkrankung auch bei Menschen nicht immer ausbrechen. So haben Wissenschaftler Antikörper gegen das Virus bei Landarbeitern nachgewiesen, die nie erkrankt waren. Für Reisende stuft das Robert-Koch-Institut das Infektionsrisiko als sehr gering ein.

Über Fleisch und Fleischprodukte selbst wird das Virus wahrscheinlich nicht übertragen. Bislang ist noch niemand am Krim-Kongo-Fieber erkrankt, der nicht von einer Zecke gebissen wurde oder keinen Kontakt mit Tierblut in der Landwirtschaft oder auf dem Schlachthof hatte, berichtet Professor Dr. Bob Swanepoel vom National Institute for Virology in Johannesburg, Südafrika. Außerdem ist es den Forschern bislang nicht gelungen, das Virus aus dem Fleisch von Schafen zu isolieren, die mit den Viren infiziert und während der Virämie geschlachtet wurden. Hinzu kommt, dass das Virus weder hohe Temperaturen noch extreme pH-Werte überlebt. Trotzdem ist der Import von Straußenfleisch aus Afrika und Asien in die EU verboten, wenn die Tiere nicht zwei Wochen vor dem Schlachttermin mit Akariziden behandelt und anschließend in einer zeckenfreien Umgebung gehalten wurden.

Rasch schwere Symptome

Die Inkubationszeit beim Menschen ist abhängig von der Art der Übertragung. Geschah dies über eine Zecke, so beträgt sie meist ein bis drei Tage, maximal neun Tage. Erfolgte die Infektion über Blut oder Gewebe, so ist die Inkubationszeit mit fünf bis sechs Tagen länger, maximal wurden hier dreizehn Tage bis zum Ausbruch der Erkrankung beobachtet.

Die Symptome setzen rasch ein, mit Fieber, Muskelschmerzen, Schwindel, Nackenschmerzen und -steifheit, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, schmerzende Augen und Photophobie. Bei einigen Patienten kommt es auch zu Übelkeit, Erbrechen, Halsschmerzen, Diarrhö und Abdominalschmerzen. Auch starke Stimmungsschwankungen treten auf, die Patienten sind oft verwirrt und aggressiv. Nach zwei bis vier Tagen legt sich dies, und sie verfallen in Depressionen, Schläfrigkeit, Mattigkeit.

Nach drei bis fünf Tagen kann es dann zum hämorrhagischen Verlauf kommen. Kleine Blutungen (Petechien) auf der Haut und den Schleimhäuten weisen darauf hin. Diese können sich vergrößern, schließlich kann es zu Blut in Stuhl und Urin sowie zu Nasen- und Zahnfleischbluten kommen. In schweren Fällen bluten die Patienten aus allen Körperöffnungen. Schock und Gefäßkollaps können schließlich - meist in der zweiten Woche der Erkrankung - zum Tod führen. Wenn die Patienten überleben, dauert ihre Konvaleszenz mit etwa zwei bis vier Monaten recht lang.

Diagnostik mit Gentechnik

Diagnostiziert wird die Erkrankung zunächst auf Grund der klinischen Symptome und der Anamnese, also ob der Patient zwei bis sieben Tage vor der Erkrankung von einer Zecke gebissen wurde oder mit infiziertem Blut oder Gewebe in Kontakt gekommen ist. Außerdem lässt sich das Virus in Zellkultur vermehren und nachweisen. Bei einer anderen Methode wird infektiöses Material in das Gehirn neugeborener Mäuse eingebracht und die Viren werden dort nachgewiesen. In den vergangenen Jahren hat auch hier der molekularbiologische Nachweis der Erreger-DNA mit Hilfe von PCR Einzug gehalten. In Anbetracht der Alternativen sicher die einfachste Nachweismethode, vorausgesetzt die Technik ist etabliert.

Der Nachweis von Antikörpern spielt für die Diagnostik keine Rolle, ist aber für epidemiologische Untersuchungen sinnvoll. Die Immunglobuline treten erst sechs Tage nach Beginn der Erkrankung auf. Zudem bilden schwer erkrankte Patienten gar keine Immunglobuline gegen die Viren.

Die Therapie ist vor allem supportiv. Die Patienten müssen intensiv überwacht werden. Zudem wird inzwischen das Nukleosidanalogon Ribavirin mit Erfolg eingesetzt. Dabei liegt die Dosis initial bei 30 mg pro Kilogramm Körpergewicht, anschließend 16 mg alle sechs Stunden, vier Tage lang, für weitere sechs Tage 8 mg/kg KG alle acht Stunden. In Deutschland ist die Substanz für die Therapie des Krim-Kongo-Fiebers nicht zugelassen.

Prävention

Einen sicheren und wirksamen Impfstoff gegen die Infektion gibt es weltweit bislang nicht. Einzig in Bulgarien wird eine inaktivierte Vakzine eingesetzt. Um Infektionen zu verhindern, können jedoch zum Beispiel Akarizide eingesetzt werden, um die Zecken in einem Tierbestand zu bekämpfen.

Menschen, die in Endemiegebieten leben, sollten von Zecken verseuchte Gebiete meiden, besonders vom Frühjahr bis zum Herbst, wenn die Tiere aktiv sind. Außerdem sollten sie regelmäßig Haut und Kleidung nach Zecken absuchen, diese entfernen und sowohl die Haut (DEET) als auch die Kleidung (Permethrin) mit Repellents vor Zecken schützen, raten die amerikanischen Centers for Disease Control. Menschen, die mit Tieren arbeiten, sollten dies ebenfalls tun und Handschuhe tragen, um den Kontakt mit infiziertem Gewebe oder Blut zu verhindern.

Wenn Patienten mit Krim-Kongo-Fieber ins Krankenhaus kommen, ist das Risiko für die nosokomiale Verbreitung des Virus hoch. In der Vergangenheit waren schwere Ausbrüche die Folge. Daher müssen Patienten isoliert werden, Ärzte und Pflegepersonal müssen Handschuhe und Schutzkittel tragen, Ausscheidungen und kontaminierte Materialien müssen speziell entsorgt werden. Top

© 2002 GOVI-Verlag
E-Mail: redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa