Pharmazeutische Zeitung online

Sterilität durch Chlamydieninfektion

20.01.1997
Datenschutz bei der PZ

-Medizin

  Govi-Verlag

Sterilität durch Chlamydieninfektion

  Eine Infektion mit Chlamydia trachomatis gehört in den Industrienationen zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten. Die Bedeutung dieser Erkrankung für eine mögliche Sterilität ist nicht einfach festzustellen, da eine Chlamydieninfektion in fast 90 Prozent aller Fälle asymptomatisch verläuft.

Chlamydien sind die wichtigsten Verursacher aszendierender Infektionen des weiblichen Genitals. Im englischen werden diese Infektionen unter dem Begriff "Pelvic inflammatory disease" (PID) zusammengefaßt. PID kann eine Ursache für Sterilität bei Frauen sein, erklärte Dr. Waltraud Eggert-Kruse von der Universitätsfrauenklinik in Heidelberg beim 6. klinisch-mikrobiologisch-infektiologischen Symposium in Berlin. Einer schwedischen Studie zufolge wird das Risiko für eine Sterilität nach einer Episode dieser Erkrankung auf 15 Prozent, nach zwei Episoden bereits auf 30 Prozent geschätzt. Aszendierende Genitalinfektionen erhöhen auch das Risiko einer Eileiterschwangerschaft, die ebenfalls die Fertilität vermindern kann.

Bei gut einem Drittel der Frauen mit langjährig unerfülltem Kinderwunsch liegen pathologische Tubenveränderungen vor. Ein anderer Ansatz weist daher den Zusammenhang dieses sogenannten Tubenfaktors mit serologischen Markern (chlamydienspezifischen IgG-Antikörpern) nach. Mehr als 20 Prozent der Frauen hatten stark erhöhte Chlamydien-Antikörper-Titer. In der serologisch positiven Gruppe wiesen 50 Prozent Veränderungen an den Tuben auf, der Unterschied zur Vergleichsgruppe war signifikant. Signifikant höher war in dieser Studie auch die Anzahl der jeweils mitinfizierten Partner. Der Zusammenhang zwischen Chlamydieninfektion und verminderter Fertilität beim Mann werde allerdings, so Eggert-Kruse, noch heftig diskutiert. Am sexuellen Übertragungsweg - und damit der indirekten Bedeutung für die weibliche Sterilität - wird jedoch nicht gezweifelt: Vermutlich gelangen die Bakterien in das Genital der Frau, da sie an den Spermatozoen haften können. Sie überleben auch Kryokonservierung und In-vitro-Fertilisationsverfahren.

Blieb der Kinderwunsch schon über mehrere Jahre unerfüllt, so kommt ein Screening für eine akute Chlamydieninfektion bei Mann oder Frau zu spät. Wichtig ist die frühzeitige Behandlung der Erkrankung unter Einbeziehung des Partners. Die Krankheit tritt gehäuft bei jungen Menschen um die zwanzig auf; besonders gefährdet ist, wer häufig den Sexualpartner wechselt oder bereits an anderen sexuell übertragbaren Krankheiten leidet. Bei Frauen können Symptome wie eine leichte Verletzlichkeit des Gebärmutterhalses, nicht hormonell bedingte Blutungsstörungen, Reizblase, leichte Dysurie oder auch nur ein geringes Ziehen im Unterbauch erste Anzeichen für eine Infektion mit Chlamydia trachomatis sein.

PZ-Artikel von Stephanie Czajka, Berlin
       

© 1996 GOVI-Verlag
E-Mail:
redaktion@govi.de

Mehr von Avoxa