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Screening erst 2007 flächendeckend

07.03.2005
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Mammographie

Screening erst 2007 flächendeckend

von Désirée Kietzmann, Berlin

Ein deutschlandweites Mammographie-Screening soll die Mortalität bei Brustkrebs um bis zu 30 Prozent senken. Die dafür notwendigen zertifizierten Einrichtungen sind jedoch noch lange nicht flächendeckend vorhanden.

Eigentlich haben Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren seit Januar 2004 einen gesetzlichen Anspruch auf die radiologische Früherkennungsuntersuchung. Sie sollen alle zwei Jahre von der gesetzliche Krankenkasse zum Mammographie-Screening eingeladen werden. Das ursprünglich gesetzte Ziel, das Screening bis 2005 als Präventionsprogramm gegen Brustkrebs flächendeckend anzubieten, lässt sich jedoch nicht erreichen. Dies räumte Jan Sebastian Graebe-Adelssen, Geschäftsführer der Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KoopG), auf der ersten offenen Krebskonferenz in Berlin ein. Als Ursachen nannte er die Komplexität des Programms und das dezentrale deutsche Gesundheitssystem, denn über viele der zu treffenden Regelungen werde auf Länderebene entschieden.

In Modellversuchen der Regionen Bremen, Wiesbaden und Weser-Ems war das Früherkennungsprogramm in 2001 und 2002 allerdings schon erfolgreich. Die KoopG, zusammengesetzt aus Vertretern der Spitzenverbände der Krankenkassen und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, plant nun, deutschlandweit 85 der so genannten Screening-Einheiten zu etablieren. Ausgeschrieben werden sie von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). In den Regionen Westfalen-Lippe, Nordrhein, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern sowie in Teilen von Niedersachsen ist diese Ausschreibung bereits erfolgt. Daher geht Graebe-Adelssen davon aus, dass Ende 2005 bereits 39 der insgesamt 85 Einheiten in Betrieb sein werden. Dies entspricht einer Regelversorgung von 46 Prozent. Nach derzeitigem Informationsstand sei eine flächendeckende Regelversorgung zum Jahr 2007 wahrscheinlich.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Im weiteren Verlauf ist es nun wichtig, dass die bereits akkreditierten Referenzzentren ihre Arbeit aufnehmen. Sie sind für die Schulung der teilnehmenden Ärzte und des medizinischen Personals zuständig. Die ersten Screening-Einheiten werden zum 1. April 2005 nach europäischen Leitlinien zertifiziert und können dann im dritten Quartal an den Start gehen. Diese umfassenden Qualitätssicherungsschritte seien notwendig, denn »ein schlechtes Screening ist fast schlimmer als gar kein Screening«, sagte Graebe-Adelssen. Er versprach jedoch, das Programm jetzt schnell zu realisieren.

»Eine regelmäßig durchgeführte Mammographie senkt die Brustkrebssterblichkeit«, betonte auch Professor Ingrid Schreer, Leiterin des Mammazentrums der Universität Kiel, und untermauerte damit die Notwendigkeit des Screenings. Der optimistischen Schätzung der KoopG, dass bei einer Teilnahmequote von 70 Prozent der berechtigten Frauen die Mortalität bei Brustkrebs um bis zu 30 Prozent gesenkt werden könnte, schloss sie sich jedoch nicht an. Schreer forderte, die erhobenen Daten mit denen eines Krebsregisters zu verknüpfen. Nur auf diesem Wege könne der Effekt des Früherkennungsprogramms langfristig nachgewiesen werden.

 

Mehr informierte Patientinnenvon Patrick Hollstein, Berlin

Mit mehr als 7000 Besuchern stieß die erste offene Krebskonferenz in Berlin auf großes Interesse. Zahlreiche Betroffene informierten sich über die Hintergründe ihrer Erkrankung und alternative Behandlungsmöglichkeiten. Auf einer Veranstaltung der Firma Hoffman-La Roche warb auch die Selbsthilfegruppe »Mamazone Frauen und Forschung gegen Brustkrebs« für eine stärkere Einbeziehung der Erkrankten in die Therapieentscheidung.

Wissenschaftliche Studien legten nahe, dass Patientinnen mit einem besseren Verständnis für ihre Erkrankung im Durchschnitt länger überleben, machte Gudrun Kemper von Mamazone deutlich. »Doch zwischen Aufklärung und Einwilligung liegen noch immer Welten«, kritisierte sie weiter. Zwar hätte sich in einem Modellversuch der Universität Göttingen mehr als die Hälfte der befragten Ärzte und Patientinnen für eine gemeinsame Entscheidung ausgesprochen. Mehr als ein Drittel der Patientinnen sei jedoch bereit gewesen, die Therapieentscheidung allein dem Arzt zu überlassen.

»Patienten müssen mehr Verantwortung für ihre eigene Erkrankung übernehmen«, appellierte Kemper. Gleichzeitig kritisierte sie, dass viele Akteure im Gesundheitswesen die Patienten immer noch unzureichend in sie betreffenden Verhandlungen einbeziehen. Daher seien Früherkennungsmaßnahmen für Brustkrebs trotz eines Bundestagsbeschlusses vor zwei Jahren immer noch nicht flächendeckend eingeführt. Auch das Einholen ärztlicher Zweitmeinungen ­ in den USA mittlerweile Standard ­ sei in Deutschland nach wie vor eine Rarität.

Mit bundesweiten Informations-Initiativen, aber auch der Beteiligung an wissenschaftlichen Kongressen und gesundheitspolitischen Diskussionen will Mamazone das Bild der Selbsthilfe aktiv weiterentwickeln und das Selbstbewusstsein der Patientinnen stärker. So erhalten Betroffene bei Mamazone die Möglichkeit, als so genannte Diplompatientin nach einem Schulungsprogramm Aufklärungsarbeit für andere Betroffene zu leisten. Weitere Informationen unter www.mamazone.de.

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