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Frauen profitieren sehr von Cholesterolsenkung

13.01.1997
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-Medizin

  Govi-Verlag

Frauen profitieren sehr von Cholesterolsenkung

  Noch vor wenigen Jahren diskutierten Wissenschaftler und Ärzte um die Sinnhaftigkeit der Cholesterolsenkung. Inzwischen konnten große Studien zu der Einsicht beitragen, daß die Lipidsenkung sowohl in der Sekundär- als auch in der Primärprophylaxe zur Reduktion der Mortalität beiträgt. Jüngst zeigte die Subgruppenanalyse der CARE-Studie einen Unterschied im klinischen Nutzen zwischen Männern und Frauen.

Frauen mit koronarer Herzkrankheit können ihr Risiko eines Reinfarktes oder Schlaganfalles durch eine cholesterolsenkende Therapie drastisch reduzieren. Die Subgruppenanalyse der CARE-Studie (Cholesterol and Recurrent Events), die Ende November auf dem Jahreskongreß der American Heart Association vorgestellt wurde, zeigte für Frauen einen deutlich höheren Nutzen einer Medikation mit 40 Milligramm Pravastatin pro Tag als bei Männern. Das koronare Risiko sank bei Frauen in der Studie insgesamt etwa doppelt so stark wie bei Männern. Die Zahl der nicht-tödlichen Reinfarkte nahm bei den Studienteilnehmerinnen sogar um 67 Prozent ab, bei den Männern nur um 15 Prozent, wie Professor Frank Sacks von der Havard Medical School in Boston/USA erklärte.

Warum diese Unterschiede beim Ansprechen auf die Therapie auftraten, blieb offen. Der Cholesterolspiegel in beiden Gruppen war etwa gleich und wurde um die gleiche Rate gesenkt. Die Frauen wiesen allerdings insgesamt mehr und höhere Risikofaktoren auf. So hatten sie im Durchschnitt höheren Blutdruck, rauchten mehr, litten häufiger unter Diabetes und hatten öfter eine positive Familienanamnese.

Die CARE-Studie ist die vorerst letzte einer Reihe von Studien mit Lipidsenkern aus der Gruppe der Statine, die seit Ende 1994 vorgestellt wurden. Mit der im November 1994 veröffentlichten Scandinavian Simvastatin Survival Study, kurz 4S, gelang erstmals der schlüssige Nachweis, daß die Cholesterolsenkung bei Patienten nach einem Herzinfarkt oder einer länger bestehenden Angina pectoris zur Reduktion schwerer koronarer Ereignisse wie Herzinfarkt und Koronartod führt.

Während die 4S nur Patienten mit sehr hohem Cholesterolspiegel einschloß - Voraussetzung zur Teilnahme war neben der bestehenden koronaren Herzkrankheit ein Cholesterolspiegel zwischen 212 und 309 Milligramm pro Deziliter - ergänzt die CARE-Studie das Ergebnis für Patienten mit einem fast normalen Wert von 240 Milligramm pro Deziliter oder darunter. Die im letzten Jahr in Amerika vorgestellte WOS-Studie (West of Scotland) konnte darüber hinaus Belege dafür liefern, daß auch Menschen mit erhöhtem Cholesterolspiegel, die noch kein ausgeprägtes koronares Risiko haben, von einer Cholesterolsenkung mit Pravastatin profitierten.

PZ-Artikel von Jutta Petersen-Lehmann, New Orleans
       

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